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Predigt:

Kommt, lasset uns anbeten!

Fronleichnam A (04.06.2026)

L1: Dtn 8,2-3.14b-16a; L2: 1 Kor 10,16-17; Ev: Joh 6,51-58


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Was besagt es, wenn an diesem Hochfest von Fronleichnam das Allerheiligste in einer feierlichen Prozession durch den Ort getragen und anbetend verehrt wird? Ist es für uns Christen ein bloßer Ausdruck des traditionellen Brauchtums oder bedeutet es uns mehr?

Im Letzten und Tiefsten geht es um ein Zeugnis der Lebendigkeit unseres Glaubens. Denn wir bekennen uns zu Jesus Christus, dem Herrn und König. Ja, Anbetung, Lob und Preis gebühren Jesus Christus, dem Herrn, der im Allerheiligsten Sakrament des Altares zugegen ist als wahrer Gott und Mensch, mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut. Gott ist nahe; er geht alle Wege mit uns. Die unscheinbare Brotsgestalt verbirgt ihn.

Vom Sakrament der Eucharistie her verstanden, wird zuerst das heilige Messopfer gefeiert, als dessen feierlicher Abschluss die Einladung zum Kommunionempfang steht. Bleibend aber beten wir Christus den Herrn an, der nach der Wandlung unter der Gestalt des Brotes und Weines gegenwärtig ist. Was bedeuten diese einzelnen Aspekte dieses einen und einzigen Sakraments?

Zuerst geht es um die Opferhingabe Jesu Christi am Kreuz. Diese hat er ein für allemal vollzogen, als er für uns gestorben ist, um uns durch sein Leiden und seinen Tod mit Gott zu versöhnen. So wird uns die Schuld vergeben, denn der Erlöser hat sie für uns gesühnt. Das heißt, er hat gleichsam wiedergutgemacht, was wir Menschen durch unsere Sünde zerstört haben. Diese Sündenschuld hat sich im mitmenschlichen Bereich ausgewirkt, indem die Menschen einander fremd geworden sind und teilweise sogar feindlich gesinnt sind. Sünde bedeutet in ihrem tiefsten Kern auch Abwendung, „Absonderung“ von Gott, der die Quelle des Lebens und der Liebe ist. Sünde ist demnach ein geistlicher Tod („Todsünde“). Von all dem erlöst uns der Herr durch die Hingabe seines Leibes und das Vergießen seines Blutes am Kreuz. In der heiligen Eucharistie, das heißt in der Feier der heiligen Messe, wird dieses Opfer Jesu Christi sakramental für uns vergegenwärtigt. So wird die Erlösungsgnade Christi auch uns sowie unseren Angehörigen und Freunden auf persönliche Weise zugewendet.

Wenn wir dann den Herrn selbst in der heiligen Kommunion empfangen dürfen, so geschieht unsagbar Großes: Gott selbst tritt bei uns ein; er kommt zu uns und nimmt uns auf in seine Gemeinschaft. Diese Vereinigung wird vollzogen, wenn wir im Gnadenstand den heiligen Leib und das Blut Christi empfangen. Er ist kraft der Wandlung gegenwärtig unter der Gestalt des Brotes und Weines. Nicht der Priester bewirkt dieses Wunder der Verwandlung, sondern er handelt dabei in der Person Christi. Gott selbst also bewirkt dieses Wunder! Kommt, lasset uns anbeten.

Von daher ist es folgerichtig, wenn wir dem unter uns gegenwärtigen Herrn Anbetung und Ehre erweisen. Das Allerheiligste ist ja Christus selbst, der Herr. Die Monstranz zeigt unseren Sinnen die heilige Hostie. Aber es ist nicht mehr Brot, sondern Christus der Herr ist mitten unter uns. Er begleitet uns auf unserem Lebensweg und verheißt uns das ewige Leben.

All dies feiern wir an Fronleichnam, und wir tun gut daran, es auch sonst zu bedenken. Denn aus der heiligen Eucharistie beziehen wir unsere geistliche Kraft. Hier empfangen wir das göttliche Leben und werden durch den Heiligen Geist auch selber im Herzen verwandelt.

Möge die Jungfrau und Gottesmutter Maria, die Mutter der Kirche, uns beistehen durch ihre Fürbitte und uns ganz mit ihrem Sohn Jesus Christus in der heiligen Eucharistie verbinden! Amen.