Predigt:
Sammelt euch Schätze im Himmel!
18. Sonntag im Jahreskreis C (05.08.2007)
L1: Koh 1,2; 2,21-23; L2: Kol 3,1-5.9-11; Ev: Lk 12,13-21
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
„Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?“ (Lk 9,25)
Diese Worte unseres Herrn kommen uns in den Sinn, wenn wir das heutige Evangelium vom reichen Mann hören, der eine übergroße Ernte einfährt und an nichts anderes mehr zu denken vermag, als wie er seinen Reichtum vermehren und dauerhaft sichern könnte. Dabei aber übersieht er, dass dieses Leben auf Erden nicht ewig währt und er bei seinem Sterben nichts von alldem mitnehmen kann, was er angehäuft hat. „Wem wird all das gehören, was du angehäuft hast?“ fragt ihn Gott, der ihn schon in Kürze über sein Leben zur Rechenschaft ziehen wird.
Wie kurzsichtig ist doch oft das menschliche Trachten und Planen! Wie schnell sind wir beeindruckt von den materiellen Gütern, die uns umgeben, und wie leicht vergessen wir in all „den Sorgen, dem Reichtum und den Genüssen des Lebens“ (Lk 8,14) das wirklich Wesentliche und Eigentliche: nämlich das ewige Heil unserer Seele.
Gewiss: Wir brauchen das Nötige, um hier auf Erden zu leben. Gott hat die Güter der Erde allen Menschen anvertraut, damit sie daraus Nahrung beziehen und Frucht und Ertrag schöpfen für eine menschenwürdige Gestaltung des Lebens. Niemand verlangt, dass wir in Armut leben, oder wünscht, dass es uns materiell schlecht geht. Und doch gilt: „Vertraut nicht auf Gewalt, verlasst euch nicht auf Raub! Wenn der Reichtum auch wächst, so verliert doch nicht euer Herz an ihn!“ (Ps 62,11)
Wie viele sind es, die dann, wenn es ihnen gut geht und sie genug zu essen und ausreichende Mittel zum Leben haben, an Gott denken und ihm, dem Spender aller guten Gaben, dafür danken? Wie viele sind es, die nicht nur in der Not zu Gott beten und ihm vielleicht dann sogar Vorwürfe machen, weil sie seine Heimsuchungen nicht verstehen, sondern die auch in Wohlstand und Wohlergehen ihr Herz täglich zu Gott erheben, weil sie wissen und spüren, dass alles Irdische gleichsam nur eine Leihgabe ist und dass der Reichtum hier auf Erden nicht das Letzte ist von allem, was der Mensch in seinem tiefsten Herzen ersehnt und erstrebt? Im Buch Deuteronomium heißt es: Gott „wollte dich erkennen lassen, dass der Mensch nicht nur von Brot lebt, sondern dass der Mensch von allem lebt, was der Mund des Herrn spricht.“ (Dtn 8,3)
Und dann kommt noch etwas dazu: Wer hat den relativ wenigen reichen und wohlhabenden Menschen und Nationen dieser Erde das Recht gegeben, sich über Gebühr Reichtum und Besitz anzuhäufen und dabei auf das Elend jener Menschen zu vergessen, die kaum mit dem Nötigsten hier auf Erden gesegnet sind? Der arme Lazarus sitzt vor der Tür, während der Reiche sein Festmahl hält und nicht an ihn denkt, ja sogar bewusst über seine Bedürfnisse hinwegsieht und diese mit Füßen tritt (vgl. Lk 16,19–31). Denn Gott hat die Güter dieser Erde allen Menschen anvertraut, damit sie diese gemeinsam nutzen, jeder nach seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten. So konnte Papst Paul VI. in seiner Enzyklika „Populorum progressio“ (Nr. 23) schon vor 40 Jahren feststellen, dass das Privateigentum „für niemand ein unbedingtes und unumschränktes Recht“ ist. Denn „niemand ist befugt, seinen Überfluss ausschließlich sich selbst vorzubehalten, wo andern das Notwendigste fehlt.“ Der Kirchenlehrer Ambrosius sagt über jene, die – wie es nur recht und billig ist – von ihrem Überfluss etwas den Armen geben: „Es ist nicht dein Gut, mit dem du dich gegen den Armen großzügig weist. Du gibst ihm nur zurück, was ihm gehört. Denn du hast dir herausgenommen, was zu gemeinsamer Nutzung gegeben ist. Die Erde ist für alle da, nicht nur für die Reichen.“[1]
Diese Überlegungen mögen uns verstehen lassen, dass wir als Menschen zu Höherem berufen sind als zu einem bloß materiellen und an das Irdische gebundenen Leben. Wir sollen nicht wie die Maulwürfe sein, die ihren Kopf unter der Erde verbergen und mit ihren schlecht entwickelten Augen das Licht scheuen. Blicken wir auf zu den Sternen unseres Lebens; lassen wir uns von der Sonne der Liebe Gottes bescheinen, der die Sonne aufgehen lässt über Böse und Gute und es regnen lässt über Gerechte und Ungerechte (vgl. Mt 5,45) – so groß sind die Wohltaten seiner Gaben.
Sammeln wir uns Schätze im Himmel (vgl. Mt 6,20), indem wir mit den uns geschenkten Gaben Gutes tun und ein Herz haben auch für Arme und Notleidende. Wer sich auf diese Weise die Freiheit des Herzens bewahrt, wird in Gelassenheit auch einmal Abschied zu nehmen vermögen von dieser Welt. Denn wir sind eingeladen ins Haus des himmlischen Vaters, wo uns Gottes Liebe in überreicher Weise zuteil wird. Bitten wir die selige Jungfrau und Gottesmutter Maria um ihre Fürbitte bei Gott, dass wir durch Gottes Gnade einst dieses Ziel des ewigen und seligen Lebens erreichen. Amen.
