Predigt:
Der Prophet gilt nichts in seiner Heimat
4. Sonntag im Jahreskreis C (28.01.2007)
L1: Jer 1,4-5.17-19; L2: 1 Kor 12, 31-13,13; Ev: Lk 4,21-30
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Im Evangelium des letzten Sonntags war davon die Rede, dass Jesus in seiner Heimatstadt Nazareth in der Synagoge aus dem Buch des Propheten Jesaja jene Worte vorlas, wo es heißt: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe.“
Heute hören wir, dass Jesus diese Worte auslegte und auf sich bezog und zuerst dafür Beifall erhielt. Dann aber änderte sich die Stimmung. Kritische Fragen tauchten auf: Woher hat er das alles? „Ist das nicht der Sohn Josefs?“ Plötzlich kam im Bewusstsein der Zuhörer wieder zum Vorschein, dass Jesus ja hier aufgewachsen war. Jeder kannte ihn als den Handwerker, als einen so würde man sagen „ganz normalen Menschen“. Und dieser erhebt plötzlich den Anspruch etwas Besonderes zu sein? Ja, er sagt sogar, er sei von Gott gesandt und gesalbt, um die Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden. Noch mehr: Er stellt sich Gott gleich! Das ist unerhört. So und ähnlich müssen die Reaktionen der Menschen gewesen sein.
Jesus Christus erträgt die Kritik jener, die ihn von früher kennen und nun ablehnen. Er wird nicht zornig über die Verblendung der Menschen, die nicht anerkennen wollen, ja vielleicht es noch gar nicht können, wer er wirklich ist. Er lässt es zu, dass sich Menschen auch gegen ihn entscheiden und ihm nicht glauben. „Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.“ Als man ihn sogar den Abhang des Berges hinunterstürzen will, lässt er dies jedoch nicht zu, sondern schreitet durch die Menge hindurch und geht weg. Seine Stunde, in der er am Kreuz sein Leben hingeben soll zur Erlösung von den Sünden, ist noch nicht gekommen.
Was kann uns dieses Evangelium sagen und aufzeigen? Unser Leben verläuft vielfach nach einem bestimmten Gang. Wir machen uns nicht viele Gedanken, sondern sind es gewohnt, dies oder jenes zu tun. Vielleicht gehen wir auch einfach aus Tradition zur Kirche und verrichten diese und jene Gebete. Da fordert uns Jesus heraus und sagt uns: Entscheide dich! Nimm Stellung zum Glauben! Wir Menschen sind nicht einfach „Gewohnheitstiere“, die man nach Belieben lenken kann. Gott hat uns einen Verstand und einen freien Willen gegeben. Wir können die großen Taten Gottes erkennen und sollen in Freiheit dazu Stellung nehmen. Gott zwingt uns nicht, sondern lädt uns ein zu glauben und zu lieben. Das ist unsere Berufung, darauf kommt es an.
Dann könnte unsere große Chance liegen: Dass wir das Alltägliche noch viel bewusster tun und uns insbesondere die Teilnahme am Gottesdienst an der heiligen Messe zu einer Herzensangelegenheit machen, nicht bloß zu einer Gewohnheit, die wir erfüllen, weil es so dazugehört, oder es gar als „lästige Pflicht“ ansehen, der man um des schlechten Gewissens willen hin und wieder einmal nachkommt. Überzeugung soll dahinter stehen. Jene grundlegende Dankbarkeit soll uns erfüllen und durch das Leben tragen, dass wir von Gott geliebt sind. Ganz persönlich hält er unser Leben in seiner Hand. Er, der ewige und dreieinige Gott, der größer ist als die relative Unendlichkeit des Weltalls und alles Geschaffene trägt und am Leben erhält, kümmert sich um uns. Einem jeden von uns ist er in Liebe nahe und lenkt unser Leben. Das ist unser Glaube, weichen uns der Erlöser Jesus Christus verkündet hat der wahre Mensch und wahre Gott, an den wir glauben und auf den wir vertrauen.
In Einheit mit Jesus Christus vermögen wir das größte aller Gebote zu erfüllen: Gott zu lieben aus ganzem Herzen und den Nächsten zu lieben wie uns selbst. Der Apostel Paulus beschreibt in der Lesung die Eigenschaften der wahren Liebe. „Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf“, und vieles mehr hören wir. All dies hat unser Herr Jesus Christus als Mensch verwirklicht und uns vorgelebt. Als Christen stehen wir in seiner Nachfolge und sollen uns de Gesinnung Jesu Christi zu Eigen machen. Da kann es dann schon einmal vorkommen, dass wir für etwas Wichtiges eintreten müssen und allein da stehen. Z.B. für den Glauben an Gott und die Kirche, für die Werte der Familie und des Lebens, für Ehrlichkeit und Treue, für Mitmenschlichkeit und Solidarität. Auch da, wo wir von Menschen im Stich gelassen werden, ist Gott bei uns. In der Nachfolge Christi brauchen wir nicht traurig zu sein, sondern sollen uns freuen, wenn wir für ihn und sein Wort Zeugnis ablegen dürfen.
Mit Maria, der Gottesmutter, blicken wir auf den Herrn Jesus Christus, der uns vorausgegangen ist und zeigt, worauf es ankommt, um das ewige Leben bei Gott zu gewinnen. Diesem Ziel eilen wir entgegen in Freude, und nichts vermag den glaubenden, hoffenden und liebenden Menschen zu erschüttern. Die Liebe ertragt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand.“ Und am Ende bleibt die Liebe, wenn wir Gott schauen dürfen in seinem Reich, zusammen mit allen Engeln und Heiligen! Amen
