Dr. theol. habil. Josef Spindelböck

Hirten kamen zum Kind in der Krippe

Predigt bei der Messe am Hochfest der Geburt Christi in der Heiligen Nacht
Lesejahr C, 24./25. Dezember 2006 

Messe in der Nacht: L 1: Jes 9,1-6; L 2: Tit 2,11-14; Ev: Lk 2,1-14
Am Morgen: L 1: Jes 62,11-12; L 2: Tit 3,4-7; Ev: Lk 2,15-20
Am Tag: L 1: Jes 52,7-10; L 2: Hebr 1,1-6; Ev: Joh 1,1-18

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Als das Dunkel der Welt seinen Höhepunkt erreicht hatte und das Volk Gottes mit großer Sehnsucht nach dem Kommen des Erlösers flehte, da stieg das ewige Wort Gottes vom Himmel herab und wurde Fleisch: Gott selbst ist Mensch geworden; als Kind im Stall von Bethlehem ist er zu uns gekommen. Und diese frohe Botschaft der Heiligen Nacht besingen jubelnd die Engel des Himmels!

Wer ist dieses Kind in der Krippe mit dem Namen Jesus? Er ist der lange schon von den Propheten angekündigte und innig erwartete Fürst des Friedens, der aus dem Geschlecht Davids stammt und sein Volk in Ewigkeit regieren wird. Gott gehört das ganze Universum, und für uns Menschen ist es unbegreiflich, dass er sich ausgerechnet diese Erde auserwählt hat, wo wir Menschen wohnen, um vom Himmel herabzusteigen und uns nahe zu sein. Wahre Liebe zeigt sich sowohl im Großen als auch im Kleinen. Und das kleine Kind im Stall von Bethlehem lächelt uns zu und sagt uns: Gott hat dich lieb!

Gott, der Große, ist jetzt ganz klein geworden, hier in der Krippe. Einst wird Jesus Christus als Herr der Herrlichkeit erscheinen, machtvoll, um zu richten die Lebenden und die Toten. Jetzt aber ist er als Retter und Erlöser gekommen, um alle in Liebe an sich zu ziehen. Nicht mit Gewalt will er die Herzen erobern, sondern durch die sanfte Macht seiner Liebe. Dies ist unsere Freude, dass Gottes Gnade erschienen ist, um alle Menschen zu retten (vgl. Tit 2,11). Kommt, lasset uns anbeten!

Wer aber begreift dieses Wunder? Sind es die Helden und Stars dieser Welt, sind es die Mächtigen und politisch Einflussreichen? Weder damals vor 2000 Jahren noch heute ist dies für gewöhnlich der Fall. Wie viel Unrecht und Gewalt gibt es doch in der Welt! Bei denen, die solche schlimmen Dinge tun, kann Gottes Liebe nicht ankommen, außer sie bekehren sich. Nur ein reines und demütiges Herz vermag Gott aufzunehmen. So haben die Hirten von den Engeln die Botschaft der Freude vernommen: „Heute ist euch in der Stadt Davids, die Bethlehem heißt, der Retter geboren worden, Christus, der Herr!“ Die Hirten waren unverbildete Menschen. Als sie diese Botschaft hörten, glaubten sie und machten sich auf den Weg.

Was zählt wirklich in unserem Leben? Ist es Geld, Ansehen, Karriere und Vergnügen? Oder sind es die inneren Werte, wie Liebe, Treue, Verlässlichkeit, Friede? Worauf bauen wir unser Leben? Weil die Hirten sich Gott zuwandten, der sie durch die Engel rief, konnten sie das Jesuskind finden und es anbeten. Wer sein Herz öffnet für die Liebe, die von Gott kommt, wird Gott im Himmel einst ewig schauen.

So verweilen wir in dieser Heiligen Nacht an der Krippe und betrachten das Jesuskind. Wir schließen uns der Jungfrau Maria und dem heiligen Josef an, die das neugeborene Kind mit Freude aufgenommen haben. Gute Eltern sind für ihre Kinder da und sorgen für sie. Die Liebe kann niemand ersetzen. Auch der Sohn Gottes wollte in einer menschlichen Familie in diese Welt eintreten, um uns aufzunehmen in die Familie der Kinder Gottes. Gott ist Mensch geworden, damit wir zu Kindern Gottes werden.

Es ist wahrlich eine stille und heilige Nacht, die wir heute feiern. Kommt, lasset uns anbeten! Amen.

 

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