Predigt:
Ganz nahe ist nun schon der Herr
4. Adventsonntag C (24.12.2006)
L1: Mi 5,1-4a; L2: Hebr 10,5-10; Ev: Lk 1,39-45
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Das Volk Gottes ist in großer Erwartung: Bald wird der Retter kommen, den Gott verheißen hat. Es ist Christus, der Herr!
Heuer trifft es sich, dass der 4. Adventsonntag zugleich der 24. Dezember, also Heiliger Abend ist. Wir wollen an diesem Tag der unmittelbaren Vorbereitung auf das Weihnachtsfest die Gelegenheit nutzen, uns durch Gebet und Besinnung bereit zu machen für den Herrn, der zu uns kommen will. Die Lesungen der Sonntagsmesse wollen uns dabei helfen.
In der ersten Lesung erinnert die Kirche an die alte Prophezeiung im Buch Micha, wonach aus Bethlehem derjenige geboren werden sollte, der seinem Volk den lang ersehnten Frieden bringen würde. Er ist der Fürst seines Volkes, der in dieser scheinbar unbedeutenden Stadt geboren wird. Dies hat sich vor 2000 Jahren tatsächlich erfüllt, als Jesus Christus, der Sohn Gottes, im Stall von Bethlehem zur Welt kam, geboren von der Jungfrau Maria.
In der zweiten Lesung aus dem Hebräerbrief wird Bezug genommen auf den Eintritt Christi in diese Welt. Dieser ist ja nicht erst bei seiner Geburt, sondern bereits bei seiner Empfängnis in diese Welt eingetreten. Der ewige Sohn Gottes spricht zum himmlischen Vater, er sei gekommen, um seinen Willen zu erfüllen. Sein menschlicher Leib wird zum Werkzeug der Erlösung, zum Zeichen liebender Hingabe an Gott und die Menschen. Diese Hingabe der Liebe ersetzt alle früheren Opfer. Diese waren bloß eine Vorbereitung auf das Opfer Christi, das der Sohn Gottes als Erlöser der Menschen vollbringt. Die Lesung zeigt uns die innige Verbindung auf, welche zwischen der Menschwerdung und der Erlösung besteht. Die Krippe und das Kreuz gehören zusammen – und natürlich auch die Auferstehung. In der heiligen Messe dürfen wir dankbar bekennen und feiern, dass Gott sich uns in seinem Sohn Jesus Christus ganz geschenkt hat als Opfer der Liebe.
Das Evangelium nach Lukas lässt uns teilhaben an der Begegnung Marias mit ihrer Verwandten Elisabeth. Beide Frauen durften auf besondere Weise die Erfahrung des wunderbaren Wirkens Gottes machen: Maria trägt Jesus, den Erlöser, unter ihrem Herzen. Sie hat ihn als Jungfrau vom Heiligen Geist empfangen. Elisabeth ist auch gesegneten Leibes und wird Johannes den Täufer gebären. Obwohl sie als unfruchtbar galt, konnte sie in hohem Alter noch Mutter werden. Nun aber preist die ältere Frau die jüngere: Vom Heiligen Geist erleuchtet, fragt Elisabeth, wer sie denn sei, dass die Mutter ihres Herrn zu ihr komme. Dies ist ein klares Bekenntnis zur Größe des Erlösers, der nicht nur ein Mensch ist wie jeder andere, sondern zugleich der wesenhafte Sohn Gottes. Maria ist selig zu preisen, weil sie dem Wort Gottes geglaubt hat. Als Glaubende ist sie ihren Weg gegangen und hat ihr Ja-Wort gesprochen, als der Engel ihr die Botschaft von der Menschwerdung Gottes verkündet hat. Aber nicht nur die beiden Frauen freuen sich: Auch die noch ungeborenen Kinder Jesus und Johannes jubeln, als sie einander beim Besuch der beiden Frauen Maria und Elisabeth gleichsam das erste Mal begegnen. Der kleine Johannes darf erfahren, wie wunderbar es ist, wenn der Erlöser kommt, sodass er noch im Mutterschoß geheiligt wird.
Das Evangelium von der Heimsuchung, das wir heute hören, ist eine Botschaft der freudigen Erwartung und der hoffnungsvollen Zuversicht. Bald, ja bald wird sich erfüllen, was die Kirche in der Heiligen Nacht verkündet: Christus ist uns geboren, der Retter der Welt! Halleluja! Amen
