Predigt:
Damit der Wein der Liebe nicht ausgeht
2. Sonntag im Jahreskreis C (14.01.2007)
L1: Jes 62,1-5; L2: 1 Kor 12,4-11; Ev: Joh 2,1-11
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Als damals bei der Hochzeit zu Kana der Wein ausging und Jesus sein erstes Wunder wirkte – er tat dies auf die Fürbitte seiner heiligen Mutter Maria! –, da muss den Hochzeitsgästen und insbesondere den Brautleuten die Überfülle der göttlichen Liebe bewusst geworden sein. Wenn Gott schenkt, dann tut er es in großzügiger Weise, wie es hier angesichts der Menge des zu Wein gewordenen Wassers überdeutlich geworden ist. Überdies war es nicht irgendein gewöhnlicher Wein, den Jesus Christus durch sein wunderbares Wirken bereitstellte, sondern tatsächlich der edelste und beste „Tropfen“, den die Brautleute und Gäste je getrunken hatten. Die Hochzeitsgäste kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn mit diesem ersten wunderbaren „Zeichen“ hatte Jesus seine Herrlichkeit geoffenbart, „und seine Jünger glaubten an ihn“ (Joh 2,11b).
Im tiefsten Sinn symbolisiert die Fülle des hochzeitlichen Weins jene Liebe, die uns Gott schenkt und mit der er auch die Brautleute bei einer Hochzeit jeweils aufs tiefste beschenkt und erfüllt, damit sie einander in Liebe treu bleiben können, bis dass der Tod sie scheidet – und im Geiste auch darüber hinaus. Denn die Liebe ist stärker als der Tod (vgl. Hld 8,6). Ja, wer sich selbst verschenkt und sein Leben zu einer Gabe macht für Gott und die Mitmenschen, der erfährt in reichem Maße die Großzügigkeit und den Reichtum der göttlichen Liebe: „Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt“, heißt es bei Lukas (6,38).
Wie sieht die Situation der Ehen und Familien in der heutigen Zeit aus? Immer wieder hören wir von zerbrochenen Familien, von Streit und Auseinandersetzung, von Scheidungen, von familiärer und häuslicher Gewalt und anderen unschönen Dingen. Es scheint tatsächlich, dass in vielen Ehen und Familien der „Wein der Liebe“ auszugehen droht. Nicht wenige Betroffene fühlen sich überfordert. Woran kann das liegen, und wo finden wir Abhilfe?
Der letzte Grund dafür scheint tatsächlich darin zu liegen, dass sich viele Menschen von Gott getrennt haben, der die Quelle der Liebe ist und der die menschliche Liebe zur Vollendung führt. Wenn man auf Dauer nur auf die eigenen Kräfte baut, dann ist man bald überfordert. Wie sollte denn überhaupt aus rein menschlicher Fähigkeit eine lebenslange treue Bindung möglich sein, in guten und bösen Tagen, bis dass der Tod die Gatten scheidet? Dieser hohe Anspruch, der in der ehelichen Liebe liegt, welche sich auch für Kinder öffnet, kann nur eingelöst werden, wenn Gott der dritte im Bunde ist. Darum legt die Kirche auch einen so besonderen Wert auf die sakramentale Eheschließung, weil damit besondere und einzigartige Gnaden verbunden sind für den Bund der Liebe zwischen Mann und Frau. Menschliche Liebe und Hingabe sind zu kostbar, als dass sie einfach ohne das vor Gott und der Kirche gegebene Ja-Wort der Liebe in endgültiger Weise gelebt werden könnten. Eine weitere wichtige Quelle der ehelichen Liebe und des familiären Zusammenseins ist die Mitfeier der heiligen Messe: Denn in der heiligen Eucharistie beschenkt uns Jesus Christus mit seiner Liebeshingabe, die er allen Menschen in seiner Kirche erweist. Wir feiern das Opfer des ewigen Bundes der Liebe, welches in Tod und Auferstehung Christi vollendet wurde und in der heiligen Messe sakramental gegenwärtig wird. Und schließlich ist das Familiengebet zu nennen: Wenn Eheleute regelmäßig, ja täglich miteinander beten, wenn sie auch die Kinder hier einbeziehen, dann wird die eheliche Liebe immer wieder die Kraftquellen finden, um sich zu bewähren, ja um jeden Tag noch stärker und noch tiefer zu werden!
Es gibt sogar eine wissenschaftliche Untersuchung, die besagt, dass Ehescheidungen bei Menschen, die regelmäßig in die Kirche gehen und miteinander beten, wesentlich seltener sind als bei solchen, die den Glauben nicht praktizieren. Wenn dies eine Tatsache ist und vielen Menschen doch an einer guten Ehe und Familie liegt, warum nützen wir dann nicht diese Kraftquellen, die uns der liebe Gott selbst gibt?
Vertrauen wir unsere Ehe und Familien in ihren Nöten und Bedrängnissen, aber auch in ihren vielen großartigen und schönen Werten und Erfahrungen der Fürbitte der Gottesmutter Maria an! Sie hat ein liebendes Herz, mit dem sie auf unsere Not blickt und diese ihrem Sohn Jesus Christus vorstellt. Er kann und wird uns erhören, wenn wir uns ihm ganz übergeben. Denn der Sohn Gottes ist unter uns erschienen, um uns das Heil zu schenken in Fülle. Amen
