Dr. Josef Spindelböck

Predigt am Nationalfeiertag

26. Oktober 2004

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Dankbarkeit und Freude erfüllen uns heute: Österreich ist seit 1955 wieder ein freies Land, das sich zur immerwährenden Neutralität verpflichtet hat. Dass dies in schwierigen historischen Umständen möglich war, führen wir als gläubige Menschen nicht nur auf die Tüchtigkeit unserer Politiker und auf den gemeinsamen Einsatz aller Österreicher zurück, sondern vor allem auf Gottes Schutz und Beistand.

„Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut. Wenn nicht der Herr die Stadt bewacht, wacht der Wächter umsonst“,  heißt es im Psalm 127, Vers 1 und 2. Wir können auch sagen: „An Gottes Segen ist alles gelegen.“

Es sind nun schon fast 50 Jahre her, als dieser Gedenktag an die Befreiung Österreichs von fremder Besatzungsmacht und an die Erklärung der Neutralität eingeführt wurde. Jüngere Menschen haben davon keine eigene Erinnerung mehr. Es ist eine Frage der Politischen Bildung, inwiefern in den Schulen noch darauf Bezug genommen wird. Dennoch dürfen wir sagen: Dieser Tag betrifft uns alle. Er sollte daher nicht vergessen werden.

Die Gnade, in einem freien Land zu leben, wo wir unseren Überzeugungen folgen können und auch unseren Glauben in Freiheit ausüben dürfen, können wir nicht hoch genug einschätzen. Es gibt nicht wenige Länder der Welt, wo diese fundamentalen Grundrechte des Menschen missachtet werden. Als Christen wissen wir uns mit ihnen solidarisch und sollen gerade aus der Verantwortung des Glaubens das öffentliche und politische Leben mitgestalten.

Inzwischen sind größere politische Zusammenhänge sichtbar geworden. Europäische und weltweite Solidarität sind gefragt. Wir begreifen uns zunehmend als Angehörige der einen Menschheitsfamilie. In diesem europäischen und globalen Zusammenhang tut es aber gut und ist es wichtig, dass wir uns zugleich als Österreicher wissen, die ihr eigenes Land lieben und die ihrer Heimat in Wertschätzung verbunden sind.

Was die Zukunft bringen wird, wissen wir nicht. Eines ist jedoch sicher: Alles, was kommt, sollen wir aus der Vaterhand Gottes entgegennehmen, der es gut mit uns meint. So werden wir auch in schwierigen Situationen weiterhin die Kraft bekommen, die wir brauchen, um unser Land verantwortungsbewusst mitgestalten zu können und unseren christlichen Glauben ins Leben umzusetzen. Die Voraussetzung dafür wird sein, dass wir nicht aufhören zu beten, sondern unser Herz mit Vertrauen und in Beständigkeit zu Gott erheben.

In diesen Tagen vor Allerheiligen und Allerseelen verbindet uns das gläubige Gedenken mit allen unseren Verstorbenen. Wir wollen für sie beten, dass Gott der Herr sie aufnimmt in seinen ewigen Frieden, wo wir die Vollendung unseres Lebens in der Herrlichkeit des Himmels erwarten.

Wenden wir uns voll Vertrauen an Maria, die Gottesmutter, die wir als Königin des heiligen Rosenkranzes verehren! Sie steht uns bei in mütterlicher Liebe, da sie weiß, was wir brauchen. Sie mögen uns ihren Sohn Jesus zeigen, uns zu ihm hinführen und in der brüderlichen und schwesterlichen Liebe zueinander bestärken! Amen.

 

·        Weitere Predigten

·        Predigten von + Univ. Prof. Dr. Ferdinand Holböck


SANKT JOSEF - www.stjosef.at