Predigt:
25. Sonntag im Jahreskreis C (19.09.2004)
L1: Am 8,4-7; L2: 1 Tim 2,1-8; Ev: Lk 16,1-13
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Gott der Herr hat uns viele wunderbare und kostbare Gaben anvertraut, für die wir dankbar sind und für die wir Verantwortung tragen. Die Schönheit der Natur, die wir in diesen Tagen erleben können, ist ein Abglanz dessen, der sie erschaffen hat, und ein Zeichen seiner Größe und Güte.
Auch jedem von uns sind in seinem Leben reiche Gaben geschenkt. Der eine hat diese, der andere jene Talente. Es gilt, sorgsam damit umzugehen. Was der eine hat und gut kann, soll auch dem anderen zugute kommen. Wie schlimm wäre es, wenn wir nur für uns selber arbeiten würden und kein Herz hätten für unsere Mitmenschen! Der Egoismus zerstört alles; statt Liebe kehrt Hass ein in das menschliche Zusammenleben; statt wohlwollender Freundschaft regieren Missgunst, Streit und Ablehnung. Dies zeigt sich täglich im Kleinen wie im Großen, in den Ehe und Familien, in den Gemeinschaften, in der Gesellschaft sowie in der nationalen und internationalen Politik. Eben darum heißt es im Evangelium, wir sollten zuverlässig sein in den kleinen Dingen, damit wir es auch im Großen sind.
All das Große, das der Mensch hier auf Erden wirkt, hat jedoch sein Ziel nicht in sich selbst. Es ist hingeordnet auf die ewige Vollendung. Wollte die Menschheit sich selber an die Stelle Gottes setzen, dann wird der Bau der „Stadt des Menschen“ gründlich misslingen, wie wir bereits im Alten Testament in der Erzählung des Turmbaus von Babel lesen. Gott der Herr verwirrte den Hochmut der Menschen, die meinten, sie könnten aus eigenen Kräften bis zum Himmel emporsteigen. Wollte der Mensch heute in der Biomedizin und mit Hilfe der Gentechnik den neuen, perfekten Menschen schaffen und ihn womöglich gar im Labor herstellen, so ist ein solches Unternehmen von vornherein zum Scheitern verurteilt. Gottes Weisheit erweist sich stets größer als alle menschliche Vorstellungskraft und Planung.
Eben darum mahnt uns Jesus im heutigen Evangelium, wir sollten unser Herz nicht an den ungerechten Reichtum – an den „Mammon“ – hängen. Denn das wahre Gut des Menschen ist woanders zu finden. Das wahre Eigentum erwartet der Christ bei Gott, und es ist gleichsam der Lohn dafür, wenn wir hier auf Erden ausgeharrt haben in lebendigem Glauben, in unerschütterlicher Hoffnung und in Werken der Gottes- und Nächstenliebe!
Welchem Herrn also dienen wir? Dienen wir unserem Eigennutz, oder setzen wir Gott an die erste Stelle des Lebens? Letztlich kann niemand zwei Herren dienen, sagt uns Jesus Christus. Entscheidendes hängt also davon ab, ob wir bereit sind, Gott an die erste Stelle des Lebens zu setzen oder nicht. Wenn wir mit Gott verbunden sind, der Quelle der Liebe und des Lebens, dann werden wir auch ein Herz füreinander haben. Wir werden dann nicht irdische Güter anhäufen und an uns raffen, die wir ohnehin nicht mitnehmen können aus dieser Welt, sondern wir werden uns vielmehr nach dem Wort des Herrn Freunde schaffen mit dem ungerechten Mammon, damit wir einst in die ewigen Wohnungen aufgenommen werden.
Dies geschieht dann, wenn der Mensch die irdischen Güter dankbar annimmt und sie zum eigenen Wohl wie zum Wohl des Mitmenschen einsetzt, jedoch sein Herz nicht daran hängt. Denn wo unser Schatz ist, das ist unser Herz!
Unsere Herzen mögen vielmehr dort verankert sein, wo die wahren Freuden zu finden sind. Weder Rost noch Motte können diesen Schatz beeinträchtigen und entwerten. Gott selbst ist unser Leben, unsere Hoffnung und unser Ziel.
Gehen wir voll Dankbarkeit unseren Weg – in Einheit mit der Gottesmutter Maria und allen Heiligen, die im Himmel als unsere Freunde auf uns warten, wo uns die ewige Wohnung bereitet ist! Amen
