Predigt:
Maria, die Kirche und der Heilige Geist
6. Sonntag der Osterzeit C (13.05.2007)
L1: Apg 15,1-2.22-29; L2: Offb 21,10-14.22-23; Ev: Joh 14,23-29
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Der heute begangene „Muttertag“ ist zwar kein eigentliches kirchliches Fest, wohl aber macht es Sinn, auch im Rahmen dieser heiligen Messe allen Müttern zu danken und sie im Gebet bei der Erfüllung ihrer wichtigen Aufgaben in der Familie und in der Betreuung und Erziehung von Kindern zu begleiten.
Dabei denken wir in besonderer Weise an die heilige Gottesmutter Maria, an jene Frau also, die von Gott auserwählt war, die Mutter seines Sohnes Jesus Christus zu werden. Gott hat aus ihrem Schoß Fleisch angenommen und ist Mensch geworden. Maria ist die Mutter des Sohnes Gottes und in einer geistlichen Weise auch die Mutter aller jener, die an Jesus Christus glauben!
Blicken wir auf diesem Hintergrund auf die Lesungen des heutigen Sonntags: Die Apostel versammelten sich in Jerusalem zu einer gemeinsamen Beratung über wichtige Fragen des Glaubens und der kirchlichen Disziplin, zum sog. „Apostelkonzil“ (so hören wir in der 1. Lesung). Dort wurde unter dem Beistand des Heiligen Geistes beschlossen, den zum christlichen Glauben bekehrten Heiden keine unnötigen Lasten aus dem jüdischen Gesetz aufzuerlegen. Nicht die vielen Vorschriften des alttestamentlichen Gesetzes können vor Gott gerecht machen, sondern allein der Glaube an den Erlöser Jesus Christus und die liebende Verbundenheit mit ihm machen den Menschen gerecht. Maria, unsere himmlische Mutter, führt uns zu Jesus, ihrem Sohn!
In der 2. Lesung schildert uns der Seher Johannes die Herrlichkeit des himmlischen Jerusalem. Eben dieses Jerusalem ist unsere Mutter (vgl. Gal 4,26). Wir gehören zur Kirche Christi, welche sich im Reich des Himmels, d.h. im himmlischen Jerusalem vollenden wird. Großes ist uns von Gott verheißen: Wir sollen der ewigen Vollendung der Heiligen des Himmels teilhaftig werden. Maria, die Jungfrau und Gottesmutter, ist das Urbild und die vollendete Idealgestalt der „Braut des Lammes“, d.h. der Kirche als Stadt des ewigen Gottes und himmlisches Jerusalem. Wer sie zur Mutter hat, hat Gott zum Vater und darf sich voll Freude ein Kind Gottes nennen.
Im Evangelium schließlich spricht Jesus vom Heiligen Geist, den er als der Erhöhte vom Vater her senden wird. Dieser Geist wird uns in alle Wahrheit einführen, er wird uns stärken und trösten. Es ist der Geist der Liebe und der Einheit, der Geist der Wahrheit und des Friedens. Wie Maria damals nach der Himmelfahrt Christi mit den Aposteln um das Kommen des Heiligen Geistes gebetet hat, so bitten auch wir Gott um alle Gaben dieses Geistes, damit er unsere Herzen erleuchte und mit seiner Liebe entflamme. Dann werden wir fähig, das Rechte zu erkennen und das Gute zu tun.
Insbesondere rufen wir den Heiligen Geist an für alle unsere Frauen und Mütter, dass sie in ihrer besonderen Aufgabe und Berufung gestärkt werden mögen. Die Frau steht in einem einzigartigen Bezug zum menschlichen Leben; es ist ihrer Fürsorge anvertraut. Möge die heilige Gottesmutter Maria, die das Jesuskind in Liebe angenommen hat, allen Frauen und Müttern helfen, stets „Ja“ zu sagen zum Leben, das ihnen anvertraut ist!
Wir aber wollen heute nicht nur den Frauen und Müttern gratulieren, sondern wir sollen uns in Pflicht genommen wissen, ihnen stets bei ihren Aufgaben beizustehen und so mitzuhelfen, dass sie ihre wichtige Verantwortung vor Gott und den Menschen wahrnehmen können. Amen
