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Sam 20. Juni 2026 09:36

Apokalyptik als Enthüllung der Machttaten Gottes

(kathpress.at) Generationenwechsel an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg: Franca Spies ist neue Universitätsprofessorin für Dogmatik am Fachbereich Systematische Theologie. Sie folgt auf Prof. Alois Halbmayr, der in den Ruhestand tritt. Sichtbar wurde der Generationenwechsel am Donnerstagabend durch eine gemeinsame Veranstaltung, bei der Spies ihre Antritts- und Halbmayr seine Abschiedsvorlesung hielt.
Spies hielt dabei ein Plädoyer für eine Wiederentdeckung der biblischen Apokalyptik. Anders als es die Renaissance des Begriffs im Zuge der öffentlichen Debatten um Peter Thiel oder Alexander Dugin nahelege, bedeute Apokalyptik nicht zuerst die Vision des nahen Weltuntergangs, sondern "Enthüllung". Enthüllt werde nicht der Untergang, sondern das nahe, entscheidende Eingreifen Gottes, mit dem die Wahrheit über Gott und die Welt offenbar werde, so Spies.
Damit erscheine die Geschichte in einem anderen Licht, insofern sie mit Sinn aufgeladen werde, zugleich werde sie "relativiert", insofern sie im Licht einer kommenden Welt an Gewicht verliere; drittens fordere ein Leben aus dieser apokalyptischen Gestimmtheit heraus eine radikale eigene Lebensform. Spies zeigte dies am Beispiel des Reformators Thomas Müntzer, dessen Wirken in den folgenden Jahrhunderten teils scharf verurteilt, teils jedoch auch verehrt wurde.
Davon deutlich zu unterscheiden sei die Form, in der Apokalyptik aktuell in den politischen Theologien eines Peter Thiel oder Alexander Dugin wiederkehre: "Dieselbe Logik, die Unterdrückten Hoffnung geben kann, vermag auch als Legitimation bestehender Macht zu dienen", so Spies unter Verweis auf die Versuche Thiels und Dugins, durch apokalyptische Rhetorik politische Macht und Unrecht zu stabilisieren.
Am Ende des Vortrags stellte Spies das Plädoyer, die Spannung zwischen der Apokalyptik und der berechtigten theologischen Kritik daran nicht einseitig aufzulösen, sondern auszuhalten: Die Apokalyptik mache Gott zur "ewigen Instanz der Unzufriedenheit" (Gottfried Bachl) und erlaube so "kritischen Widerspruch zur jeweiligen Gegenwart". Diese Möglichkeit wurzele jedoch im Glauben an Gott als Schöpfer und Präsenz in der Welt.

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