Predigt:
In den Sakramenten ist Christus zugegen
7. Sonntag der Osterzeit C (20.05.2007)
L1: Apg 7,55-60; L2: Offb 22,12-14.16-17.20; Ev: Joh 17,20-26
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Vor einigen Tagen haben wir das Hochfest der Himmelfahrt des Herrn gefeiert. Jesus Christus, der ewige Sohn Gottes, ist auch als Mensch endgültig eingegangen in die Herrlichkeit des Vaters, um uns im Himmel eine Wohnung zu bereiten und unsere Herzen zu Gott zu lenken.
Wie aber geht es hier auf Erden weiter, da wir den Herrn nicht mehr sichtbar unter uns haben? Darauf hat der Papst und Kirchenlehrer Leo der Große (+461) eine Antwort gegeben, die folgendermaßen lautet:
„Was an unserem Erlöser sichtbar war, ist in die Sakramente übergegangen; damit der Glaube erhabener und fester sei, ist an die Stelle des Schauens die Lehre getreten, deren Autorität die von den himmlischen Strahlen erleuchteten Herzen der Gläubigen folgen“, sagte Papst Leo der Große in einer Predigt zu Christi Himmelfahrt.[1]
Mit anderen Worten: Christus ist bei uns geblieben in seiner Kirche, unsichtbar zwar, aber wirklich. Wir schauen ihn nicht mehr mit leiblichen Augen, doch wir glauben an ihn und halten fest an der Lehre der Apostel. Der Heilige Geist erleuchtet unsere Herzen mit seinem Licht, sodass wir in froher Weise fest an die Gegenwart des Auferstandenen glauben können.
Die Gegenwart des Erlösers ist aber nicht rein geistig, sondern in gewisser Weise auch weiterhin „sichtbar“: Die Sakramente sind ja jene sichtbaren Gnadenzeichen, die unser Erlöser seiner Kirche hinterlassen hat, um uns mit ihm zu verbinden. Die Siebenzahl der Sakramente vermittelt die Fülle der Gnade und bringt die Heiligkeit dieser Zeichen zum Ausdruck: Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Ehe und (Diakonen-, Priester- und Bischofs-) Weihe. Manche Sakramente kann der Mensch nur einmal empfangen: so die Taufe als erstes und grundlegendes Sakrament, das uns die heiligmachende Gnade schenkt und uns zu Kindern Gottes macht, oder auch die Firmung, welche uns mit den Gaben des Heiligen Geistes ausstattet, oder auch das Weihesakrament, durch welches der Diakon, Priester oder Bischof zum Dienst Gottes berufen wird. Andere Sakramente werden öfter empfangen, wie die heilige Beichte (Bußsakrament) und die heilige Eucharistie. Auch die Krankensalbung kann öfter empfangen werden, wenn ein Mensch erneut schwer krank wird, der dieses Sakrament vorher schon einmal empfangen hatte. Die Ehe dauert bis zum Tod des Partners, und so gibt es auch hier die Möglichkeit der nochmaligen kirchlichen Trauung für verwitwete Personen.
Der Sinn aller Sakramente ist es, uns mit Jesus Christus zu verbinden und uns zu helfen, den irdischen Lebensweg gut zu gehen, dem ewigen Ziel entgegen. Gerade in der heiligen Eucharistie ist uns eine ständige „Wegzehrung“ geschenkt, welche uns mit Jesus Christus selber verbindet. Denn dieses Sakrament enthält Christus selbst, der unter den Gestalten von Brot und Wein bei uns gegenwärtig ist mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit.
Das Christentum ist keine bloße Theorie, der es zu folgen gilt, sondern es ist Weggemeinschaft mit Jesus Christus, dem Herrn. Er begleitet uns wie ein guter Freund, er ist „der Erstgeborene von vielen Brüdern“, da wir durch ihn zu Kindern Gottes geworden sind.
Einmal wird der Herr wiederkommen in Herrlichkeit. Die frühe Kirche hat mit Freude und Sehnsucht Ausschau gehalten nach dem kommenden Herrn, den man als die von Osten aufgehende „Sonne der Gerechtigkeit“ erwartete. Möge auch in unserem Herzen das wahre Licht aufleuchten, das nicht untergeht: Jesus Christus der Herr, der Sohn Gottes und zugleich der Sohn der Jungfrau Maria. Diese legt stets für alle Menschen Fürbitte ein bei ihm, ihrem Sohn und Erlöser, damit wir das Heil erlangen. Amen.
[1] „Quod itaque Redemptoris nostri conspicuum fuit, in sacramenta transivit; et ut fides excellentior esset ac firmior, visioni doctrina successit, cujus auctoritatem supernis illuminata radiis credentium corda sequerentur.“ – Leo d. Große, Sermo LXXIV de Ascensione Domini, PL 54,397–399.
