Predigt:
28. Sonntag im Jahreskreis C (10.10.2004)
L1: 2 Kön 5,14-17; L2: 2 Tim 2,8-13; Ev: Lk 17,11-19
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
„Jesus, Meister, erbarme dich unser!“ Mit diesen erschütternden Worten wandten sich zehn Aussätzige an Jesus, der gerade durch das Grenzgebiet von Galiläa und Samarien wanderte, Jerusalem entgegen. Dieser Hilferuf war Ausdruck ihres Glaubens und Vertrauens, da sie in Jesus Christus den Meister und Retter erkannten. Ihre Hoffnung und Zuversicht auf Rettung wurden nicht enttäuscht: Sie wurden geheilt!
Der Blick auf Jesus Christus, den Erlöser, ist es, der uns allen Not tut. Der von Papst Johannes Paul II. in der letzten Woche, am Rosenkranzfest (07.10.2004), neu bestellte Bischof von St. Pölten, DDr. Klaus Küng, hat dies in seinen ersten Stellungnahmen ganz klar ausgedrückt: In der Kirche muss es uns in allem und vor allem um Gott gehen. Jesus Christus, der Sohn Gottes, den der himmlische Vater um unseres Heiles willen in die Welt gesandt hat und der kraft seines Geistes in seiner Kirche wirkt, ist der Mittelpunkt des christlichen Lebens! Ihn sollen wir erkennen, ihm sollen wir nachfolgen, in der Kraft seiner Liebe sollen wir einander lieben als Brüder und Schwestern in Christus. Das ist gleichsam das Programm für uns als katholische Christen in unserer Diözese und für die Kirche insgesamt.
Als sich die Aussätzigen an Jesus wandten, da ging es um eine körperliche und zugleich seelische Not. Der Aussatz (Lepra) machte sie zu Ausgestoßenen aus der Gesellschaft. Die Ansteckungsgefahr war groß, und überdies herrschte die Meinung vor, diese Kranken wären von Gott verlassen und bestraft. Durch die Begegnung mit Jesus Christus, dem Heilbringer, wurden sie wieder gesund. Er ist der Arzt für Leib und Seele. Wie aber reagierten die Geheilten auf diese ihnen von Gott geschenkte Gnade? Nur ein einziger kehrte um, fiel vor Jesus auf die Füße nieder und dankte Gott. Dieser aber war ein Mann aus Samaria.
In der Not denken so manche an Gott und rufen ihn an. Sie erwarten Hilfe, entweder fast verzweifelt oder doch mit Hoffnung und Vertrauen. Wenn sich dann das Los gewendet hat und Erhörung zuteil geworden ist, vergessen wir Menschen sehr schnell darauf, dass uns Gott beschenkt hat. Die Fähigkeit und Bereitschaft, Dank zu sagen ist uns vielfach abhanden gekommen. So waren neun Aussätzige, die geheilt worden waren, nicht in der Lage, Gott dafür zu danken. Sie gingen ihrer Wege und kümmerten sich nicht weiter darum, was an ihnen Großes geschehen war.
Liebe Brüder und Schwestern! Auch uns hat Gott schon vieles Große geschenkt. Aus so mancher Angst und Not hat er uns errettet. Wir sind reich beschenkt mit Gaben; ja unser Leben ist ein unschätzbares Geschenk der Liebe Gottes. So sehr hat uns Gott geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gesandt hat, der sein Leben für uns am Kreuze hingegeben hat, damit wir von unseren Sünden geheilt und von allem Bösen erlöst werden. Wer wollte da nicht von ganzem Herzen Gott dafür danken?
Es ist die „Eucharistie“ als Danksagung, zu der wir in besonderer Weise eingeladen sind. An diesem Sonntag wird das „Jahr der Eucharistie“ eröffnet.[1] Dabei sollen wir uns vor allem der Opfergabe des Leibes und Blutes Christi wieder dankbar bewusst werden. Denn bei jeder heiligen Messe werden das Kreuzesopfer Christi und seine Auferstehung durch die Macht Gottes auf dem Altar gegenwärtig gesetzt, wenn der Priester in der Person Christi die Wandlungsworte sprechen darf. Wie können wir diesen unseren Glauben an die besondere Gegenwart des Erlösers im Sakrament der Eucharistie vertiefen?
Zu einer bleibenden „Danksagung“ gehört, dass wir wenigstens am Sonntag, nach Möglichkeit auch am Werktag die heilige Messe in Liebe und Ehrfurcht mitfeiern. Hier werden wir mit dem Leben Christi verbunden, das eine unerschöpfliche Kraftquelle ist. Wer mit Jesus Christus vereint ist, wird auch fähig sein, die Gebote Gottes zu halten, die Tugenden zu üben und sich dem Mitmenschen gegenüber öffnen. In seinem Apostolischen Schreiben zum „Jahr der Eucharistie“ ruft der Papst alle Gläubigen in den Diözesen und Pfarrgemeinden zu mehr Sensibilität und zu Brüderlichkeit angesichts der Armut in der Welt auf. Konkret verweist Johannes Paul II. auf das „Drama des Hungers, das Hunderte von Millionen Menschen quält“, und erwähnt Krankheiten, die die Entwicklungsländer geißeln. Er erinnert auch an „die Einsamkeit der Alten, die Schwierigkeiten der Arbeitslosen, die Probleme der Immigranten.“
Wer betet und mit Gott verbunden ist durch die heiligen Sakramente, kann sein Herz also nicht vor dem Bruder oder der Schwester in Not verschließen. Blicken wir voll Vertrauen auf die heilige Gottesmutter Maria, die Rosenkranzkönigin! Sie war bereit, Gott in allem zu dienen und konnte eben dadurch ganz für die Menschen da sein. In diesem Sinn wollen wir besonders für unsere Diözese beten, dass alles Gute fortgeführt werden kann, was besteht und auch durch den bisherigen Bischof Kurt Krenn ermöglicht wurde, und dass wir alle durch die Liebe Gottes vollendet werden. Amen.
[1] Das vom Papst ausgerufene „Jahr der Eucharistie“ beginnt am Sonntag, 10. Oktober 2004, mit dem Eucharistischen Weltkongress im mexikanischen Guadalajara. Der Kongress dauert bis 17. Oktober; das „Jahr der Eucharistie“ endet mit einer Bischofssynode im Oktober 2005 in Rom.
