Predigt:
33. Sonntag im Jahreskreis C (14.11.2004)
L1: Mal 3,19-20b; L2: 2 Thess 3,7-12; Ev: Lk 21,5-19
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Gegen Ende des Kirchenjahres – wir feiern ja bereits den 33. Sonntag im Jahreskreis, und der nächste Sonntag ist das Christkönigsfest – wird uns in den biblischen Lesungen der Abschluss der irdischen Geschichte vor Augen gestellt. Wir erwarten die Vollendung von Gottes Schöpfung im „neuen Himmel“ und der „neuen Erde“ (vgl. 2 Petr 3,13; Jes 65,17)!
Zuvor aber, so sagt Jesus Christus, kommen so manche Bedrängnisse. In erster Linie ist es der Tempel zu Jerusalem, der zerstört wird, was für fromme Juden kaum vorstellbar war und als Inbegriff des Schreckens und des Untergangs galt. Im Jahre 70 nach Christus wurde diese Prophezeiung tatsächlich erfüllt, als die Römer Jerusalem eroberten und die Stadt und den Tempel zerstörten. Damit schien das Ende der Welt nahe gekommen.
Jesus sagt uns aber im heutigen Evangelium, dass all diese schlimmen Ereignisse – Kriege, Naturkatastrophen, furchtbare Zeichen am Himmel – nur die Vorboten dessen sind, was noch kommen wird. Was erwartet uns also? Ist der Schrecken das Letzte, oder gibt es doch Hoffnung?
Wir dürfen nicht in den Fehler verfallen, diese und ähnliche apokalyptische Aussagen der Heiligen Schrift als Drohbotschaft zu werten, die der Einschüchterung dienen sollte. So ist Gott nicht, der sein Volk retten will und uns das Heil verheißt! Wozu aber dann diese doch sehr erschreckenden und grausamen Ankündigungen und Schilderungen?
Vor allem geht es um den Trost, den Gott all jenen geben möchte, die auf ihn hoffen und auf ihn bauen. Wer an die Botschaft der rettenden Liebe Gottes glaubt, braucht nicht zu verzagen. Was immer auch geschieht an Schlimmem und Bösem in der Welt, Gott begleitet uns und steht uns bei. Entgegen allem Anschein sind diese Schriftworte also ein Anlass, das Herz im Gottvertrauen zu stärken und auf die zukünftige Vollendung der Erlösung zu hoffen. Denn „wir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen die Gerechtigkeit wohnt.“ (2 Petr 3,13)
Als Christ zu leben heißt vor allem, wachsam zu sein. Dies ist dann der Fall, wenn wir betende Menschen sind. Beten heißt das Herz zu Gott erheben. Es kommt dabei nicht nur auf eine fromme Gewohnheit an oder gar auf eine bloß äußerliche Verrichtung. Wenn wir Gott nur mit den Lippen ehren, das Herz aber fern ist von ihm, so sind wir Heuchler und Scheinheilige. Vielmehr sollen wir gleichsam in der Gegenwart Gottes leben. Denn alles, was um uns ist, worin wir uns bewegen, leben und sind, ist der Ort der Gegenwart Gottes. Er ist unser Vater und lenkt unser Leben. Wäre es da nicht wichtig, öfter an Gottes Liebe zu denken und auch die kleinen Dinge des Alltags auf ihn hinzuordnen?
Dann aber werden wir nicht erschrecken müssen vor dem „Tag des Herrn“, der kommen wird wie ein Dieb (vgl. 2 Petr 3,10). Die frohe Botschaft lautet ja: „Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“ (Lk 21,19)
Erschrecken muss freilich, wer die Liebe Gottes nicht im Herzen trägt und sich definitiv abwendet von der Heilsgnade Christi. Für Sünder, die sich bekehren, gibt es immer einen Platz in der Kirche Christi; in der Sünde verharren zu wollen und diese gar nicht mehr als solche anerkennen, lässt auf Verhärtung des Herzens schließen, welche im schlimmsten Fall mit der Sünde gegen den Heiligen Geist verbunden ist, nämlich der Unbußfertigkeit. Diese nimmt die Vergebung Gottes nicht an und spricht ein kaltes Nein zur Liebe Gottes.
Unzählige Heilige haben uns die Hoffnung im Glauben aufgezeigt und die Freude aus der innigen Verbundenheit mit Gott vorgelebt. Zu glauben heißt, mitten in all den gegenwärtigen Annehmlichkeiten und Bedrängnissen die Perspektive des Zieles nicht zu verlieren. Vom ewigen Leben her, für das wir berufen sind und wozu uns Jesus Christus einlädt durch sein Leiden und Sterben, kommt Licht in unser irdisches Leben.
Wir sind aufgerufen, hier auf Erden Gutes zu wirken und zu arbeiten, so gut wir können. Die wichtigste Kraftquelle ist die Teilnahme an der heiligen Messe, dem Opfer Christi, wo wir den Tod des Herrn verkünden und seine Auferstehung preisen. Wer dann sein Herz bereitet und den lebendigen Gott in der heiligen Kommunion empfängt, braucht sich nicht zu fürchten. Was immer geschieht, es wird uns kein Haar gekrümmt werden, sagt Jesus (Lk 21,18). Dies gilt im Hinblick auf unsere ewige Vollendung, die wir in Gottes Herrlichkeit erwarten in der Gemeinschaft mit der Gottesmutter Maria und allen Heiligen. Amen.
