Predigt:
Ostersonntag C (11.04.2004)
L1: Apg 10,34a.37-43; L2: Kol 3,1-4 (oder: 1 Kor 5,6b-8); Ev: Joh 20,1-18 oder Lk 24,1-12
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Zwei Jünger sind es, die am Ostermorgen gleichsam um die Wette laufen: Maria Magdalena hat dem Johannes und dem Petrus berichtet, dass sich am Grab Christi etwas getan hat. Die Vermutung lautet: Man hat den Leichnam Jesu weggenommen!
Petrus und Johannes können angesichts einer so vieldeutigen Botschaft nicht so tun, als ob sie das nichts anginge. Sie waren immer mit dem Herrn verbunden und waren Zeugen seines Lebens, seines Leidens und Sterbens. Nun ist es ihre Aufgabe, gleichsam ihr Amt als Apostel, aufzubrechen aus der Trauer der vergangenen Tage und sich in Eile aufzumachen zum Grab des Herrn.
Dort beugt sich Johannes zwar vor, der als erster zum Grab kommt. Er geht aber nicht hinein in jenes Felsengrab, das offenbar leer ist. Denn der Stein ist weg!
Petrus jedoch betritt dieses Grab, und er findet die Worte der Maria Magdalena bestätigt. Der Leichnam Jesu ist nicht mehr hier! Petrus kann die Leinenbinden liegen sehen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte. Verwunderlich ist jedoch – und das spricht gegen die Theorie eines Diebstahls –, dass dieses Schweißtuch nicht bei den Leinenbinden liegt, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Es ist kein Chaos, sondern geordnete Ruhe, die sie vorfinden. Jesus aber sehen sie noch nicht!
Nun geht auch Johannes in das Grab. Er sah dies alles, „und er glaubte“. Woran glaubte Johannes? Glaubte er bereits an den Auferstandenen? Möglicherweise war sein Herz bereits weiter im Erkennen als das des Petrus. Johannes hatte ja mit Maria und den anderen Frauen unter dem Kreuz stehen dürfen. Dies zeigt, dass er noch damit rechnete, dass sich Großes ereignen und erfüllen würde. Andererseits heißt es anschließend: Die Apostel „sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.“
Wir können wohl sagen: Beide Apostel sind an der Schwelle des Osterglaubens. Es fehlt ihnen nur noch die persönliche Begegnung mit dem Auferstandenen, die sich in den nächsten Stunden ereignet wird. Dann werden auch sie im vollen Sinn glauben an den auferstandenen Herrn.
Erst im Rückblick werden sie dann den Sinn des Leidens und Sterbens Christi begreifen. Dieser Tod des Erlösers hätte ja keinen Sinn, wenn es nicht die Auferstehung gäbe. Die Liebe Christi, die bis zum Tode ging, hat endgültig gesiegt. Von der Auferstehung Christi aus begreifen die Apostel und Jünger dann auch den Sinn des menschlichen Lebens überhaupt. Denn wir sind hinein genommen durch Glaube und Taufe in den Tod Jesu Christi, aber auch in seine Auferstehung. Sein Leben ist auch unser Leben. Wir haben eine Hoffnung, die uns nicht zugrunde gehen lässt, sondern die selbst Leiden und Tod überdauert.
Großes ist auch uns verheißen: Auch unser Leib wird einst auferstehen. Der christliche Glaube ist nicht leibfeindlich. Der Leib eines jeden von uns ist in der Heiligen Taufe zum Tempel des Heiligen Geistes geworden. Sollte da der Heilige Geist diesen Leib nicht lebendig machen, wenn Christus wiederkommt und die Toten vor sein Angesicht ruft, um zu richten die Lebenden und die Toten? Diese Hoffnung auf die Auferstehung auch unseres Leibes gibt uns Kraft für den Alltag. Wir dürfen und sollen uns einsetzen für unsere Mitmenschen, die mit uns verbunden sind in derselben Berufung durch Gott.
Die Botschaft Christi bringt uns Frieden: für uns selber und unsere Familien und Gemeinschaften, ja für die ganze Welt. Gerade heuer wollen wir Gott bitten, dass dieser Friede Christi, des Auferstandenen, sich ausbreite auf unserer Erde. Nicht der Krieg darf das letzte Wort haben, sondern die versöhnende Liebe. Bleiben wir verbunden mit unserem Herrn Jesus Christus, der als Auferstandener unter uns lebt! Ihm seien die Ehre und der Lobpreis, jetzt und in Ewigkeit. Amen
