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Predigt:

Stephanus – Zeuge für Christus

Fest des heiligen Stephanus C (26.12.2006)

L1: Apg 6,8-10; 7,54-60; Ev: Mt 10,17-22


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Warum musste Stephanus sterben? Der letzte und eigentliche Grund dafür lag in seinem Bekenntnis zu Jesus Christus als dem Messias. Wir feiern in diesen Tagen das weihnachtliche Geheimnis, dass Gott Mensch geworden ist. Eben aufgrund des Bekenntnisses zu diesem Glauben musste Stephanus sterben und wurde zum ersten Märtyrer der Kirche.

Was ist ein Märtyrer? Ein Märtyrer bekennt den Glauben an Jesus Christus und erleidet dafür den Tod. Der Märtyrer ist ein Zeuge, und zwar ein „Blutzeuge“. D.h. er setzt sein eigenes Leben auf das Spiel und ist bereit, es notfalls hinzugeben, falls er von seinen Verfolgern gezwungen würde, den Glauben aufzugeben oder zu verleugnen. Der Märtyrer gehorcht Gott mehr als den Menschen. Er überwindet die Menschenfurcht und sieht es als wichtiger an, Gott zu gefallen als den Menschen.

Hier ist eine Unterscheidung angebracht: Der christliche Märtyrer verübt keine Gewalt. Er vergießt kein fremdes Blut. Er ist eher bereit, sein eigenes Blut zu vergießen, als selber Gewalt anzuwenden. Es ist für ihn besser, Unrecht zu erleiden als selber das Unrecht zu tun. Im Gegensatz dazu haben wir in den letzten Jahren von islamischen Terroristen gehört, die sich selber als „Märtyrer“ ansehen. Hier handelt es sich um einen Missbrauch der Märtyrer-Begriffs: Wer meint, er dürfe im Namen Gottes Unschuldige töten oder terrorisieren, hat eine falsche Auffassung von Gott und auch von der Würde des Menschen. Gewaltaktionen gegen Unschuldige sind kein Weg in ein angebliches Paradies. Die christlichen Märtyrer sind von jenen Terroristen, die sich selber als Märtyrer ansehen, es aber nicht sind, sehr wohl zu unterscheiden!

Eines aber hat Stephanus nicht getan, bei allem Verzicht darauf, Gewalt anzuwenden: Er hat die Wahrheit des Glaubens, von der er überzeugt war, nicht verleugnet. Heute möchte man uns Christen mitunter einreden, wahre Toleranz müsse mit einem Verzicht auf den Wahrheitsanspruch des christlichen Glaubens einhergehen. Denn wer wirklich überzeugt sei von der Wahrheit der christlichen Botschaft, welche die Kirche verkündet, der könne nicht tolerant sein. Auch sei es falsch, andere zu missionieren. Demgegenüber zeigt uns das Beispiel des heiligen Stephanus, dass die Welt das Zeugnis der Wahrheit Christi braucht. Auch dann, wenn man sich buchstäblich die Ohren zuhält und die Boten Christi verfolgt, wie es in unseren Ländern zur Zeit des Nationalsozialismus und des Kommunismus der Fall war – auch da ist es wichtig, dass sich die Glaubenden zu Jesus Christus bekennen, dem Herrn und Erlöser!

Das göttliche Kind, das gekommen ist, um uns Menschen von der Sünde und vom Tod zu befreien, wird uns in Liebe annehmen, wenn wir den Mut haben, in Familie und Beruf den Glauben zu bekennen und für die Gebote Gottes einzutreten. Wer an der Botschaft Christi festhält und sie auch in Schwierigkeiten bezeugt, wird Gottes Lohn empfangen – so wie Stephanus, der gekrönt ist mit dem Siegeskranz der Märtyrer. Amen