Predigt:
Ganz im Himmel und doch zugleich bei uns
Christi Himmelfahrt A (14.05.2026)
L1: Apg 1,1-11; L2: Eph 1,17-23; Ev: Mt 28,16-20
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Im Großen Glaubensbekenntnis halten wir fest, dass der eine Gott und Vater, der Allmächtige, „alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.“
Unter der sichtbaren Welt verstehen wir unseren eigenen Lebensbereich, insofern wir einen Leib besitzen und in einer Beziehung stehen zur unbelebten und belebten Natur um uns, vor allem zu den Pflanzen und Tieren. Die unsichtbare Welt umfasst alle geistigen Wesen, die Gott geschaffen hat, also die Engel.
In seiner Auferstehung und Himmelfahrt hat unser Herr Jesus Christus die irdische Welt hinter sich gelassen. Er wurde verklärt, d.h. verwandelt, und stirbt nicht mehr. Sein Auferstehungsleib gehört einer neuen Wirklichkeit an. Dennoch hat er sich den Aposteln und Jüngern zu erkennen gegeben. Zuerst ist er den Frauen erschienen und hat sich ihnen mitgeteilt. Der auferstandene Herr Jesus Christus hat mit seinen Jüngern gegessen und getrunken, um ihnen zu zeigen, dass er nicht einfach nur ein Geist ist, sondern dass die leibliche Vollendung wesentlich dazu gehört.
Himmelfahrt Christi bedeutet also, dass sich der Herr zwar den leiblichen Augen seiner Jünger entzieht, aber dass er dennoch unter ihnen bleibt kraft des Heiligen Geistes, den er vom Vater aus sendet. In der Kraft des Auferstandenen wirken die Apostel und werden zu Zeugen der frohen Botschaft auf der ganzen Erde. Alle Glaubenden gehören zur Gemeinschaft der Kirche, und in ihr ist der Herr unsichtbar gegenwärtig. Er stärkt uns in seinem Wort und in seinem Sakrament.
Einst aber wird er wiederkommen und uns zu sich holen, denn er bereitet den Seinen eine ewige Wohnung. Dann sind wir wahrhaft angekommen und zu Hause, denn hier auf Erden wandeln wir gleichsam in der Fremde. Aber als Getaufte und Gefirmte sind wir jetzt schon mit dem auferstandenen Herrn verbunden, sodass uns der Tod letztlich nichts anhaben kann. Die Verheißung des neuen, unsterblichen Lebens gilt auch für uns. Gott möchte uns einst im Himmelreich an Leib und Seele vollenden.
Wir sind als Christen Menschen, die zugleich ihre Herzen bei Gott im Himmel verankert haben und mit beiden Füßen auf dieser Erde stehen. Der Einsatz für Gott und sein Reich ist uns hier und jetzt aufgetragen – während wir noch auf Erden leben. So können wir auch andere Menschen mit der frohen Botschaft von der Erlösung bekannt machen!
In der Sterbestunde aber, von der wir nicht wissen, wann sie sein wird, wird es auch für uns himmelwärts gehen – so hoffen und beten wir! Gott möge in seiner unermesslichen Barmherzigkeit auch uns eine Wohnung im Himmel bereiten. Das erbitten wir auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria vom Herrn. Amen.
