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Predigt:

Bereitet dem Herrn den Weg!

2. Adventsonntag C (10.12.2006)

L1: Bar 5,1-9; L2: Phil 1,4-6.8-11; Ev: Lk 3,1-6


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Zu einem bestimmten geschichtlichen Zeitpunkt trat Johannes der Täufer am Jordan auf. Lukas beschreibt genau, wann das war, um auszudrücken, dass es sich beim Propheten und Vorläufer Johannes nicht um eine erfundene, sondern um eine wirklich historische Gestalt handelt: Es war „im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius“, d.h. im Jahr 28 nach Christi Geburt. Das Land Palästina und die angrenzenden Gebiete waren nach dem Tod Herodes des Großen (40–4 v. Chr.) in eine so genannte Tetrarchie (d.h. in ein Vierfürstentum) aufgeteilt worden. Die damaligen politischen Machthaber werden im Lukasevangelium aufgezählt: „Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene“. Für die religiöse Situation der Juden galt: „Hohepriester waren Hannas und Kajaphas.“

Johannes wiederum war der Sohn des jüdischen Priesters Zacharias aus der Priesterklasse des Abija und der Elisabeth aus dem Geschlecht Aarons (Lk 1,5). Elisabeth war noch in hohem Alter schwanger geworden, und dies, obwohl sie als unfruchtbar galt. Als Johannes geboren wurde, freuten sich viele. Gottes Huld war auf ihm. Als junger Mann zog sich Johannes dann in die Wüste zurück, wo er sich als Einsiedler von Heuschrecken und wildem Honig ernährte. Dann aber rief ihn Gott als seinen Propheten, um die Menschen auf die Ankunft des Erlösers Jesus Christus vorzubereiten. Johannes trat nun machtvoll auf und rief die Menschen zur Umkehr und Buße auf. Als Zeichen dieser Umkehr empfingen die Menschen von ihm die Taufe am Jordan. „Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!“ Dies war der Bußruf des Johannes. Wenn der Herr kommen würde, sollten sich alle darauf vorbereiten und ein neues Leben beginnen. Die Verheißung lautete ja: „Alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.“ In dieser adventlichen Erwartung predigte Johannes seine Botschaft der Umkehr und der Buße.

Auch uns ruft die Kirche durch das Evangelium und mit den Worten des Johannes jetzt im Advent zu: „„Bereitet dem Herrn den Weg!“ Jesus Christus will kommen. Er will ankommen bei uns, und zwar nicht nur in der äußeren Feier der Geburt Christi, wenn wir das Jesuskind in der Krippe verehren, sondern er will ankommen in unseren Herzen. Dieser Vorbereitung auf das Weihnachtsfest dienen äußere Zeichen: der Adventkranz mit seinen Kerzen, adventliche Lieder, geistliches Brauchtum verschiedener Art. All dies soll uns eine Hilfe sein zur inneren, geistlichen Vorbereitung auf das Kommen Christi.

Wir werden von der Kirche besonders für diese Zeit ermutigt, z.B. in den Familien des Öfteren etwas zu singen und miteinander zu beten. Dabei kann man auch aus der Heiligen Schrift oder einem guten religiösen Buch vorlesen. Wir sollen uns auch auf eine gute Weihnachtsbeichte vorbereiten: Denn in diesem Sakrament vollzieht sich die Umkehr des Herzens zu Gott. Auf die eine oder andere Weise haben wir alle diese Umkehr immer wieder nötig. Nicht nur ein gewohnheitsmäßiges Bekenntnis soll es sein, sondern eine wirkliche Erneuerung im Geiste, wo wir uns mit Gottes Gnade abwenden von allen Fesseln der Sünde und uns frei machen lassen durch das Geschenk göttlicher Vergebung. Wenn das geschieht und wir unser Herz öffnen für Gottes Botschaft sowie für die Anliegen unserer Mitmenschen, dann kann Weihnachten kommen und wir werden das Licht Christi auch in unserem Herzen erfahren!

Nicht nur der asketische und strenge Bußprediger Johannes der Täufer soll uns durch den Advent begleiten, Christus entgegen, sondern wir lassen uns auch an der Hand der heiligen Jungfrau Maria zum Jesuskind hin führen. Vor wenigen Tagen haben wir das Hochfest ihrer Unbefleckten Empfängnis gefeiert; sie vermag uns gerade auch im Gebet des heiligen Rosenkranzes zu zeigen, wie wunderbar es ist, dass Gott zu uns kommt und Mensch geworden ist. Nicht wir selber sind es, die wir die Brücke zum unendlichen Gott herstellen müssen: Er hat diese Brücke für uns gebaut, indem er seinen Sohn sandte und uns in der wahren Menschennatur Jesu Christi begegnet.

Wer wollte da nicht alle Kälte und Gleichgültigkeit des Herzens ablegen und sich nicht innerlich berühren lassen von jenem Geheimnis, das uns im adventlichen Licht bereits jene große Freude erahnen lässt, die wir zu Weihnachten dann feiern und verkünden dürfen? Selig, wer bereit ist, wenn der Herr kommt. Amen