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Predigt:

Der Geist der Einheit in Wahrheit und Liebe

Pfingstsonntag C (27.05.2007)

L1: Apg 2,1-11; L2: 1 Kor 12,3b-7.12-13 (oder: Röm 8,8-17); Ev: Joh 20,19-23 (oder: Joh 14,15-16.23b-26)


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Pfingsten ist das Fest der Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel, die übrigen Jünger und die gläubigen Frauen, ja auf die ganze Kirche insgesamt!

Wir bekennen den Heiligen Geist als die dritte göttliche Person, als wahren Gott und Lebensspender, als Heiligmacher, Tröster, Beistand und Vollender. Gott hat uns erwählt und geheiligt durch seinen Sohn Jesus Christus im Heiligen Geist. In diesem Geist der Kindschaft dürfen wir Gott unseren Vater nennen.

Wir haben diesen Heiligen Geist bereits in der Taufe empfangen und wurden von ihm in der Firmung gestärkt. Gottes Gabe für uns und Gottes Siegel über uns ist Gott selber, der Heilige Geist. Es ist der Geist der Liebe, welche unsere Herzen entflammt und uns zum Guten antreibt und bewegt.

Wir freuen uns, dass uns als Glaubenden und der Kirche insgesamt der Heilige Geist geschenkt ist. Der Heilige Geist erhält die Kirche in der Wahrheit Christi und bewirkt, dass sie im Glauben nicht irren kann. Der Heilige Geist steht dem Papst und den Bischöfen in der Verkündigung des Glaubens bei; er bewegt die Herzen der Menschen zur gläubigen Zustimmung zur geoffenbarten Wahrheit.

Bedenken wir, dass die Apostel und alle übrigen Jünger gemeinsam mit Maria, der Gottesmutter, im Abendmahlssaal versammelt waren! Dort haben sie um das Kommen des Heiligen Geistes gebetet. Dieser ist dann in Gestalt von Feuerzungen und unter Sturmesbrausen auf die erste christliche Gemeinde herabgekommen. Er hat alle Angst und Mutlosigkeit hinweggenommen, alle Verwirrung beseitigt. Während beim Turmbau zu Babel die Völker als Frucht ihres Stolzes und ihrer Auflehnung gegen Gott einander entfremdet wurden, indem sich die Sprachen verwirrten und keiner den anderen mehr verstand, geschieht zu Pfingsten das Umgekehrte: Plötzlich können die Angehörigen aller Völker, von woher auch immer, die Worte der Apostel verstehen. Ein jeder hört sie in seiner Muttersprache die frohe Botschaft verkünden. Diese Botschaft ist ein Aufruf zur Umkehr, d.h. zur Abwendung vom Bösen, und zum Glauben. Gott soll von nun am im Mittelpunkt des Lebens stehen. Seine Liebe und seine Gebote sind in allem maßgeblich, denn sie dienen dem wahren Leben des Menschen. An die Stelle der Spaltung und des menschlichen Zerwürfnisses sind zu Pfingsten jene Einheit und jene Liebe getreten, die nur Gott der Heilige Geist bewirken kann.

Viele lassen sich am Pfingsttag nach der Predigt des Petrus taufen, und die christliche Kirche nimmt ihren Anfang. Voll Freude sind die ersten Christen bereit, auf alles Irdische zu verzichten, um Jesus nachzufolgen. Sie teilen unter sich ihre Güter, halten brüderliche Gemeinschaft im Gebet und im Gottesdienst und geben ein Beispiel der christlichen Nächstenliebe. Sogar Drohungen, Folter und Tod schrecken sie nicht davor ab, für den Namen Christi Zeugnis abzulegen, wie uns die Apostelgeschichte berichtet.

Im Heiligen Geist haben sie teil am neuen Leben in der Gemeinschaft mit Gott; der Heilige Geist erfüllt ihr Herz mit einzigartiger, ja überirdischer Freude.

Ist es eine Illusion, wenn wir uns vorstellen, dass Gott der Heilige Geist auch unsere Herzen mit seiner Liebe entflammt und uns zum frohen Glaubenszeugnis befähigt? Eigentlich sollte dies der christliche Normalfall sein: Dass getaufte und gefirmte Christen voll Freude auf das Wort Gottes hören, diesen Glauben im Leben zu verwirklichen suchen und in diesem Glauben auch angesichts des Todes eine feste und unerschütterliche Hoffnung haben. Das ist auch uns geschenkt, wenn wir nur von Herzen Gottes Gnaden annehmen, die er uns zuteil werden lässt im Heiligen Geist auf die Fürbitte der seligen Jungfrau Maria. Amen