Dr. Josef Spindelböck

Predigt am 29. Sonntag im Jahreskreis C
17. Oktober 2004

L 1: Ex 17,8-13; L 2: 2 Tim 3,14-4,2; Ev: Lk 18,1-8

Die aktuellen Messtexte finden Sie im Schott!

Zu verlesen ist in diesen Tagen der Hirtenbrief des neuen Bischofs von St. Pölten, DDr. Klaus Küng, an die Gläubigen.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Mit dem letzten Sonntag, dem 10. Oktober 2004, sind wir in das „Eucharistisches Jahr“ eingetreten. Es dauert von Oktober 2004 bis Oktober 2005. Wie unser Heiliger Vater, Papst Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben „Mane nobiscum, Domine“ (Bleibe bei uns, Herr) bekannt gegeben hat, wird es als Ziel haben, die ganze Kirche zu einem vertieften Verständnis des Geheimnisses der Gegenwart Jesu Christi in diesem heiligen Sakrament hinzuführen.

Nicht bloße Theorie darf dieser unser Glaube an den eucharistischen Heiland Jesus Christus sein, der mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit gegenwärtig ist unter den sakramentalen Gestalten von Brot und Wein. Vielmehr sollen wir ganz davon durchdrungen sein und die Kraft unseres Lebens aus der Anbetung des Herrn im Allerheiligsten Sakrament des Altares empfangen, aus der Teilnahme am Lob-, Dank-, Bitt- und Sühneopfer der heiligen Messe sowie aus dem würdigen und fruchtbringenden Empfang der heiligen Kommunion. Fern sei von uns der bloß gewohnheitsmäßige Empfang des Herrn im Allerheiligsten Sakrament des Altares, und fern sei insbesondere der unwürdige, weil nicht im Stand der Gnade erfolgende, oder gar sakrilegische, d.h. in gotteslästerlicher Weise vollzogene ehrfurchtslose Empfang des Herrn in der Heiligen Kommunion. Vielmehr möge unser Herz in Liebe und Sehnsucht nach dem wahren Brot vom Himmel verlangen, das der Herr selber ist. Er wird uns dann nicht zurückweisen, wenn wir seine Nähe aus ganzem Herzen suchen und zur Vorbereitung auch regelmäßig das heilige Sakrament der Buße empfangen.

Wer aber könnte uns besser helfen, den menschgewordenen Sohn Gottes zu erkennen und zu lieben, gerade in diesem heiligsten Sakrament? Es ist Maria, die Mutter des Sohnes Gottes, die ihm als Jungfrau durch das Wirken des Heiligen Geistes das menschliche Leben schenken durfte. In den von Papst Johannes Paul II. vor zwei Jahren vorgestellten neuen Rosenkranzgeheimnissen, den lichtreichen Geheimnissen, lautet ein Mysterium: „Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat“.

Wenn wir im Oktober den Rosenkranz als besonders kostbares Gebet der Kirche annehmen und in Einheit mit Maria die Geheimnisse des Lebens Jesu betrachten, dann wächst unser geistliches Verständnis für die Heilstaten, die Gott für uns gewirkt hat. In der heiligen Eucharistie wird all das gegenwärtig, was Jesus, der Herr, für uns getan hat durch sein Leben, sein Leiden und Sterben und durch seine Auferstehung und Himmelfahrt sowie durch die Sendung des Heiligen Geistes vom Vater her. Auf diese Weise wird es keinen Gegensatz geben können zwischen dem, was die von der Kirche anerkannte und empfohlene Gebetsübung des Rosenkranzes als Bestandteil der Volksfrömmigkeit zum Ausdruck bringt, und dem, was im liturgischen Beten und Feiern von der ganzen Kirche vollzogen wird.

Wir wollen uns also gleichsam an der Hand unserer himmlischen Mutter Maria hinführen lassen zu Jesus, der im Tabernakel gegenwärtig ist und auf uns wartet. Wir dürfen in Einheit mit ihr teilnehmen am heiligen Messopfer und uns selber zu einer lebendigen Opfergabe machen für Gott und im Dienst an unseren Brüdern und Schwestern; und wir wollen Jesus in der heiligen Kommunion gläubig und ehrfürchtig empfangen und kraft dieser Speise unseren Pilgerweg des Glaubens gehen, bis wir das ewige Ziel des Lebens erreicht haben: die Herrlichkeit Gottes im Himmel.

Seien wir also dankbar für dieses „Jahr der Eucharistie“ und leben wir aus der Kraft dieses Geheimnisses! Dann wird die Kirche aufgebaut, hier in unserer Pfarre, in der ganzen Diözese sowie weltweit in der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche. Amen.

 

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