Predigt:
Aufgestrahlt ist uns das Licht aus der Höhe
Hochfest der Geburt des Herrn (Am Tag) C (25.12.2006)
L1: Jes 52,7-10; L2: Hebr 1,1-6; Ev: Joh 1,1-18
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Als ich vor wenigen Tagen mit einem Tankwart darüber ins Gespräch kam, was denn nun eigentlich das Wesentliche von Weihnachten sei, da meinte dieser Mann: die Wintersonnenwende, d.h. jenes kalendarische Ereignis am 21. Dezember, das mit dem kürzesten Tag und der längsten Nacht verbunden ist, woraufhin sich der Lauf der Zeit wieder „wendet“, d.h. die Tage nehmen zu und die Nächte nehmen ab. Dieser Zeitpunkt, so meinte der Tankwart, sei das Eigentliche von Weihnachten. Und weil er das ganze Drumherum um dieses Fest sowieso nicht möge, sei er froh, wenn es wieder vorbei sei.
Wir können uns fragen: Genügt diese Erklärung für das Weihnachtsfest? Ist das christliche Weihnachten einfach eine Wiederbelebung jenes heidnischen Festes, an dem man sich darüber gefreut hat, dass die Natur gleichsam ihren Lauf wieder geändert hat und das Licht wieder zu „wachsen“ begonnen hat? Die Germanen feierten ja tatsächlich um die Wintersonnenwende ihr Julfest, und die Römer sahen den 25. Dezember als einen der höchsten Feiertage zu Ehren ihres Gottes der unbesiegten Sonne an („Sol invictus“).
Als Christen müssen wir sagen: Selbstverständlich ist das alles keine ausreichende Erklärung für die Feier von Weihnachten. Wir verbinden mit diesem Datum die lebendige Erinnerung an die Geburt Jesu Christi vor 2000 Jahren im Stall von Bethlehem. Dies ist kein Mythos, kein bloßes Bild oder Symbol für naturhafte Vorgänge, sondern ein reales geschichtliches Ereignis, das auch von Nichtchristen und Nichtglaubenden anerkannt wird. Daran, dass Jesus Christus wirklich auf Erden gelebt hat, kommt kein ernstzunehmender Geschichtsforscher vorbei, unabhängig von seinem Glaubensstandpunkt.
Wenn die Christen für die Feier der Geburt Christi diesen speziellen Termin ausgewählt haben, so wollten sie einerseits die heidnischen Feste damit ersetzen und dadurch verdrängen, zum anderen sollte ausgedrückt werden, dass wir an Jesus Christus als wahre „Sonne der Gerechtigkeit“ glauben. Er ist das Licht vom Himmel, das unter uns aufgestrahlt ist und alle Menschen erleuchtet. Johannes beschreibt es in seinem Prolog auf folgende Weise: „In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.“
Der Sohn Gottes hat uns erleuchtet mit seiner Liebe, indem er uns die Wahrheit und Gnade in Fülle brachte. Der menschliche Verstand kann vieles fragen und ergründen, doch die letzte Antwort auf das Woher und Wohin des Menschseins kann dem Menschen nur von Gott selbst gegeben werden. In Jesus Christus, dem fleischgewordenen Wort, wird uns gezeigt, dass Gott den Menschen in Liebe gewollt, in Weisheit geschaffen und wahrhaft erlöst und geheiligt hat. So wichtig sind wir dem lieben Gott, dass er sich nicht gescheut hat, aus der Jungfrau Maria eine menschliche Natur anzunehmen und unter uns zu wohnen. So ist das ewige und göttliche Wort „Fleisch“ geworden.
In diesem damals von den Großen der Welt unbeachteten Ereignis der Geburt Christi liegt die wahre Wende der Zeit. Das kleine Kind von Bethlehem hat die Welt gleichsam aus den Angeln gehoben. Gott selber hat eine Brücke von der Unendlichkeit zu uns endlichen Menschen geschlagen. Diese Brücke wurde in der Menschwerdung des Sohnes Gottes errichtet. In Glaube und Liebe dürfen wir darauf gehen, wenn wir uns mit dem Sohn Gottes verbinden und ihm nachfolgen.
Maria, die Gottesmutter, weist uns den Weg. Sie bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Ja, die Geheimnisse Gottes sind unergründlich. Für keinen Menschen ist die Botschaft von Weihnachten zu hoch und zu fern, für uns alle ist sie dennoch stets zu tief, als dass wir sie ganz ausloten könnten. Nehmen wir das Kind von Bethlehem in kindlichem Glauben auf, so wie es in der Krippe liegt, und beten wir es an. Es schenkt uns Licht und Leben für Zeit und Ewigkeit. Amen
