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Predigt:

Hochfest der Geburt des Herrn (Am Tag) C (25.12.2003)

L1: Jes 52,7-10; L2: Hebr 1,1-6; Ev: Joh 1,1-18


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wir in unserer medial vernetzten Welt, in der sich alles Wirkliche nur mehr in den Medien ereignet, können es kaum fassen und glauben, dass die Menschwerdung Gottes vor 2000 Jahren so still und unbemerkt vor sich ging. Da gab es keine Pressemeldung eines königlichen Hofes, zu dem die Reporter in Scharen ausschwärmten und keine TV-Direktübertragungen oder Internet-Live-Streams, sondern in einem Stall in Bethlehem ereignete sich jenes große Geschehen, das die Welt heute noch in Atem hält und die Wende der Zeit herbeigeführt hat: Maria „gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.“ So heißt es im Lukasevangelium.

Nur die Engel Gottes waren Zeugen und auch ein paar Tiere („Ochs und Esel“), wie Maria und Josef das Jesuskind dankbar annahmen und sich über seine Geburt freuten. Im Glauben beteten sie den an, der als Mensch vor ihnen war. Gott, der große und allmächtige Herr, der Schöpfer des Himmels und der Erde, lag vor ihnen in der Krippe als kleines, hilfsbedürftiges Kind. Er, der unendlich Reiche, war aus Liebe zu den Menschen arm geworden, um gerade auf diese Weise alle mit seiner Liebe zu beschenken.

So kam es dazu, dass nicht die politische und religiöse Prominenz zuerst zur Krippe kam, um das Jesuskind zu begrüßen und den wahren Sohn Gottes anzubeten, sondern einfache Menschen aus der nächsten Umgebung – Hirten – den Ruf Gottes vernahmen. Engel verkündeten ihnen jene „große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“ Die Hirten waren noch fähig, zu glauben und zu staunen. Die Botschaft von der rettenden Liebe Gottes fand Aufnahme in ihrem bereiten Herzen. So konnten die Engel Gottes den Frieden verkünden, der auf Erden herrschen soll durch dieses Kind, den Friedensfürsten. Friede ist verheißen allen Menschen guten Willens, denn sie stehen in der Gnade Gottes.

Liebe Brüder und Schwestern! Fragen wir uns jetzt ganz persönlich: Erreicht uns die Botschaft von Weihnachten noch? Was bedeutet uns dieses Fest? Ist es nur ein zwar wichtiges, aber doch vorübergehendes Ereignis in unserem Terminkalender, das zwar „alle Jahre wieder“ gefeiert wird, aber doch wenig Auswirkung hat auf unser Leben?

Der große Dichter Angelus Silesius (Johann Scheffler, 1624 – 1668) hat es in seinem „Cherubinischen Wandersmann“ (Erstes Buch, Nr. 61) einmal so formuliert: „Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren und nicht in dir: du bleibst noch ewiglich verloren.“ Das heißt doch nichts anderes, als dass unser Herz neu werden soll. Wir sollen uns selber ergreifen lassen von der Liebe des Jesuskindes, das wir in der Krippe verehren, und auf diese Weise unser Herz zu einer Krippe machen für dieses Kind. Es soll gleichsam in uns neu geboren werden.

Und ähnlich nochmals Angelus Silesius (ebd., Nr. 23): „Ich muss Maria sein und Gott aus mir gebären, soll er mich ewiglich der Seligkeit gewähren.“ Die Jungfrau Maria ist also unser Vorbild. So wie sie in Glaube und Liebe das Jesuskind aufgenommen und vom Heiligen Geist empfangen hat, soll auch unser Herz bereit sein für die Liebe Gottes, die wir in jenem Kind empfangen. Nur dann sind wir wahrhaft selig. Wir könnten noch so oft Weihnachten feiern und einander beglückwünschen – wenn wir nicht erfüllt wären von Glaube, Hoffnung und Liebe, dann wäre all unser Tun ein eitles Unterfangen. Nicht die Stolzen und Selbstgerechten werden das Reich Gottes erben, sondern nur die Demütigen, die fähig sind zu glauben und zu vertrauen wie ein Kind.

Gott hat uns reich beschenkt in seinem Sohn – mit seiner ganzen Liebe. Gott meint es ernst mit uns, er will uns erlösen und erretten. An uns liegt es, ob wir seine ausgestreckte Hand annehmen oder nicht! Zögern wir nicht und geben wir unsere Antwort der Liebe. Dann werden auch wir zu neuen Menschen. Amen