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Predigt:

Das Geheimnis der Liebe

Gründonnerstag C (05.04.2007)

L1: Ex 12,1-8.11-14; L2: 1 Kor 11,23-26; Ev: Joh 13,1-15


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Am Abend vor seinem Leiden hat unser Herr Jesus Christus im Kreis seiner Apostel beim Letzten Abendmahl das Geheimnis der heiligsten Eucharistie eingesetzt. Unter den sichtbaren Zeichen von Brot und Wein verschenkte er sich selbst ganz und gar: Die Hingabe seines Leibes und Blutes am Kreuz wurde beim Letzten Abendmahl im Voraus gegenwärtig gesetzt und zum bleibenden Gedächtnis und Auftrag vom Herrn seinen Aposteln im Opfer der heiligen Messe hinterlassen.

Unser Herr Jesus Christus hat auf diese Weise im Sakrament der Eucharistie das Testament seiner Liebe eingesetzt und es der Kirche anvertraut. Immer dann, wenn die Kirche durch den gültig geweihten Priester in der Person Christi das heilige Messopfer feiert, erneuert sich das Geheimnis der Hingabe des Herrn am Kreuz und verkünden wir seine Auferstehung und Himmelfahrt. Wir empfangen den Leib und das Blut Christi in der Heiligen Kommunion und beten ihn an, der als wahrer Gott und wahrer Mensch wirklich, wahrhaftig und wesentlich gegenwärtig ist unter den Gestalten von Brot und Wein. Kommt, lasset uns anbeten!

In welchem Geist wir dieses Sakrament der Liebe feiern und empfangen sollen, hat der Herr durch sein Tun selbst verdeutlicht: Er ist gekommen um zu dienen und nicht um sich bedienen zu lassen. Wie ein Sklave wusch er den Jüngern die Füße, um zu zeigen, dass der erste von ihnen der Diener aller sein soll. Nicht zu herrschen ist er gekommen, obwohl er der König ist, sondern um in Liebe dem Heil aller zu dienen. In seiner Nachfolge sind alle in der Kirche – unabhängig vom hierarchischen Rang – aufgerufen, einander in Liebe zu dienen und auf diese Weise die Liebe des guten Hirten gegenwärtig zu machen.

Wir wollen schließen mit den Worten von Papst Benedikt XVI., welche er an den Anfang seines Apostolischen Schreibens „Sacramentum caritatis“ gestellt hat:

Sakrament der Liebe: Die Heilige Eucharistie ist das Geschenk der Selbsthingabe Jesu Christi, mit dem er uns die unendliche Liebe Gottes zu jedem Menschen offenbart. In diesem wunderbaren Sakrament zeigt sich die »größte« Liebe, die dazu drängt, »das eigene Leben für die Freunde hinzugeben« (vgl. Joh 15,13). Ja, Jesus liebte die Seinen »bis zur Vollendung« (Joh 13,1). Mit dieser Formulierung führt der Evangelist auf die Geste unendlicher Demut hin, die Jesus vollbracht hat: Bevor er am Kreuz für uns starb, wusch er, umgürtet mit einem Leintuch, seinen Jüngern die Füße. In gleicher Weise liebt Jesus uns im eucharistischen Sakrament immer noch »bis zur Vollendung«, bis zur Hingabe seines Leibes und seines Blutes. Welch ein Staunen Muss die Herzen der Apostel ergriffen haben angesichts der Gesten und Worte des Herrn während jenes Abendmahles! Welch eine Verwunderung muss das eucharistische Geheimnis auch in unserem Herzen auslösen!

Bemühen wir uns mit der Gnade Gottes darum, in der Einheit von Glaube und Leben dem „Geheimnis der Liebe“ des Erlösers in der heiligen Eucharistie zu entsprechen! Dem dient auch die auf diese heilige Messe folgende Ölbergandacht. Dann wird uns niemals die Freude an der bleibenden Gegenwart des Erlösers in seiner Kirche fehlen und wir werden, gestärkt vom „Brot des Himmels“ und in Einheit mit der Gottesmutter Maria, kraftvoll ausschreiten in unserem Pilgerweg hier auf Erden, der ewigen Vollendung in Gottes Liebe entgegen. Amen