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Predigt:

Der Bund der Liebe und des Friedens

Hochfest der Gottesmutter Maria C (01.01.2007)

L1: Num 6,22-27; L2: Gal 4,4-7; Ev: Lk 2,16-21


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Gott hat sich in der Menschwerdung seines Sohnes Jesus Christus den Menschen in endgültiger Weise zugewandt. Er hat einen Bund der Liebe und des Friedens mit uns geschlossen. Vonseiten der Menschheit gab es einen Menschen – genauer gesagt: eine Frau –, die stellvertretend für alle übrigen ihre Zustimmung zu diesem Bund Gottes mit den Menschen gegeben hat: die Jungfrau und Gottesmutter Maria. Am ersten Tag des neuen Jahres feiert die Kirche das Hochfest ihrer Gottesmutterschaft.

Dass Gott überhaupt einen Bund mit den Menschen schließt, zeigt uns, wie ernst er uns nimmt und wie viel ihm an uns liegt. Er respektiert unsere Freiheit und will uns nicht zu etwas zwingen. Weil Gott Liebe ist, lädt er ein und macht uns das Angebot des Heils. Wie werden die Menschen reagieren? Werden sie seine Liebe dankbar annehmen und erwidern? Werden sie dem Bund treu sein, den Gott mit ihnen geschlossen hat?

Der Verlauf der Geschichte zeigt uns, dass dem oftmals nicht so ist und war. Immer wieder gehen Menschen achtlos an dem Großen und Wunderbaren vorbei, was Gott für uns getan hat. Ja, es gibt sogar – wie unbegreiflich! – die offene Ablehnung und den Widerstand gegen das göttliche Bundesangebot. Die Folgen kennen wir: Streit und Unfriede, Hass und Entzweiung, Krieg, Unheil und Tod.

Gott jedenfalls tut alles, was ihm möglich ist, um die Menschen zu retten: Er sendet seinen Sohn Jesus Christus, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt (vgl. Gal 4,4). Maria ist das Urbild des erlösten Menschen: Als sie im Glauben „Ja“ gesagt hat zur Empfängnis und Geburt des Sohnes Gottes, da hat sie als Repräsentantin der ganzen Menschheit, als „neue Frau“ oder als „zweite Eva“, den Bund Gottes angenommen. Und wir alle sind durch die Taufe bereits hinein genommen in diesen Bund des Heiles, der Liebe und des Friedens und sind aufgerufen, dem Geschenk dieser wunderbaren Berufung durch unser Leben nachzukommen.

Jedes Jahr veröffentlicht der Heilige Vater eine Botschaft für den Weltfriedenstag, den 1. Januar. Papst Benedikt XVI. hat für den 01.01.2007 das Motto gewählt: „Der Mensch – Herz des Friedens“. Es geht um die Achtung des Menschen als Person in seiner Würde, welche grundgelegt ist im Geheimnis der Schöpfung und Erlösung. Wenn der Mensch den Menschen respektiert um Gottes willen, wenn er ihn liebt, so wie Christus uns geliebt hat, dann wird Friede einkehren.

Um den Frieden zu fördern, sagt der Heilige Vater, müssen die Christen und alle Menschen guten Willens vor allem für das Recht auf Leben jedes Menschen von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod eintreten und ebenso für das Recht auf freie Religionsausübung. Dort, wo es Krieg und Gewalt gibt, wo Abtreibung und Euthanasie oder Experimente mit Embryonen begünstigt werden, kann der wahre Friede nicht gedeihen. Auch in unserem Land Österreichs gibt es – Gott sei es geklagt! – einen regelrechten „Krieg gegen Ungeborene“, deren Blut tatsächlich zum Himmel schreit. Wir wollen beten, dass hier eine baldige Bekehrung jener erfolgt, die Verantwortung tragen!

Eine echte Gefahr für den Frieden sind falsche Menschen- und Gottesbilder. Der Heilige Vater stellt ausdrücklich fest, dass jede Berufung auf den Namen Gottes zur Rechtfertigung von Krieg und Gewalt unhaltbar ist und einen schwerwiegenden Irrtum darstellt. Im Namen Gottes unschuldige Menschen zu töten ist durch die Botschaft Jesu Christi, welcher der Friedensfürst ist, ein für allemal ausgeschlossen. Zu den Menschenrechten gehören auch menschliche Pflichten. Nur die Achtung der menschlichen Natur in ihrer gottgegebenen Würde kann die Achtung des Menschen und seiner Rechte garantieren. Im Rahmen eines humanitären Völkerrechts müsse insbesondere den Gefahren des internationalen Terrorismus und der Bedrohung durch nukleare Waffen entgegen getreten werden, schreibt der Papst.

Der Heilige Vater schließt seine Botschaft mit folgenden Worten, indem er auf die Gottesmutter Maria verweist: Zu Beginn des Jahres 2007, auf das wir — wenn auch unter Gefahren und Problemen — mit hoffnungsvollem Herzen blicken, vertraue ich der Königin des Friedens und Mutter Jesu Christi, „unseres Friedens“ (vgl. Eph 2,14), mein inständiges Gebet für die gesamte Menschheit an. Möge Maria uns in ihrem Sohn den Weg des Friedens zeigen und unsere Augen erleuchten, damit wir sein Angesicht im Gesicht jedes Menschen erkennen – im Menschen als dem Herz des Friedens! Amen