Predigt:
Die Klarheit der Glaubensentscheidung
20. Sonntag im Jahreskreis C (19.08.2007)
L1: Jer 38,4-6.8-10; L2: Hebr 12,1-4; Ev: Lk 12,49-53
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Wenig einladend und schon gar nicht schmeichelhaft klingen die Worte des Herrn im Evangelium dieses Sonntags nach Lukas: „Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung.“ (Lk 12,51) In der Parallelstelle bei Matthäus (10,34) heißt es sogar: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“
Passen solche Worte überhaupt zu Jesus Christus, den wir als den Sanftmütigen und Friedfertigen kennen, ja sogar als das geduldig leidende Gotteslamm (vgl. Joh 1,29), das durch das Opfer seines Todes am Kreuz die Sünde der Welt hinweg nimmt? Würden wir diese Worte nicht eher dem Propheten des Islam, Mohammed, zutrauen, der seine Religion wie es heißt „mit Feuer und Schwert“ ausbreiten wollte und sich nicht scheute, persönlich Gewalt anzuwenden und Krieg zu führen gegenüber allen, die sich ihm widersetzten?
Andererseits: Gerade die Verfolgungen, die der Herr von seinen Feinden erfahren musste, obwohl er doch nichts anderes als den Willen Gottes aufzeigte und die Botschaft von der rettenden Liebe Gottes verkündete, sind ein Hinweis dafür, dass die Worte Jesu sich zuerst bei ihm selbst und dann bei seinen Jüngern und allen, die ihm nachfolgen, bewahrheitet haben. Tatsächlich verlangt Jesus Christus die klare Entscheidung; er verlangt den Glauben an die Macht Gottes und die Annahme des Geschenkes der Erlösung. Er ist durch seine Botschaft und sein Auftreten zum „Zeichen, dem widersprochen wird“ (Lk 2,34), geworden. Von den maßgeblichen Hohepriestern und Schriftgelehrten wurde er abgelehnt, von der römischen Autorität zum Tod am Kreuz verurteilt. „Gott aber hat ihn von den Toten auferweckt“ (Apg 3,15), sodass die prophetischen Worte der Schrift wahr geworden sind: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden“ (Mk 12,10 mit Zitat aus Ps 118,22 G). Und heißt es nicht in der Lesung aus dem Hebräerbrief, dass Jesus, der „Urheber und Vollender unseres Glaubens“, aus Liebe zu uns Menschen und im Gehorsam gegenüber seinem himmlischen Vater bereitwillig alle Schmach auf sich genommen hat, um sich dann „zur Rechten von Gottes Thron“ zu setzen, nachdem er zuvor „von den Sündern solchen Widerstand gegen sich erduldet hat“?
Dies alles zeigt uns den Zusammenhang auf, in dem wir die Worte Jesu vom Feuer, das er auf die Erde zu werfen gekommen ist (vgl. Lk 12,49) und von der Auseinandersetzung und Spaltung, die sein Auftreten und sein Wort mit sich bringen können, verstehen müssen. Es gibt kein „Christentum light“, das jedem recht ist; es gibt keinen „Kuschelkurs in Sachen Religion“, der niemandem weh tut. Jedenfalls ist dies nicht die Botschaft Jesu Christi, der auch harte Worte nicht gescheut hat, um die verhärteten Herzen zu erschüttern und die Sünder zur Umkehr aufzurufen, der auch vom Gericht Gottes gesprochen hat und sogar – wie unpopulär! – von der ewigen Verdammnis, die jene erwartet, welche ins Reich Gottes definitiv nicht eintreten wollen, sondern sich der Liebe Gottes bis zuletzt hartnäckig in Bosheit und Unglaube widersetzen.
Freilich sehen wir jetzt auch den wesentlichen Unterschied der Botschaft Jesu Christi, des wahren und einzigen Sohnes Gottes, zu Mohammed, der sich zwar selber für einen Propheten Gottes gehalten hat, es aber in Wirklichkeit nicht gewesen ist: Die Lehre Christi ist wesentlich eine Botschaft der Liebe, und nur ihre Ablehnung führt zu den erwähnten negativen Folgen wie Streit, Spaltung und Feindschaft. Die Gewalt als Instrument der Religion hat im Christentum keinen Platz, auch wenn es Zeiten gab, wo sich auch einflussreiche Leute in der Kirche schwer taten mit einer solchen Sichtweise. Die Lehre der Kirche ist jedoch klar: Der Glaube kann nur in Freiheit angenommen werden, eine Glaubensverbreitung durch Gewalt ist widersinnig und widerspricht dem Wesen des christlichen Glaubens.
Was will uns also das heutige Evangelium sagen? Wir sind aufgerufen zu einer klaren Stellungnahme des Glaubens, zu einer Entscheidung des Herzens für Gott. Eine ewige Unentschiedenheit ist nicht möglich, ja jene „Lauheit“ und Unentschiedenheit, die das Interesse für die Wahrheit Gottes bereits gänzlich verloren hat, wird in der Heiligen Schrift ausdrücklich als schlimme Verirrung angesehen: „Ich kenne deine Werke. Du bist weder kalt noch heiß. Wärest du doch kalt oder heiß! Weil du aber lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien.“ (Offb 3,15–16)
Seien wir überzeugt, dass viele Menschen auch von uns ein klares Wort und eine wirkliche Orientierung im Glauben erwarten! Geben wir das Zeugnis unserer gläubigen Zugehörigkeit zur katholischen Kirche und lassen wir uns durch gelegentlichen Widerspruch oder gar offene Feindschaft nicht beirren in dem, was wir als Wort und Weisung Gottes erkannt haben und von unserem christlich gebildeten Gewissen her vertreten müssen. Die Welt braucht unser Bekenntnis, nur dann sind wir Salz der Erde und auch Sauerteig, der das ganze durchsäuert und auf diese Weise mit Gottes Gnade vieles zum Guten hin bewegt. Amen.
