Dr.
theol. habil. Josef Spindelböck
Aufgestrahlt ist uns
das Licht aus der Höhe
Predigt bei der Messe am Hochfest der Geburt Christi am
Christtag
Lesejahr C, 25. Dezember 2006
Messe
in der Nacht: L 1: Jes 9,1-6; L 2: Tit 2,11-14; Ev: Lk 2,1-14
Am
Morgen: L 1: Jes 62,11-12; L 2: Tit 3,4-7; Ev: Lk 2,15-20
Am
Tag: L 1: Jes 52,7-10; L 2: Hebr
1,1-6; Ev: Joh 1,1-18
Liebe
Brüder und Schwestern im Herrn!
Als ich vor wenigen Tagen mit
einem Tankwart darüber ins Gespräch kam, was denn nun eigentlich das Wesentliche von Weihnachten sei, da
meinte dieser Mann: die Wintersonnenwende,
d.h. jenes kalendarische Ereignis am 21. Dezember, das mit dem kürzesten Tag
und der längsten Nacht verbunden ist, woraufhin sich der Lauf der Zeit wieder „wendet“,
d.h. die Tage nehmen zu und die Nächte nehmen ab. Dieser Zeitpunkt, so meinte der Tankwart, sei das
Eigentliche von Weihnachten. Und weil er das ganze Drumherum um dieses Fest
sowieso nicht möge, sei er froh, wenn es wieder vorbei sei.
Wir können uns fragen: Genügt diese Erklärung für das
Weihnachtsfest? Ist das christliche Weihnachten einfach eine Wiederbelebung jenes heidnischen Festes, an dem man
sich darüber gefreut hat, dass die Natur gleichsam ihren Lauf wieder geändert
hat und das Licht wieder zu „wachsen“ begonnen hat? Die Germanen feierten ja tatsächlich um die Wintersonnenwende ihr
Julfest, und die Römer sahen den 25.
Dezember als einen der höchsten Feiertage zu Ehren ihres Gottes der unbesiegten
Sonne an („Sol invictus“).
Als Christen müssen wir
sagen: Selbstverständlich ist das alles keine
ausreichende Erklärung für die Feier von Weihnachten. Wir verbinden mit
diesem Datum die lebendige Erinnerung an
die Geburt Jesu Christi vor 2000 Jahren im Stall von Bethlehem. Dies ist kein
Mythos, kein bloßes Bild oder Symbol für naturhafte Vorgänge, sondern ein reales geschichtliches Ereignis, das
auch von Nichtchristen und Nichtglaubenden anerkannt wird. Daran, dass Jesus
Christus wirklich auf Erden gelebt hat, kommt kein ernstzunehmender Geschichtsforscher
vorbei, unabhängig von seinem Glaubensstandpunkt.
Wenn die Christen für die
Feier der Geburt Christi diesen speziellen Termin ausgewählt haben, so wollten
sie einerseits die heidnischen Feste damit ersetzen und dadurch verdrängen, zum
anderen sollte ausgedrückt werden, dass wir an Jesus Christus als wahre „Sonne
der Gerechtigkeit“ glauben. Er ist das Licht
vom Himmel, das unter uns
aufgestrahlt ist und alle Menschen
erleuchtet. Johannes beschreibt es in seinem Prolog auf folgende Weise: „In
ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und
die Finsternis hat es nicht erfasst. Das wahre
Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.“
Der Sohn Gottes hat uns
erleuchtet mit seiner Liebe, indem er uns die Wahrheit und Gnade in Fülle brachte. Der menschliche Verstand kann
vieles fragen und ergründen, doch die letzte
Antwort auf das Woher und Wohin des Menschseins kann dem Menschen nur von Gott selbst gegeben werden. In Jesus Christus, dem fleischgewordenen
Wort, wird uns gezeigt, dass Gott den Menschen in Liebe gewollt, in Weisheit geschaffen
und wahrhaft erlöst und geheiligt hat. So wichtig sind wir dem lieben Gott,
dass er sich nicht gescheut hat, aus der Jungfrau Maria eine menschliche Natur
anzunehmen und unter uns zu wohnen. So ist das ewige und göttliche Wort „Fleisch“ geworden.
In diesem damals von den
Großen der Welt unbeachteten Ereignis der Geburt Christi liegt die wahre Wende
der Zeit. Das kleine Kind von Bethlehem
hat die Welt gleichsam aus den Angeln gehoben. Gott selber hat eine Brücke von
der Unendlichkeit zu uns endlichen Menschen geschlagen. Diese Brücke wurde in der Menschwerdung des Sohnes Gottes
errichtet. In Glaube und Liebe
dürfen wir darauf gehen, wenn wir uns mit dem Sohn Gottes verbinden und ihm
nachfolgen.
Maria,
die Gottesmutter, weist uns den Weg. Sie bewahrte alles, was
geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Ja, die Geheimnisse
Gottes sind unergründlich. Für keinen Menschen ist die Botschaft von
Weihnachten zu hoch und zu fern, für uns alle ist sie dennoch stets zu tief,
als dass wir sie ganz ausloten könnten. Nehmen
wir das Kind von Bethlehem in kindlichem Glauben auf, so wie es in der
Krippe liegt, und beten wir es an. Es schenkt uns Licht und Leben für Zeit und
Ewigkeit. Amen.
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