Predigt:
Der wunderbare Fischfang
5. Sonntag im Jahreskreis C (04.02.2007)
L1: Jes 6,1-2a.3-8; L2: 1 Kor 15,1-11; Ev: Lk 5,1-11
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Es gibt einen Spruch, wonach es jemandem nur dann gut geht, wenn er auch ein wenig jammern kann. Angeblich sind gerade wir Österreicher Meister im Jammern, und dabei geht es uns doch im Großen und Ganzen gar nicht schlecht und es gäbe vieles, wofür wir Gott und anderen Menschen wirklich dankbar sein könnten.
Auch in der Kirche Gottes wird zu viel gejammert, aber zu wenig gebetet und gedankt. Da gibt es so manche Unzufriedene, welche an allem und jedem, was die Kirche lehrt und die kirchliche Ordnung vorgibt, etwas auszusetzen haben. Da gibt es auch so manche Menschen, welche zwar persönlich fromm sind, sich aber zugleich schwer tun mit dem Gedanken, dass in unserer von ihnen als ganz und gar gottlos und dekadent empfundenen Welt überhaupt noch etwas Gutes geschieht.
Weit verbreitet unter den „Guten“ ist die Mutlosigkeit. Es scheint oft, dass alles Mühen umsonst sei und keine Frucht bringt. Wie sehr plagen sich manche Priester und Katecheten und erreichen doch nur wenig! Wie sehr setzen sich Eltern in der Erziehung ihrer Kinder ein und machen doch die Erfahrung, dass die größeren und erwachsenen Kinder nicht mehr auf sie hören, ihre eigenen Wege gehen und vielleicht sogar Gott und die Kirche links liegen lassen. All das kann zur Resignation führen, welche letztlich auch ein Vertrauensmangel gegenüber Gottes liebender Vorsehung sein kann.
Den Aposteln im Evangelium war es ähnlich gegangen. Sie hatten sich als Fischer die ganze Nacht abgemüht und nichts gefangen. Da kommt Jesus zu ihnen und fordert sie auf, es noch einmal zu versuchen. Auf sein Wort hin werfen sie die Netze tatsächlich nochmals aus, und der nun erreichte Fischfang ist übergroß. Hätte Jesus diesen ermutigenden Anstoß nicht gegeben, wären die Fischer wirklich erfolglos geblieben und hätten sie sich in ihrer Enttäuschung und ihrem Pessimismus nur selbst bedauert. Am Ende steht das verheißungsvolle Wort Jesu an Simon Petrus, den Fischer: „Von jetzt an wirst du Menschen fangen!“
Wir fragen nach einer Anwendung dieser Botschaft für unsere Zeit und unsere Situation. Tatsache ist: Der Glaube „verdunstet“ vielerorts, auch unter getauften Katholiken schwindet die religiöse Praxis und Überzeugung. Der Kirchenbesuch geht zurück, die Zahl der Priester- und Ordensberufungen ist gering, es gibt viele ungeordnete Verbindungen, Unfriede und Gewalt in den Familien, geschiedene Ehen und vieles mehr. All dies ist sehr traurig und kann tatsächlich zu Pessimismus führen, in der Art: „Wir können ja ohnehin nichts tun. Es wird zwangsläufig immer alles schlechter.“
Genau hier aber sagt uns der Herr durch sein Wort, welches seine Kirche verkündet: „Habt Mut, ich bin bei euch! Gebt nicht auf, sondern werft die Netze immer wieder aus.“ Was gefragt ist, sind nicht kluge Ratschläge von irgendwem (und seien es die ausgefeiltesten pastoralsoziologischen Konzepte), sondern Glaube, Vertrauen und beherztes Handeln. Auch das Geringste an Gutem und das scheinbar Kleine und Unbedeutende, das wir tun können, ist in den Augen Gottes unendlich wertvoll, wenn wir es mit Glaube und Liebe in Verbundenheit mit Jesus Christus tun. Wie ein Samenkorn ist das Wort Gottes, das ausgesät wird. Zur rechten Zeit geht es auf und bringt reiche Frucht, oft unerwartet und vielleicht bei denen, wo wir es am allerwenigsten vermutet hätten!
Wir selber können den Erfolg im Guten nicht hervorrufen. Gott ist der Herr der Ernte; an uns liegt es, den Samen des Gotteswortes auszusäen, solange wir auf Erden leben und uns hier zu bewähren haben. Für Pessimismus gibt es jedenfalls keinen Platz. Der heilige Johannes Don Bosco hat es so formuliert: „Gutes tun, fröhlich sein und die Spatzen pfeifen lassen!“
An Gelegenheiten, in unserem Verantwortungsbereich das Gute zu tun und für die Mitmenschen da zu sein, fehlt es bestimmt nicht. Es gibt ja die so genannten „Werke der Barmherzigkeit“, welche sowohl im leiblich-materiellen Bereich wie auch im geistig-seelischen und kulturell-religiösen Bereich von Bedeutung sind. Immer aber gilt, dass wir das Gute, welches wir dem Nächsten erweisen, letztlich Christus selbst erweisen.
Wir wollen Gott um seine Gnade bitten, dass er uns Augen schenke für die vielen Möglichkeiten, ihm und unseren Mitmenschen zu dienen. Die heilige Gottesmutter Maria erbitte uns von Gott ein liebendes und achtsames Herz, damit wir dem Reich Gottes die Wege bereiten! Amen
