Dr. theol. habil. Josef Spindelböck
Gepriesen sei Gott in seinen Heiligen!
Predigt am Allerheiligenfest
1. November 2007
L 1: Offb
7,2-4.9-14; L 2: 1 Joh
3,1-3; Ev: Mt 5,1-12a
Die
aktuellen Messtexte finden Sie im Schott!
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Das
Hochfest „Allerheiligen“ lässt uns
all jene Menschen gemeinsam feiern, die Gott bereits aufgenommen hat in seine
himmlische Herrlichkeit. Sie schauen Gott und lieben ihn; sie finden ihr Glück
und ihre endgültige Erfüllung in der
Vereinigung mit dem dreifaltigen Gott, der ihre Seligkeit ist und ihnen
ewiges Leben schenkt. Jedes Leid und jede Trauer ist von ihnen genommen, denn
sie erhalten nun den Lohn für ihre Mühen hier auf Erden. So ist der heutige Tag
vor allem ein Jubelfest, auch wenn
wir – wie es sinnvollerweise geschieht – das Gedenken aller unserer lieben
Verstorbenen insgesamt mit Allerheiligen und besonders mit Allerseelen
verbinden. Wir beten und hoffen ja, dass Gott auch sie aufnimmt in seine ewige
Herrlichkeit!
Die
Freude über das Leben und die
Vollendung der Heiligen, der Lobpreis
ihrer Taten und ihrer endgültigen Heimkehr zu Gott gilt in erster Linie Gott selbst, dem Gütigen und Allmächtigen, der
sich in der Krönung ihrer Verdienste als der Gerechte und Barmherzige zugleich
erweist. Nicht aus eigener Leistung konnten die Heiligen das werden, was sie sind, sondern Gott hat es ihnen
geschenkt. Freilich haben sie sich als treue
Mitarbeiter der Gnade Gottes erwiesen, die in ihnen nicht unfruchtbar
geblieben ist. In Freiheit haben sie ihr Ja des Glaubens gesprochen und Gutes
getan. Ihre Schwachheiten und Sünden haben sie immer wieder Gott anvertraut; sie
haben das Böse bereut und so Vergebung gefunden. Die Heiligen des Himmels waren und sind Menschen wie wir, die der Gnade und des Erbarmens Gottes bedürfen.
Sie sind uns nahe, weil sie unsere
Not kennen und stehen uns bei durch ihre Fürbitte
bei Gott.
So
grüßen wir heute in besonderer Weise Maria,
die Königin aller Heiligen. Wir grüßen und ehren ihren Bräutigam, den heiligen Josef, die heiligen Apostel und Märtyrer, die Scharen der Bekenner,
Jungfrauen und Propheten, all die
Großen, welche machtvoll den Lauf der Welt bewegt haben, und auch die vielen kleinen Getreuen, die
niemand kennt, deren Namen aber dennoch bei Gott eingeschrieben sind ins Buch
des ewigen Lebens und deren Herrlichkeit auch uns einst offenbar werden soll.
Wir erinnern uns der Heiligen dieses
Landes Österreich: eines heiligen Severin
von Norikum, des heiligen Florian und seiner Gefährten, der heiligen Rupert und Virgil, der heiligen Hemma von Gurk, des seligen Bischofs Altmann von Passau und vieler anderer. Wir denken an Heilige und
Selige der neueren Zeit in unserem Land: an Jakob Kern, Franz Jägerstätter und Karl
von Österreich, an Anton Maria Schwartz und Sr.
Restituta Kaffka, deren
Leben und Wirken von Gott gesegnet war und die uns in großartiger Weise ein
Vorbild sind.
Wer
würde sich nicht freuen darüber, dass Gott jeden Menschen zur ewigen Vollendung
in seiner Liebe führen will? Das heißt aber mit anderen Worten, es sei gar
nicht schwer, heilig zu werden, da wir nur für Gottes Gnade offen sein müssen
und uns bemühen sollen, ihr treu zu sein. Der Weg zum Himmel ist zwar steil und die Pforte eng, doch wenn uns
Gottes Liebe erfüllt, können und dürfen wir diesen Weg in Freude und Zuversicht
gehen. Dabei weisen uns die Gebote
Gottes den rechten Weg, und er selber zieht uns am Seil seiner Liebe nach
oben, wenn wir seine Gnadenmittel in
Anspruch nehmen, die da sind: das Gebet
und das Hören auf Gottes Wort, wie es
uns die Kirche verkündet, die heiligen Sakramente
und Sakramentalien und eine stete Bereitschaft, Gottes Willen zu tun.
Die
traurige Alternative wäre sich
selbst auszuschließen von jener Gemeinschaft der Seligen und im Egoismus sich
der Liebe Gottes für immer zu verweigern, was die Kirche mit dem Wort „Hölle“ bezeichnet: Ohne Gott keine
Freude, kein Leben, keine Erfüllung, nur Trostlosigkeit, ewige Qual und
Verdammnis! Wir wollen beten, dass keiner von uns verlorengeht, denn Gott will, dass alle gerettet werden
und zur Erkenntnis der Wahrheit Christi gelangen.
Bereits
in der Taufe wurden wir geheiligt
und sind zu Kindern Gottes geworden. Im Sakrament
der Buße wird die heiligmachende Gnade gestärkt bzw. dort wiedergeschenkt,
wo sie durch die Todsünde verloren gegangen ist. Nehmen wir dieses Gnadenangebot
Gottes an, damit wir reinen Herzens oft Jesus Christus in der heiligen Kommunion als „Brot des
Lebens“ empfangen können!
Ja,
Gott möchte auch uns in seiner Liebe vollenden, damit wir einst der großen
Schar des Himmels hinzugerechnet werden, die niemand zählen kann. Die heilige Gottesmutter Maria, unsere Namenspatrone, alle Heiligen insgesamt und auch die heiligen Engel mögen unsere
Fürbitter sein bei Gottes Thron,
damit sich auch an uns einst vollendet, was Gottes Liebe in uns grundgelegt
hat! Amen.
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