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Predigt:

Gründonnerstag C (08.04.2004)

L1: Ex 12,1-8.11-14; L2: 1 Kor 11,23-26; Ev: Joh 13,1-15


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Als unser Herr Jesus Christus beim Letzten Abendmahl im Kreis der Apostel das Brot nahm und es den Jüngern mit den Worten gab: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“, und als er den Kelch mit Wein nahm und ihn mit den Worten: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut“ weiterreichte an die Apostel, da wurden sie hinein genommen in ein Geheimnis, das größer war als ihre Fassungskraft. Sie begriffen wohl nur ansatzweise, was der Herr ihnen damit sagen und zeigen wollte am Vorabend seines Leidens und Sterbens.

Dass unser Herr sich selber hingibt im Opfer der Eucharistie und uns in seine Gemeinschaft einlädt im Mahl der heiligen Kommunion, ist ein unüberbietbarer Ausdruck seiner liebenden Zuwendung zu uns. Nicht zu herrschen ist er gekommen, sondern um zu dienen. Zum Zeichen dafür hat er den Aposteln die Füße gewaschen. Petrus wollte es zuerst nicht zulassen. Erst als er von Jesus über den Sinn dieser Handlung belehrt wurde, nahm er dieses Zeichen an. Darin liegt ein bleibendes Vermächtnis für die Kirche und jede christliche Gemeinde: Genauso wie unser Herr an uns gehandelt hat, so sollen auch wir einander in Liebe dienen. Der Größte soll der Diener aller sein!

Was aber folgte auf die Feier des Letzten Abendmahles? Jesus wurde verraten und gefangen genommen; er wurde im Prozess vor dem Hohen Rat, vor Pilatus und Herodes angeklagt und zum Tod am Kreuz verurteilt. Die Handlung Jesu beim Letzten Abendmahl weist die Richtung, in der Jesus sein bevorstehendes Leiden und Sterben verstehen wollte: als liebende, sühnende Hingabe für die Menschen. Es ist die Hingabe des Leibes und Blutes Christi für uns, die am Kreuz geschah und im Letzten Abendmahl unter dem sakramentalen Zeichen vorweggenommen wurde. Immer dann wenn wir Eucharistie feiern, verkünden wir den Tod des Herrn, bis er wiederkommt. Doch nicht nur der Tod Christi wird Gegenwart in jeder Feier der heiligen Messe, sondern auch seine Auferstehung von den Toten!

Nachdem der Apostel Paulus im 1. Brief an die Korinther (11,23–26) dargelegt hat, worum es bei der Feier der Eucharistie geht, folgen bedenkenswerte Worte, die in der Liturgie üblicherweise nicht mehr vorgelesen werden. Ich denke, wir dürfen sie uns dennoch zumuten, denn sie gelten auch uns. Paulus schreibt nämlich: „Wer daher unwürdig das Brot isst oder den Kelch des Herrn trinkt, der versündigt sich am Leibe und Blute des Herrn. So prüfe sich denn der Mensch, und dann esse er von dem Brot und trinke aus dem Kelch. Denn wer unwürdig isst und trinkt, ohne den Leib des Herrn zu unterscheiden, der isst uns trinkt sich das Gericht.“ (1 Kor 11,27–29)

Was besagen diese Worte? Sie zeigen uns, dass wir nicht gedankenlos zur heiligen Kommunion gehen dürfen, so als ob es sich um eine Speise wie jede andere handeln würde. Eben deshalb werden ja auch die Kinder vor der Erstkommunion in den Glauben der Kirche eingeführt, damit sie wissen, wen sie empfangen: Nicht bloß „heiliges Brot“ ist es, sondern Jesus Christus selber, in seiner Gottheit und Menschheit, mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut. Er begegnet uns als der Lebendige, als der Gekreuzigte und Auferstandene! Ihn ihm haben wir das Leben, denn er schenkt uns seine ganze Liebe.

Klar sollte auch sein, dass nur derjenige Jesus Christus in der heiligen Kommunion empfangen darf, der in einer lebendigen Verbindung mit dem Herrn steht. Die Kirche sagt, der Mensch muss in der „heilig machenden Gnade“ stehen, damit er würdig ist, den Herrn zu empfangen. Wer sich schwerer Schuld bewusst ist, die er noch nicht gebeichtet hat, ist verpflichtet, das Bußsakrament zu empfangen. Paulus sagt es ganz ausdrücklich: Wer sich darüber hinwegsetzt, „isst und trinkt sich das Gericht“. Wir alle müssen uns ja einmal vor dem Richterstuhl Christi verantworten! Und gerade das Allerheiligste, nämlich Christus, den Herrn, dürfen wir nicht leichtfertig oder gar im Bewusstsein schwerer Schuld empfangen. Denn nur dann, wenn wir recht vorbereitet sind und mit aufrichtiger Absicht hintreten zum „Tisch des Herrn“, kann uns die heilige Kommunion auch Segen bringen und Kraft spenden für unser Leben!

Danken wir Gott, dass er uns in der Heiligen Eucharistie das Vermächtnis jener Liebe hinterlassen hat, die bis zum Tod ging. Gott liegt etwas an uns Menschen. Wir bedeuten ihm soviel, dass er seinen eigenen Sohn für uns hingegeben hat. Jesus Christus, der menschgewordene Sohn Gottes, hat seinen Leib für uns geopfert und sein kostbares Blut für uns vergossen. Wenn wir eins sind mit seiner Liebe, werden auch wir fähig zur Hingabe unseres Lebens für unsere Brüder und Schwestern.

„Denn wer sich hingibt, der empfängt; wer sich selbst vergisst, der findet; wer verzeiht, dem wird vergeben; und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben“ (vgl. GL 29/6). Amen