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Predigt:

Zur Herrlichkeit des Himmels erhoben

Hochfest der Aufnahme Marias in den Himmel C (15.08.2007)

L1: Offb 11,19a.12,1-6a.10ab; L2: 1 Kor 15,20-27a; Ev: Lk 1,39-56


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

In meiner Heimat Tirol wird das heutige Hochfest der Aufnahme Marias in den Himmel als „Hoher Frauentag“ bezeichnet. Wir preisen an diesem Tag ja die Großtaten Gottes an Maria, der Jungfrau und Gottesmutter, an „Unserer Lieben Frau“. Wer wollte sich nicht freuen an diesem Fest, wo der ganze Himmel jubelt?

Gewaltig sind die Bilder, welche uns die Kirche in der ersten Lesung aus der Offenbarung des Johannes vor Augen stellt. Wir sehen vor unserem geistigen Auge jenes große Zeichen, das dem Seher Johannes auf Patmos am Himmel erschienen ist: eine Frau, umgeben von der Sonne, den Mond unter ihren Füßen, und einen Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt (Offb 12,1).

Nach der Deutung vieler Kirchenväter ist mit dieser Frau zuerst das Volk Gottes gemeint, welches Gott dem himmlischen Bräutigam als Braut und Gemahlin gegenübertritt und von ihm zur Vollendung geführt wird. In diesem Gottesvolk des Alten und Neuen Bundes ist jedoch Maria die erste der Auserwählten und gleichsam das Urbild jeder Gemeinschaft der Menschen mit Gott im auserwählten Volk Israel und dann in der Kirche. In Maria verdichtet und kristallisiert sich alles Große und Schöne, was Gott seinem Volk verheißen hat. Gott selber ist die Sonne, die über ihr aufleuchtet, denn aus ihr wurde Christus geboren, die Sonne der Gerechtigkeit. Der Mond als Zeichen alles Irdischen, ja auch des Widergöttlichen liegt ihr zu Füßen, denn sie darf mit Christus herrschen, der sie im Himmel zur Vollendung geführt hat. Die Häupter der 12 Stämme Israels und die 12 Apostel freuen sich, versinnbildet durch die Sterne über ihrem Haupt. Der Drache, als Bild der Urgewalt des Bösen, kann jener Frau nichts anhaben, da Gott auf ihrer Seite ist und sie schützt. Im Kind, das sie gebären soll und das von Gott entrückt wird, ist zuerst der menschgewordene Sohn Gottes, Jesus Christus, versinnbildet, in zweiter Linie sind wir alle mitgemeint, die wir durch den Glauben und die Taufe zum Volk des Bundes gehören dürfen und in kindlichem Vertrauen und in froher Hingabe der Liebe sowohl die Kirche wie auch Maria als Urbild der Kirche unsere „Mutter“ nennen.

Könnten wir es uns eigentlich vorstellen, liebe Brüder und Schwestern, dass Jesus Christus seine Mutter nicht zu sich aufgenommen hätte in den Himmel – sie, die geglaubt, gehofft und geliebt hat, sobald sie dazu fähig war, die von Gott vor der Erbschuld bewahrt und mit der Fülle der Gnade beschenkt wurde und die den Sohn Gottes empfangen und geboren hat? Nein, es ist undenkbar, dass Maria nicht auf einzigartige Weise bei ihrem Sohn Jesus Christus vollendet wurde! In der Herrlichkeit des einen und dreifaltigen Gottes darf sie nun jubeln und sich freuen, da sie auf Erden mit dem Sohn Gottes verbunden war und unter dem Kreuz auch tiefstes Leid in ihrer Seele mit ihm geteilt hat. Gott konnte und wollte es nicht zulassen, dass ihr Leib der Verwesung anheimfiel. Er hat diesen jungfräulichen Leib, mit dem sie Christus, ihren Sohn und zugleich den ewigen Sohn Gottes, getragen hat, auferweckt und zur Vollendung geführt. In Maria ist der ganze Mensch – mit Leib und Seele – bereits vollendet.

Die innere Logik der Geheimnisse des Glaubens, welche mit Maria verbunden sind, verlangt es, dass die Jungfrau und Gottesmutter bereits endgültig und in höchstmöglicher Weise bei Gott vollendet ist. Die Dynamik des Heils, das Gott in Maria gewirkt hat, drängt nach oben, himmelwärts!

Und wir auf Erdensind wir fern von jener Frau, die vollendet wurde in einzigartiger Herrlichkeit und in himmlischer Freude? Keineswegs! Je näher Maria Gott ist und je mehr sie durch ihn vollendet wird, desto näher ist sie uns. Sie blickt nicht von Ferne auf uns herab, sondern sie ist als unsere Mutter und Fürsprecherin bei uns. Maria ist eine von uns, ein wirklicher Mensch, und ihre Vollendung ist die des Menschen bei Gott. Auch wir hoffen im Glauben einst bei Gott vollendet zu werden, wenn wir Gott schauen dürfen in seiner Herrlichkeit und wenn auch unser Leib am Ende der Weltzeit auferweckt wird bei der Wiederkunft Christi. Dann werden auch wir ganz vollendet sein, und es wird uns nichts mehr fehlen.

Bis es soweit ist, haben wir freilich noch den mitunter beschwerlichen, dornigen und steilen Weg auf Erden zu gehen, der uns zum Himmel führt. Damit wir hier aber in diesem „Tal der Tränen“ nicht die Hoffnung verlieren, hat uns Gott gleichsam einen Leitstern geschenkt: die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria, die mit Leib und Seele verherrlichte Königin des Himmels. Sie lässt uns nicht aus dem Auge, sondern zeigt uns den guten Weg. In mütterlicher Weise mahnt und stärkt sie uns, indem sie uns zu Christus hinführt, dem Brot des Lebens. Ihn beten wir an, den wahren Gott und Menschen, der Maria als seine Mutter in einzigartiger Weise über die Himmel erhoben und in seiner unüberbietbaren Liebe verherrlicht hat! Amen