Dr.
theol. habil. Josef Spindelböck
Vom Teufel in Versuchung geführt
Predigt am 1. Fastensonntag
25. Februar
2007 (Lesejahr C)
L 1: Dtn
26,4-10; L 2: Röm 10,8-13; Ev:
Lk 4,1-13
Die aktuellen
Messtexte finden Sie im Schott!
Liebe
Brüder und Schwestern im Herrn!
Die
am Aschermittwoch begonnene Fastenzeit
lädt uns ein, dass wir uns auf dem Weg des Verzichtes, des Opfers und der
inneren Läuterung auf das Osterfest vorbereiten. Nicht eine Last soll uns diese
Zeit der Buße sein, sondern eine
Hilfe, um frei zu werden für das Wesentliche: um neu zu Gott zu finden und um die Nächstenliebe im Geist Christi zu üben.
Jesus
Christus ist der Retter, der Erlöser: Dies bezeugt uns die Lesung aus dem Brief
des Apostels Paulus an die Römer. „Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird
gerettet werden“, verkündet Paulus. Den Namen Gottes anzurufen ist aber eine
Sache sowohl des Herzens als auch des äußeren Bekenntnisses. Darum gilt nach
den Worten der Schrift, dass wir mit dem
Herzen an die Auferstehung Jesu Christi von den Toten glauben und dies auch mit dem Mund vor den Menschen bekennen sollen. Dann werden wir gerettet werden.
So
manches steht dem im Leben entgegen. Wie viele allzu menschlichen
Rücksichtnahmen gibt es doch, wie viele Ausflüchte, wie große Menschenfurcht
und Feigheit! Da muss uns wirklich der
Heilige Geist stärken, der auch unseren Herrn Jesus Christus in seiner Menschheit gestärkt und geführt hat, als
dieser in die Wüste ging, um dort 40 Tage zu beten und zu fasten.
Danach wurde er vom Teufel in Versuchung geführt.
Jesus Christus ist der wahre und wesensgleiche Sohn Gottes; er ist
aber auch ganz Mensch, und als „Menschensohn“ konnte er auch in Versuchung geführt werden, obwohl er
nie gesündigt hat und auch nicht
sündigen konnte. In dreifacher Weise wurde unser Herr vom Teufel bedrängt: Mit der ersten
Versuchung, aus Steinen Brot zu machen, wollte der Teufel Jesus ganz auf
das irdische Wohlleben und Vergnügen fixieren. Freilich gelang ihm dies nicht,
denn Jesus zeigte auf, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt. Es gibt auch
höhere Werte, wie vor allem die lebendige Beziehung zu Gott, die nicht außer
acht bleiben dürfen. In der zweiten
Versuchung, alle Reiche der Erde zu erhalten, bot der Teufel Jesus die
Herrschaft über die Welt an und gleichzeitig wollte der Versucher damit Gott
entthronen, indem er Jesus aufforderte, ihn anzubeten. Demgegenüber bekräftigt
Jesus, dass man Gott allein anbeten dürfe und ihm dienen solle. Die letzte Versuchung des vermessenen
Vertrauens im Sich-Hinabstürzen von der höchsten
Zinne des Tempels wies Jesus mit den Worten zurück, man dürfe Gott nicht in
Versuchung führen.
Wir alle werden auf
verschiedene Weise vom Bösen versucht: Die Quelle der Versuchung kann in
uns selber liegen, wenn es ungeordnete Neigungen sind, welche uns zu Stolz,
Egoismus und Sinnlichkeit verleiten; es gibt auch die Versuchung und Verführung
durch ein schlechtes Milieu oder
durch schlechte Freunde, und schließlich gibt es tatsächlich auch die
Möglichkeit einer ziemlich direkten Einflussnahme vonseiten des bösen Feindes. In all diesen Prüfungen sollen wir
nicht verzagen, sondern auf Gott vertrauen, der uns stärkt und hilft. Gott wird es nicht zulassen, dass wir über
unsere Kraft hinaus versucht werden. Wenn wir in Demut auf ihn vertrauen
und unseren Beitrag leisten, das Böse zu überwinden, dürfen wir mit seiner
Hilfe rechnen.
Eben
dies ist der Weg der Bewährung hier auf
Erden, dem ewigen Ziel entgegen. Wir
bitten die heilige Gottesmutter Maria, dass sie uns in mütterlicher Weise
im Lebenskampf begleitet und durch ihre Fürbitte bei Gott stärkt. Wie ihr Sohn
Jesus Christus war sie stets ohne Sünde;
bei Jesus Christus war dies eine Notwendigkeit seiner Natur, weil er der Sohn
Gottes ist; bei Maria ist es reine Gnade,
welche ihr zuteil wurde von ihrem Sohn Jesus Christus, der der einzige Erlöser
aller Menschen ist. Er wollte die Wirksamkeit seiner Erlösung an Maria
aufzeigen, welche durch ihre Demut dem stolzen Feind widerstanden hat.
Auch
wir dürfen jubeln über die Herrlichkeit
der göttlichen Macht und Liebe, welche uns zuteil wird, wenn wir uns im
Herzen und mit dem Mund zu Jesus Christus bekennen, wenn wir in Wort und Tat
stets für ihn eintreten und im Leben für die Liebe Gottes Zeugnis ablegen.
Amen.
In der Diözese St.
Pölten beten wir heute besonders für Regens Dr. Anton Leichtfried,
der an diesem Fastensonntag zum Weihbischof geweiht wird. Möge ihn Gottes
Heiliger Geist stärken und begleiten, damit er sein Amt zur Ehre Gottes und zum
Heil der Menschen in guter Zusammenarbeit mit unserem Diözesanbischof DDr. Klaus
Küng ausüben kann!
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