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Predigt:

3. Sonntag im Jahreskreis C (25.01.2004)

L1: Neh 8,2-4a.5-6.8-10; L2: 1 Kor 12,12-31a; Ev: Lk 1,1-4; 4,14-21


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wer ist Jesus Christus? Diese Frage ist für uns klar beantwortet, die wir als gläubige katholische Christen Woche für Woche in der heiligen Messe das Glaubensbekenntnis beten. Dort bekennen wir uns zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes, der Mensch geworden ist aus der Jungfrau Maria. Wie aber war das für die Menschen zur Zeit Jesu? Wie wirkte Jesus auf sie? Wie fanden seine Apostel und Jünger zum Glauben an ihn?

Im heutigen Evangelium wird uns eine derartige Entscheidungssituation vor Augen gestellt. Jesus kam in seine Heimatstadt Nazaret, wo er aufgewachsen war. Dort wo ihn alle kannten, ging er zur Synagoge. Was tat er dort? Es war das Recht jedes erwachsenen Juden, in der Synagoge einen Teil aus den Heiligen Schriften vorzulesen. Diese waren nicht in Buchform aufgezeichnet, sondern als Schriftrolle. Nun lässt sich Jesus vom Synagogendiener eine Buchrolle geben. Es ist die Schrift des Propheten Jesaja. Dort schlägt Jesus folgenden Abschnitt auf, wo es heißt: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt.“ Und dann spricht der Prophet vom Gesandten des Herrn, der gekommen ist, den Armen eine gute Nachricht zu bringen, den Gefangenen die Freiheit zu schenken und den Blinden das Augenlicht zu geben. Der Messias – von ihm spricht der Prophet Jesaja hier, und Jesus liest das vor – wird die Zerschlagenen in Freiheit setzen und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufen.

Nachdem Jesus diesen Text vorgetragen hat, setzt er sich nach jüdischer Sitte. Er hält jetzt eine Ansprache, in der er ihnen überzeugend darlegt, daß sich die Worte des Propheten in ihm erfüllt haben. Wie die Menschen darauf reagiert haben, wird erst am kommenden Sonntag vorgelesen und soll uns heute noch nicht beschäftigen.

Blicken wir aber auf den Inhalt jener wunderbaren Verheißung, die der Prophet Jesaja uns über den kommenden Messias gegeben hat! Der Erlöser, auf den das Volk Israel, ja die ganze Welt wartete, werde der „Gesalbte des Herrn“ sein. Im Alten Bund wurden Priester, Könige und Propheten gesalbt. Diese Salbung mit Öl war ein Zeichen dafür, daß sie herausgenommen wurden durch eine göttliche Berufung aus der Schar der übrigen und eine bestimmte Aufgabe übernehmen sollten. Der König war der irdische Repräsentant Gottes, des einzigen Königs des Himmels und der Erde. Denken wir nur an die großen israelitischen Könige Saul, David und Salomon! Der Priester war dazu bestellt, im Namen des Volkes Gott zu verehren. Die alttestamentlichen Opfer waren ein Vorausbild jener Opfergabe, die der Sohn Gottes in seiner Menschheit dem himmlischen Vater darbringen würde. Ein Prophet sollte, ohne sich um Lob oder Tadel der Menschen zu kümmern, den Willen Gottes für sein Volk verkünden. Es waren die Künder echter religiösen Erneuerung.
Nun aber hat Jesus in der Synagoge gerade eine Schlüsselstelle aus dem Buch Jesaja vorgelesen, in welcher der Gesalbte Gottes verheißen wird. Es geht um den „Christus“, den „Messias“, wie das Wort „Gesalbter“ in Griechisch bzw. auf Aramäisch heißt.

Vor den Menschen steht jener, an dem sich das Schriftwort des Jesaja erfüllt hat. Denn er ist der von Gott Gesandte, der von Gott seinem Vater mit dem Heiligen Geist Gesalbte, auf den sie hören sollen.

Liebe Brüder und Schwestern! Wir, die wir die Gnade haben, unbefangen glauben zu dürfen an denjenigen, den der himmlische Vater in diese Welt gesandt hat, um uns das göttliche Leben zu schenken, wollen festhalten an jenem Bekenntnis, das die Eltern und Paten bei unserer Taufe abgelegt haben. In jeder heiligen Messe bekennen wir uns zum Messias. Es ist kein anderer als Jesus, der Christus. Kein anderer Name ist den Menschen gegeben, durch den sie gerettet werden sollen. Was könnte größer sein, als wenn Gott selber Mensch wird und uns seine Liebe und Solidarität dadurch zeigt, daß er bereit ist, sein Leben für uns am Kreuz hinzugeben?

Denken wir daran, daß wir als Christen zu Christus gehören. Auch wir wurden gesalbt mit dem heiligen Chrisam bei der Taufe und bei der Firmung. Uns hat der Gottesgeist zu Königen, Priestern und Propheten gemacht. Es ist eine herausragende Berufung, der gemäß wir leben sollen. Als Könige sind wir aufgerufen, die ungeordneten Leidenschaften zu beherrschend und unsere Antriebe auf das Gute hin zu lenken. Als Priester haben wir unseren täglichen Dienst vor Gott im Geist der Anbetung und der Hingabe zu erfüllen und dürfen wir bei der Heiligen Messe teilnehmen an jenem einzigen und immerwährenden Opfer des Neuen Bundes, das Jesus für uns am Kreuz dem himmlischen Vater dargebracht hat und durch das wir gerettet sind. Als Propheten sind wir dazu aufgerufen, durch Wort und Tat in allem davon zu künden, wie sehr uns Gott liebt. Auf diese Weise zeigen wir, daß wir zusammengehören und im einen Leib Christi, der Kirche, durch den Heiligen Geist verbunden sind.

Auf besondere Weise wird das dreifache Amt Christi als König, Priester und Prophet vergegenwärtigt und sichtbar gemacht im Weihepriestertum, das vom gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen nicht nur gradmäßig, sondern wesentlich unterschieden ist. Aufgabe der geweihten Priester ist es, das Volk Gottes zu Christus hinzuführen und durch ihn im Heiligen Geist zum Vater im Himmel.

Lassen wir uns also wieder neu motivieren und vom Heiligen Geist entflammen. Großes ist uns geschenkt durch unsere Verbundenheit mit Jesus Christus, dem Erlöser! Möge jeder von uns seine Berufung leben, wo immer sie oder er steht. Wir alle gehören zur Kirche Christi und sollen sein Reich auf Erden sichtbar machen, das sich einmal vollenden wird in Gottes ewiger Herrlichkeit. Amen