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Sam 11. April 2026 09:55
10 Jahre Amoris laetitia
10 Jahre Amoris laetitia
Stellungnahme zum 10-Jahres-Jubiläum von "Amoris laetitia" aus der Sicht des Moraltheologen
Mit Datum vom 19.03.2026 veröffentlichte Papst Franziskus vor 10 Jahren das nachsynodale Apostolische Schreiben "Amoris laetitia" über die Liebe in der Familie.
Besondere Schwerpunkte sind:
- Ganz wichtig ist die Begleitung von Ehepaaren und die Ehevorbereitung: durch die Seelsorger, durch die Pfarre und deren Mitarbeiter (vor allem auch Ehrenamtliche), durch regelmäßigen Austausch in Gruppen von Ehepaaren und Familien.
- AL nimmt besonders Rücksicht auf die persönlichen Verfasstheiten der Ehepaare und Familien, d.h. der normative Aspekt wird ergänzt durch die Dimension der persönlichen Verantwortung. Dies beinhaltet eine Stärkung der Kompetenz des Gewissens und der Tugenden.
- Recht verstanden ist AL eine Ermutigung an alle (auch an "Irreguläre" Paare), im Guten voranzuschreiben. Es gilt, der Gnade Gottes keine menschlichen Grenzen zu setzen! Die wird ausgedrückt durch den Dreischritt „Unterscheiden – Begleiten – Integrieren“.
Probleme gibt es dennoch in der Rezeption von AL:
- Das Dokument ist relativ lang und ziemlich verschachtelt in Sprache und Argumenten.
- Dem Papst wurde – zu Unrecht – eine Abkehr von den sittlichen Normen unterstellt und eine Tendenz zum Subjektivismus. So gibt es bis heute eine Polarisierung.
- Franziskus selber hat seine Priorität nicht in der Klarheit der Lehre gesehen (die auch zu Abgrenzungen und Ausgrenzungen führen kann), sondern in der Integration möglichst aller Menschen guten Willens.
Bleibendes Anliegen:
- Wichtig erscheint es, AL im gesamten Kontext der Lehre der Kirche zu sehen (wie dies Franziskus selber intendiert hat). Nur so kann das Dokument mittel- und langfristig weiterwirken.
- So zeigt sich eine Kontinuität und zugleich ein Voranschreiten in der Lehre in „Humanae vitae“ (Paul VI.), „Familiaris consortio“ (Johannes Paul II.), „Deus caritas est“ (Benedikt XVI.) und „Amoris laetitia“ (Franziskus).
Prof. Dr. theol. habil. Josef Spindelböck
Katholische Hochschule ITI, Trumau
