Predigt:
Gottes Barmherzigkeit schenkt Vergebung und Kraft zur Umkehr
5. Fastensonntag C (25.03.2007)
L1: Jes 43,16-21; L2: Phil 3,8-14; Ev: Joh 8,1-11
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Für uns Menschen ist es schwer, die Barmherzigkeit Gottes zu begreifen. Vor allem können wir nicht verstehen, wie sich beides in Gott miteinander verträgt: seine unendliche Gerechtigkeit, mit der er das Gute liebt und das Böse hasst, und seine Barmherzigkeit, mit der er sich dem Sünder zuwendet und ihm einen Weg der Umkehr und der Versöhnung eröffnet. Gottes Wege sind nicht unsere Wege, und seine Maßstäbe sind nicht die unseren.
Im Handeln Jesu Christi, des menschgewordenen Sohnes Gottes, ist uns jedoch anschaulich geworden, wie Gott sich gegenüber uns Menschen als Sündern verhält. Gerade die heutige Perikope von der Begegnung Jesu mit der Ehebrecherin vermag dies eindrucksvoll aufzuzeigen.
Das erste Vorurteil, welches Jesus überwindet, lautet: Nur diese Frau, die beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt wurde, sei eine Sünderin. Alle übrigen seien unschuldig und hätten das Recht, die Frau zu steinigen. Diesem Ansinnen setzt Jesus ein klares „Nein“ entgegen, indem er sagt, wer wirklich ohne Sünde sei, solle den ersten Stein werfen. Diese Worte des Herrn öffnen vielen die Augen, und sie erkennen, dass auch sie Schuld vor Gott haben und kein Recht besitzen, die Sünderin zu verurteilen. Auch Jesus verurteilt die Ehebrecherin nicht, sondern eröffnet ihr einen neuen Anfang. In seiner Vergebung schenkt er ihr die Kraft zur Umkehr und Lebensänderung.
Somit erkennen wir, dass auch noch ein zweites Vorurteil zu überwinden ist. Manche meinen nämlich, wenn Gott barmherzig ist, dann könne man sozusagen auf diese Barmherzigkeit hin sündigen. Es würde ohnehin alles vergeben. Doch so leicht geht es nicht. Jesus gibt keine „billige Gnade“. Wer mit der Barmherzigkeit Gottes zu kalkulieren beginnt, um seine bösen Wege fortsetzen zu können, muss sich notwendigerweise verrechnen. Vergessen wir nicht die Worte Jesu am Schluss, nachdem er erklärt hat, dass er die Ehebrecherin nicht verurteilt. Er sagt: „Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“ Wahre Umkehr bedeutet auch echte Lebensbesserung. Und wenn diese Frau auch vorher ehebrecherische Taten gesetzt hat oder vielleicht gar in einem ehebrecherischen Verhältnis gelebt hat, so wird sie von nun an mit Gottes Hilfe die eheliche Treue bewahren und gemäß der Ordnung Gottes leben.
Viele erwarten von Gott und der Kirche einfach eine Bestätigung eines in sich schlechten, sündhaften Tuns. Demgegenüber lauten die Worte des Herrn: Kehr um! Sündige von jetzt an nicht mehr. Beides gehört also zusammen: Die Barmherzigkeit und Vergebung, aber auch die bereitwillige Umkehr und der entschlossene Wille, das Gute zu tun und das Böse zu meiden. Wie immer auch die Vergangenheit eines Menschen ausgesehen hat: Gott ist in seiner Barmherzigkeit bereit, einen Schlussstrich zu ziehen und ihm zu vergeben. Die Zukunft aber soll eine Zukunft mit Gott sein, entsprechend den Geboten seiner Liebe. Würde jemand aufs Geradewohl weitersündigen, dann würde er die empfangene Gnade der Umkehr verspielen, und es wäre ungleich schwerer, sie wieder von neuem zu empfangen und anzunehmen.
Wenden wir uns vertrauensvoll an die „Mutter der Barmherzigkeit“, an die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria. Das Fest ihrer Verkündigung feiern wir in diesem Jahr wegen des heutigen Sonntags erst am 26. März, also morgen. Maria ist die Zuflucht der Sünder. Sie weiß um die Not von uns Menschen, um unsere Schwachheit und Gebrechlichkeit, aufgrund der wir immer wieder in Sünden fallen. Doch Gott schenkt uns sein Erbarmen. Nützen wir diese Tage der Umkehr und lassen wir uns im Sakrament der Buße mit Gott versöhnen! Er schenkt uns einen neuen Anfang, sodass auch wir mit Freude den Worten des Herrn folgen können: „Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr!“ Amen
