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Predigt:

27. Sonntag im Jahreskreis C (03.10.2004)

L1: Hab 1,2-3; 2,2-4; L2: 2 Tim 1,6-8.13-14; Ev: Lk 17,5-10


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Verschiedenes bewegt uns in diesen Tagen: Da ist zum einen der eingereichte, vom Papst jedoch noch nicht offiziell angenommene Rücktritt unseres Diözesanbischofs Dr. Kurt Krenn. Viele sind erleichtert, aber nicht wenige bedauern es auch, dass der Bischof diesen Schritt setzen musste. Jedenfalls beten wir um einen guten Nachfolger als Bischof! Zum anderen findet heute in Rom die Seligsprechung des ehemaligen Kaisers Karl I. von Österreich statt, der politisch in seiner Friedensliebe gescheitert ist, sich aber dennoch durch ein vorbildliches christliches Leben im Einsatz für seine Völker ausgezeichnet hat.

Diese Ereignisse stehen im Raum; sie weisen aber über sich hinaus auf eine größere Dimension, die wir nicht aus dem Auge verlieren sollen. Es ist dies der Glaube an Gott, wie ihn uns Christus verkündet und gelehrt hat und wie ihn die Kirche bezeugt. Darum geht es letztlich in unserem christlichen Leben; alles andere ist letztlich zweitrangig.

Jesus spricht davon, dass wir einen Glauben haben sollten, der fähig wäre, Berge zu versetzen (vgl. Mt 17,20; oder, wie es im heutigen Evangelium Lk 17,6 heißt: „einen Maulbeerbaum“). Mit diesen Bildern möchte uns der Herr zu einem unbegrenzten Vertrauen in den himmlischen Vater aufrufen, der uns nahe ist und uns liebt. Dem dreifaltigen Gott können wir gar nie genug an Glauben, Dankbarkeit und vertrauensvoller Zuwendung entgegenbringen. Er ist stets größer als unser Herz.

Wie leicht versinken wir doch im Irdischen! Das Sichtbare um uns erscheint uns oft als das alles Entscheidende. Dabei vergessen wir, dass alle Reichtum, alle Macht und alle Ehre dieser Welt vergänglich sind. Letztlich zählt nur das, was wir im Herzen tragen an Liebe zu Gott und zueinander. Die inneren, bleibenden Werte zählen für die Ewigkeit!

Wie aber wird unser Glaube zu Gott gestärkt und vermehrt? Zuallererst ist der Glaube eine Gnade, die Gott uns schenkt. Er befähigt uns zu glauben und zu vertrauen. Eben darum beten wir auch beim Rosenkranz: „der uns den Glauben vermehre“. Die Apostel haben Jesus gebeten: „Stärke unseren Glauben!“ (Lk 17,5). Gott, der barmherzig und gütig ist und uns alles Nötige in reichem Maße zuteil werden lässt, wird diese Bitte erfüllen. Lassen wir daher nie nach im Gebet!

Zweitens braucht es auch ein Glaubenswissen. Eben darum sind Eltern dazu aufgerufen, ihre Kinder in wichtige Wahrheiten des Glaubens einzuführen. Deshalb gibt es auch den Religionsunterricht in der Schule, die Predigt im Gottesdienst sowie verschiedene katechetische Angebote zur Glaubensvertiefung. Vielleicht können wir ein gutes religiöses Buch lesen, das uns im Glauben weiterbringt und uns hilft auf dem Lebensweg!

Drittens aber gehört auch unser eigener Wille dazu, dass wir bereit sind zu glauben. Gott zwingt uns nicht, er lädt uns sein. Wir sollen ihm in der Freiheit der Liebe unsere Zustimmung geben. Diese Mitwirkung ist wesentlich. „Gott wollte uns erschaffen ohne uns, aber er wollte uns nicht erlösen ohne uns.“ So hat es der heilige Augustinus formuliert. Wir sind also aufgerufen, Gehilfen oder „Mitarbeiter der Wahrheit“ (3 Joh 8) zu sein und den Glauben anzunehmen, im Herzen zu bewahren und im Leben zu bezeugen!

Woran glauben wir? An die rettende Macht der Liebe Gottes in allen Lebenssituationen, in Gesundheit und Krankheit, in Freude und Leid, bei Erfolg und Misserfolg, im Leben und im Tod! Ein solcher Glaube kann wirklich Berge versetzen, d.h. das unmöglich Scheinende durch die Macht Gottes möglich machen. Gerade der an diesem Sonntag vom Papst selig gesprochene Kaiser Karl hat in diesem Gottvertrauen sein Leben aus der Hand Gottes angenommen und sich bemüht, seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen gerecht zu werden. Wenn er selig gesprochen wird, dann nicht als Kaiser, sondern als vorbildlicher katholischer Christ, der uns vom Himmel her mit seiner Fürbitte beistehen wird.

Wenn wir aus dem Glauben leben – in Einheit mit dem Papst und den Bischöfen –, dann wird die Kirche Gottes aufgebaut. Niemand kann uns daran hindern. Mögen uns die Heiligen des Himmels mit ihrer Fürsprache bei Gott begleiten! Besonders vertrauen wir uns der Fürbitte der „Rosenkranzkönigin“, der heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria, an. Amen