Predigt:
Maria ist als Gottesmutter auch unsere geistliche Muttter
Hochfest der Gottesmutter Maria A (01.01.2026)
L1: Num 6,22-27; L2: Gal 4,4-7; Ev: Lk 2,16-21
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Am Oktavtag von Weihnachten feiern wir zugleich das Hochfest der Gottesmutter Maria und beginnen das neue bürgerliche Jahr. Möge 2026 ein Jahr des Friedens und des Segens Gottes sein!
Gott wollte ganz bei uns ankommen. Er wollte aufgenommen werden als Kind einer menschlichen Familie. Gemäß seinem ewigen Heilsratschluss gehört dazu eine Mutter, eben Maria. Sie sollte in unversehrter Jungfräulichkeit den Heiland empfangen und gebären. Josef von Nazareth unterstützte sie in allem und war zugleich der Gemahl Mariens und der zwar nicht biologische, aber doch rechtliche und menschliche Vater des Jesuskindes.
Was besagt es für Maria, die Gottesmutter zu sein? Vorweg: Durch diesen Titel, der ihre Aufgabe beschreibt und ihr Wesen kennzeichnet, wird sie nicht aus der Sphäre des Menschlichen hinausgehoben. Sie bleibt ein Mensch wie wir und durfte dennoch in freier Bereitschaft ihr Ja dazu geben, dass das ewige Wort Gottes aus ihrem Schoß Mensch wird.
Wenn wir Maria Gottesmutter oder Gottesgebärerin nennen, so bezieht sich das auf den Sohn, den sie geboren hat: Er ist zugleich wahrer Mensch und wahrer Gott. Es sind aber nicht zwei Söhne, sondern es ist ein einziger Sohn, denn in Jesus Christus sind in der einen göttlichen Person zwei Naturen geeint, die göttliche und die menschliche. Auf diese Weise hat Gott mit uns Menschen einen neuen und ewigen Bund geschlossen. Gott hat unser Menschsein angenommen, um uns ganz zu erlösen von aller Sünde und allem Bösen. Maria aber durfte beim Heilswerk Gottes mitwirken, und zwar so, dass sie nicht an die Stelle Christi tritt, sondern ihm als demütige Magd des Herrn den Weg bereitet und als Mutter Christi auch unsere geistliche Mutter ist.
Darüber freuen wir uns, und deshalb danken wir Gott dafür, dass er uns seinen Sohn geschenkt hat, der aus einer Frau geboren worden ist, wie es in der Lesung aus dem Galaterbrief heißt.
Gemäß der katholischen Tradition ist dieser Tag auch der Weltfriedenstag. Der Papst veröffentlicht aus diesem Anlass jeweils eine Botschaft. Ganz konkret erhoffen und erbeten wir den Frieden in jenen Ländern, wo es Krieg, Terror und Unterdrückung gibt. Christus ist unser Friede, indem er in seiner Menschwerdung Himmel und Erde miteinander verbunden hat. Angesichts des Kindes in der Krippe sollten die Waffen der Menschen schweigen und sich die Völker versöhnen. Versöhnung und Friede beginnen im Kleinen: zuerst im eigenen Herzen, und hier kommt es vor allem auf den Frieden mit sich selber und besonders mit Gott an, dann im zwischenmenschlichen und familiären Bereich und schließlich auch in der Gesellschaft insgesamt sowie zwischen den Völkern und Staaten der Welt.
Der wahre Friede verbindet sich mit der Gerechtigkeit, denn dort, wo Unrecht herrscht, kann es nur ein Diktat der Mächtigen geben, doch keinen wahren Frieden. Freilich wird es hier auf dieser Erde wohl kaum je einen dauerhaften Zustand des Friedens für alle geben, und doch ist dieser Friede stets neu anzustreben.
Wir rufen in diesem Sinn mit großem Vertrauen die Fürbitte Marias als Königin des Friedens an. Möge ihr Sohn Jesus, der Friedensfürst, die Herzen der Menschen mit Liebe und Versöhnungsbereitschaft erfüllen! Mögen wir alle von Gott dem Herrn im Neuen Jahr seinen Schutz und Segen empfangen, sodass wir einst am Ende unserer Tage eintreten dürfen ins ewige Vaterhaus. Amen.
