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Predigt:

Dreifaltigkeitssonntag C (06.06.2004)

L1: Spr 8,22-31; L2: Röm 5,1-5; Ev: Joh 16,12-15


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Am heutigen Sonntag steht die Heilige Dreifaltigkeit im Mittelpunkt des Festgeheimnisses. Eigentlich geht es in unserem Glauben und Beten sowie in den Sakramenten und Vollzügen der Kirche letztlich immer um Gott, den einen und dreifaltigen. Er ist der Ursprung von allem und das letzte Ziel der Schöpfung. Seiner Liebe verdanken wir unsere Existenz: Gott hat uns geschaffen, erlöst und geheiligt. Dennoch hat die Kirche ein eigenes Fest eingeführt, eben den Dreifaltigkeitssonntag, an dem wir uns diesem innersten Geheimnis Gottes ausdrücklich zuwenden und es anbetend und liebend verehren!

Von Gott wissen wir nur dadurch etwas, dass er sich uns mitgeteilt hat. Wir sehen ihn nicht, da er ein geistiges Wesen ist. Er ist zwar allgegenwärtig, aber dennoch geschieht es, dass der Mensch ihn nicht wahrnimmt. Wir können einfach auf Gott „vergessen“ oder ihn sogar bewusst aus unserem Leben ausschließen, obwohl wir ihm alles verdanken und nichts existieren kann ohne ihn, der alles Geschaffene im Dasein erhält.

Gott hat sich mitgeteilt durch seine Schöpfung, in der wir die Spuren seiner Liebe und Allmacht erkennen. Er hat sich uns in besonderer Weise geoffenbart im Alten und im Neuen Bund. Vor allem ist es die zweite göttliche Person, das ewige Wort Gottes, der eingeborene Sohn Gottes, der sich uns mitgeteilt hat: Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Aus Liebe hat das ewige Wort Gottes Menschennatur angenommen. Jesus Christus hat als Mensch unter uns gelebt und gewirkt, er ist gestorben und auferstanden. Er ist wahrer Mensch und wahrer Gott und hat uns den ewigen Vater geoffenbart. Er selbst sagte einmal: „Wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat“ (Joh 12,45). Und: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30). Ebenso hat uns der Herr Jesus Christus das Wirken des Heiligen Geistes geoffenbart, den er vom Vater her zu uns gesandt hat, als er in den Himmel aufgefahren war. An diesen dreifaltigen Gott, an den einen und einzigen in drei göttlichen Personen glauben wir, ihn bekennen wir!

Es ist sicher hilfreich und wichtig, die Inhalte des katholischen Glaubens des Öfteren ausdrücklich zu überdenken. Gott ist ein Geheimnis der Liebe. Hier auf Erden sind wir ihm verbunden, wenn wir die Werke der Liebe üben. Einst sollen wir ihn schauen von Angesicht zu Angesicht. Dann wird er uns seine ganze Herrlichkeit und Liebe offenbaren.

Bereits hier auf Erden dürfen wir teilhaben am göttlichen Leben, indem wir durch die Heilige Taufe hinein genommen sind in die Gemeinschaft mit dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Er wohnt in unserem Herzen, sodass wir ein Tempel Gottes geworden sind. Welch große Verantwortung tragen wir daher für uns selber: für unseren Leib und für unsere Seele, wenn wir gleichsam ein lebendiges Haus Gottes geworden sind! Welche Ehrfurcht gebührt dem Menschen um Gottes willen! Zerstören wir nie das Bild Gottes im Menschen. Achten wir den Mitmenschen als lebendiges Abbild des dreifaltigen Gottes!

Wir wollen anschließend das „Große Glaubensbekenntnis“ (GL 356) beten, in dem die wesentlichen Lehrinhalte des Glaubens der Kirche an den dreifaltigen Gott zusammengefasst sind. Dort heißt es:

Wir glauben an den einen Gott,

den Vater, den Allmächtigen,

der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt

 

Wir glauben an den einen Herrn Jesus Christus,

Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit:

Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott,

gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen.

Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen,

hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.

Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden,

ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift

und aufgefahren in den Himmel.

Er sitzt zur Rechten des Vaters

und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten;

seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist,

der Herr ist und lebendig macht,

der aus dem Vater hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,

der gesprochen hat durch die Propheten und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.

Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.

Wir erwarten die Auferstehung der Toten

und das Leben der kommenden Welt. Amen