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Predigt von Kaplan Mag. Christian Poschenrieder
beim Requiem für Kaplan Mag. Bernhard Groß
am 11. August 1998 in Kühnhausen bei Freising

 

 

Lieber Bernhard!

 Gerne erfülle ich den Wunsch, heute diese Ansprache an Deinem Begräbnistag zu halten. Wir sind in den letzten Jahren "dicke Freunde" geworden. Nicht nur, daß ich Dich begleiten durfte auf Deinem oft so schweren Leidensweg. Auch Du hast mir viel gegeben. Ich durfte Deine Geduld bewundern. Immer wieder hast Du mich mit Aussprüchen überrascht, wo man gemerkt hat, wie tief Du im Glauben verwurzelt warst. Besonders Deine tiefe und schöne Verehrung der Gottesmutter möchte ich erwähnen.

Ich weiß, lieber Bernhard, daß es Dir nicht recht ist, wenn ich Deine guten Seiten jetzt alle aufzähle. Ich glaube, und das hast Du mir öfters gesagt - besonders in Deinen letzten Tagen - es ist Dir lieber, wenn ich den Glauben verkünde: "Christian" hast du gesagt, "ich möchte so gesund sein wie Du, ich möchte mein Priestertum ausüben, ich möchte wirken können wie Du." Ich habe darauf keine Antwort gewußt. Aber ich habe Dich gebeten, mir nach Deinem Tod zu helfen. Bestimmt kannst Du jetzt besser wirken. Wir haben über den Himmel gesprochen. Wie hast Du Dich doch dorthin auch gesehnt. Einmal, als Du Schmerzen hattest, die Du nicht beschreiben konntest, sagtest Du mir: "Das ist ein Sehnsuchtsschmerz."

Du hast mir versprochen, bei der Muttergottes und bei Gott Fürsprache einzulegen. Einen Tag vor Deinem Tod am Herz- Mariä-Samstag haben wir uns noch gegenseitig die Lossprechung gegeben. Du hast die Botschaft von Fatima versucht zu halten. Du wolltest immer, wenn es möglich ist, am ersten Samstag im Monat beichten. Die Muttergottes sagte zu Lucia, der Seherin von Fatima: "Wisse, ich verspreche denen, die an fünf aufeinanderfolgenden ersten Monatssamstagen beichten und kommunizieren - die hl. Kommunion habe ich Dir an diesem Tag auch gebracht -, den Rosenkranz beten, mir während einer Viertelstunde Gesellschaft leisten und dabei die Geheimnisse des Rosenkranzes im Geiste der Sühne und Abbitte betrachten, meinen Beistand in der Sterbestunde mit allen nötigen Gnaden für das ewige Heil." Im Glauben bin ich überzeugt, daß sie ihr Versprechen auch gehalten hat.

Liebe Brüder und Schwestern! Es gibt ein Leben nach dem Tod! Und bereiten wir uns gut darauf vor. Der Lohn im Himmel wird groß sein. Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört, in keines Menschen Herz ist es gedrungen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben (vgl. 1 Kor 2,9) .

"Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen" (Joh 14,2). Das ist unser Ziel, auf das hin wir unterwegs sind. Wir haben hier keine bleibende Stätte. Bernhard, Du warst hier auf Erden auch immer auf der Pilgerschaft. Geboren in Nürnberg, studiert in Eichstätt und Heiligenkreuz, Primiz in Auerbach, Priester in St. Pölten in der Gemeinschaft vom hl. Josef in Kleinhain, und begraben willst Du sein in Oberbayern. Ich weiß, du warst im Innersten ein Bayer. Im Krankenhaus in Wien haben wir uns noch um die bayrische Sprache bemüht, als wir gemerkt haben, daß nach 10 Jahren Österreichaufenthalt einiges verloren gegangen ist. Und vielleicht wolltest Du auch bewußt, daß ich hier Deine Ansprache halte.

Liebe Trauergemeinde! Vorgestern im Sonntagsevangelium hat uns Jesus gewarnt. Wir sollen wachsam sein. Dort hat es geheißen: "Legt euren Gürtel nicht ab, und laßt eure Lampen brennen! Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft. Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt!" (Lk 12,35-37). Seid allzeit bereit!

Immer wieder habe ich mich gefragt: "Bernhard, was willst Du, daß ich heute sage." Ich glaube, Bernhard, das ist es, was ich verkünden soll: Das ewige Leben. Du hast es geschafft. Du bist uns vorausgegangen. Du warst vorbereitet. Und doch konnte keiner genau sagen, wann es so weit ist. Also seid wachsam! "Wenn der Hausvater wüßte, zu welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er sicher wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen. So haltet euch bereit, denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht vermutet" (Lk 12,39 f).

Lieber Bernhard! Auf Deinem Primizbild hast Du Dir den Spruch ausgewählt: "Jesu Mutter sagte zu den Dienern: ‘Was er euch sagt, das tut’" (Joh 2,5). Sie hat damals bei der Hochzeit zu Kana die Diener zu Jesus geführt, und sie tut es auch heute. Wie hat sie Dich doch getröstet in den dunklen Stunden Deiner Krankheit, die du wahrhaftig oft gehabt hast. Das letzte Rettungsseil war sie. Wenn Du, wie es schien, in den schweren Zeiten von Gott verlassen warst, sie war immer bei Dir und hat Dir die Kraft gegeben, diesen Weg weiterzugehen. Sie hat Dich vom Leiden erlöst. Sie wollte Dich nun bei sich haben.

Ich muß einen Namen erwähnen. P. Morscher. Er hat dich geführt, er hat in Dir den Priesterberuf geweckt, und er hat Dich auch im richtigen Augenblick auf das Sterben vorbereitet. Es ist in Deinem Sinn, ihm Dank zu sagen!

Ich möchte nun Dir heute im Namen von vielen Danke sagen: im Namen Deiner Eltern, Deiner zwei Brüder, Deiner Verwandten, Bekannten und Freunde. Danke im Namen der Gemeinschaft vom Hl. Josef, in der Du Dich sehr wohlgefühlt hast. Danke im Namen der Pfarrei Ruprechtshofen, in der Du kurz als Kaplan wirken durftest und die Dich in dieser kurzen Zeit sehr liebgewonnen haben. Danke, daß wir Dich kennenlernen durften, Dein frohes Wesen - den Valentin werden wir nicht vergessen -, Dein Sprachentalent haben wir immer bewundert, humorvoll ausgedrückt: die Muttergottes wird im Himmel noch Chinesisch lernen müssen. Jetzt bist Du bei ihr. Im Geiste bleiben wir verbunden. Ich möchte schließen mit dem Dir bekannten Ruf: "Salve regina, mama misericordiae!" Amen.


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