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Predigt:

6. Sonntag im Jahreskreis C (15.02.2004)

L1: Jer 17,5-8; L2: 1 Kor 15,12.16-20; Ev: Lk 6,17.20-26


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Von der Kirche erwartet man heute oft, dass sie nur das sagt und verkündet, was der allgemeinen Denkweise entspricht, was sozusagen im „Trend der Zeit“ liegt. Wie würde Jesus heute in der medialen Öffentlichkeit ankommen, wenn er unserer Zeit diese klare Gegenüberstellung von Seligpreisungen und Weherufen verkündet hätte, wie wir es eben im Evangelium gehört haben?

Ja, es ist wahr. Wir können und dürfen es nicht leugnen. Jesus hat beides verkündet: Seligpreisungen für jene, die auf sein Wort hören und sich um das Gute mühen, aber auch Weherufe für jene Unbekehrten und Unbelehrbaren, die sich hartnäckig weigern, dem Willen Gottes zu gehorchen und die ihr Herz taub gemacht haben für die Botschaft von der Liebe Gottes.

Jesus ruft uns in die Entscheidung. Er verkündet kein billiges Allerwelts-Christentum.

Sehen wir uns die Worte Jesu aber etwas näher an! Er hat sie gesprochen in der beim Evangelisten Lukas überlieferten „Feldrede“. Ähnlich wie bei der Bergpredigt hatten sich viele Menschen versammelt, um Jesus zuzuhören. Unser Herr Jesus Christus verkündet die Botschaft vom Reich Gottes – gelegen oder ungelegen, ob man es hören will oder nicht. Er nimmt keine falschen Rücksichten. Er schont niemanden und ist dennoch voll Güte und Erbarmen.

Vier Seligpreisungen werden uns bei Lukas überliefert. Sie gelten jenen Menschen, die das Reich Gottes annehmen, die auf das Wort Gottes hören. Für sie gilt: „Euer Lohn im Himmel wird groß sein.“ Nicht irdisches Glück und Wohlergehen ist ihnen verheißen, wohl aber die ewige Seligkeit bei Gott im Himmel, jener Lohn, der ein Geschenk Gottes ist für alle, die an ihn glauben und ihn von Herzen lieben.

Wer aber ist selig zu preisen? „Selig seid ihr Armen“, sagt Jesus. „Denn euch gehört das Reich Gottes.“ Es ist nicht einfach die materielle Armut, die von sich aus schon bereit macht für das Reich Gottes. Umgekehrt schließt nicht einfach der äußere Reichtum von vornherein aus vom Himmelreich. Es geht um eine innere Haltung und Einstellung. Der Mensch darf sein Herz nicht an die irdischen und vergänglichen Dinge hängen und so tun, als ob es allein von ihrem Besitz abhänge, ob er das Glück findet oder nicht. Jede gute Gabe ist uns von Gott geschenkt, dass wir uns ihrer erfreuen und sie mit anderen teilen. Nur wer die rechte Distanz zu den Gütern dieser Welt bewahrt und ein Herz hat für andere – gerade auch für die Ärmsten der Armen –, der wird des Reiches Gottes teilhaftig werden.

Dann fährt Jesus fort: „Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden.“ Vor allem ist hier der Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit gemeint. Im irdischen Leben gibt es keinen vollkommen gerechten Ausgleich. Wie viel Unrecht bleibt hier ungesühnt! Wie oft gehen die Verbrecher und Übeltäter scheinbar straflos aus; wie viel müssen Unschuldige oft leiden! Hier verheißt uns Jesus Christus die endgültige Gerechtigkeit im Reiche Gottes.

Anschließend sagt der Herr: „Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.“ Auch hier ist nicht nur die materielle Not angesprochen, sondern auch das unbeschreibliche, oft verborgene Leid der Vielen, die im Leben oft hart geprüft werden und auf diese Weise sichtbare und unsichtbare Tränen vergießen. Ihnen wird Trost verheißen und Freude im Reiche Gottes.

Und dann sagt Jesus noch: „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.“

Wer also um des Glaubens willen Verfolgung leidet, wer auf ungerechte Weise verkannt und beschimpft wird, weil er zu Christus gehört und sich zu seiner Kirche bekennt, der wird selig gepriesen.

Blicken wir aber auch auf die Weherufe und prüfen wir uns, ob wir nicht auch irgendwie davon betroffen sind! Jesus sagt hier sein „Wehe“ zu den Reichen, denn sie haben keinen Trost mehr zu erwarten. Gemeint sind jene Menschen, die sich in sich selbst verschließen und nur auf den eigenen Besitz und die eigene Leistung vertrauen, die sich der Liebe zu Gott und den Menschen endgültig verweigern.

Ein „Wehe“ gilt auch den jetzt Satten, die einst hungern werden. Es gibt eine lähmend-tödliche Selbstzufriedenheit, die nicht mehr aufblickt zu höheren Werten und letztlich blind ist für Gott, eine Sattheit, die den Weg versperrt zum Reiche Gottes.

„Wehe“ sagt Jesus auch zu denen, die jetzt lachen. Sie werden klagen und weinen. Ist Lachen und Freude hier auf Erden nicht mehr erlaubt? Gewiss meint Jesus hier nicht die Freude eines guten Gewissens. Sondern es ist die Freude jener, die Böses tun und sich daran ergötzen. Denn diese Freude ist nicht von Dauer. Der „Katzenjammer“ wird folgen, wenn sich der Mensch nicht vom Bösen abwendet und bekehrt.

Wie vergänglich und wertlos menschliches Lob sein kann, zeigt uns Jesus im vierten und letzten Weheruf. Dort heißt es: „Weh euch, wenn euch alle Menschen loben. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.“

Wer als Prediger oder Verkünder nur Worte der Bestätigung hat, wer alles Anstößige vermeidet, wer der Masse nach dem Mund redet und Schmeichelrede führt, anstatt auch ernste Mahnworte auszusprechen, wo dies nötig ist – der wird auch heute von vielen Menschen bejubelt und von den Medien hofiert. Lassen wir uns hier nicht verwirren!

Die Kirche darf sich nicht dem Zeitgeist anbiedern, sondern muss die frohe Botschaft auch heute in ihrer ganzen Fülle verkünden. Gerade dann, wenn es vielleicht Widerspruch erregt, ist es umso nötiger. Beispielsweise muss sich die Kirche in Treue zum Evangelium Christi für die Würde und das Lebensrecht aller Menschen einsetzen, der Geborenen und der Ungeborenen, der Gesunden und der Kranken, der Jungen, der Ältern und der Sterbenden. Die Kirche hat auch das Recht und die Pflicht, an die Heiligkeit der Ehe und an den Wert der Familie zu erinnern. Überall hier wird sie nicht nur Zustimmung erfahren, sondern oft auch angefeindet werden. Und dennoch ist dieses Zeugnis nötiger denn je!

Und schließlich ist es wesentlich, auch von den ewigen Wahrheiten zu sprechen: von Himmel und Hölle, von Tod und Gericht, von der Vollendung der Gerechten im ewigen Leben und der Auferstehung der Toten.

Möge uns Gottes Liebe auf die Fürsprache der heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria die Kraft geben, unbeirrt für den Glauben einzustehen und unser eigenes Leben danach auszurichten. Dann werden wir die Freude der Seligpreisungen Jesu erfahren! Amen