Predigt:
Die heilige Elisabeth – ganz von Liebe zu Gott und den Menschen erfüllt
33. Sonntag im Jahreskreis C (14.11.2010)
L1: Mal 3,19-20b; L2: 2 Thess 3,7-12; Ev: Lk 21,5-19
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Der heutige Sonntag wird auch als „Elisabethsonntag“ bezeichnet, weil in wenigen Tagen (am 19. November) der Gedenktag der heiligen Elisabeth gefeiert wird. Am heutigen Tag ruft die Caritas zu Spenden im Rahmen der Inlandshilfe auf; außerdem wird für die sozialen Dienste in der Diözese St. Pölten gesammelt.
Was uns auf jeden Fall bewegt und zu Herzen geht, ist die einzigartige Übung der Nächstenliebe durch die heilige Elisabeth (1207–1231). Diese kam aus Ungarn und war schon in jungen Jahren mit Ludwig von Thüringen vermählt worden. Gemeinsam mit ihrem Gatten kümmerte sie sich um alle Armen und Notleidenden, auch wenn sie am Hofe deshalb Anstoß erregte. Als ihr Gatte starb, den sie von Herzen liebte, wurde sie von ihren Gegnern von der Wartburg vertrieben. Gute Freunde setzten sich für sie ein, sodass sie dann doch ihr Witwengut zurück erhielt. Doch verschenkte die junge Witwe fast alles, was sie besaß an die Armen. Und dann wurde sie selbst, nachdem die Versorgung ihrer Kinder sicher gestellt war, ein Mitglied im Dritten Orden des Heiligen Franziskus. Wie schon als Fürstin setzte sie ihre caritative Tätigkeit fort und betreute persönlich die Armen, Kranken und Sterbenden in einem von ihr gegründeten Hospital in Marburg an der Lahn. Früh vollendet starb sie im Alter von 24 Jahren.
Wie war diese junge Frau fähig zu solch selbstloser Hingabe und Liebe, welche ihre Zeitgenossen so sehr beeindruckte, dass Elisabeth bereits vier Jahre nach ihrem Tod vom Papst heilig gesprochen wurde? Es war zuerst ihre innige Verbundenheit mit Jesus Christus, dem Herrn, die ihr Herz erfüllte und für die Liebe zu den Menschen öffnete.
Gerade weil sie ihr Herz ganz in Gott verankert hatte, konnte sie vorbehaltlos lieben: Sie sah in den Mitmenschen Jesus Christus und diente ihm in den Ärmsten der Armen. Ganz tief hatte sie die Botschaft des Evangeliums verinnerlicht, dass der Jünger Christi ihm nachfolgen sollte, der nicht gekommen war, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen.
Die Wechselfälle des Lebens nahm sie in großer Gelassenheit aus der Hand Gottes an und klagte nicht. Auch als Elisabeth nach dem Tod ihres Gatten von vielen Menschen ihrer Umgebung im Stich gelassen wurde, verzagte sie nicht, sondern vertraute sich umso mehr der göttlichen Vorsehung an. So haben sich an ihr wirklich die Worte des heutigen Evangeliums erfüllt: „Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“
Elisabeth war allezeit bereit für das Kommen des Herrn; sie hat auf ihn gewartet mit der ganzen Glut ihrer Seele, um so auch wieder mit ihrem Gatten im Himmel vereint zu sein, den sie so sehr liebte. Ihr Beispiel beeindruckt auch uns und zeigt uns, dass es vor Gott nur eine Art von Reichtum gibt, die zählt: wenn man in Liebe viel Gutes tut! Genau das hat die heilige Elisabeth vorgelebt, und ihre Fürbitte erwirke uns Gottes Hilfe in allen Lebenslagen.
Amen.
