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Predigt:

Maria ist ganz beim Herrn im Himmel

Hochfest der Aufnahme Marias in den Himmel A (15.08.2026)

L1: Offb 11,19a.12,1-6a.10ab; L2: 1 Kor 15,20-27a; Ev: Lk 1,39-56


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wir ehren die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria und freuen uns über ihre Aufnahme in den Himmel! Großes hat Gott der Herr an ihr getan, und so wird Maria seliggepriesen von allen Geschlechtern (vgl. Lk 1,48–49). Auch wir stimmen ein in dieses Loblied der Kirche zu allen Zeiten.

Was zeichnet Maria aus, was erhebt sie über alle Frauen auf Erden? Maria ist voll der Gnade (vgl. Lk 1,28). Gott hat sie reich beschenkt mit allen Gaben. Dies alles ist geschehen, weil sie von Gott eine einzigartige Berufung empfangen hat: Sie sollte die Mutter des Sohnes Gottes werden.

In voller Freiheit hat sie ihr „Ja“ dazu gegeben. Sie hat damit einen Akt des Glaubens geschenkt, denn Maria vertraute ganz auf Gott, der Wunderbares wirkt im Leben der Menschen auf Erden. So ist Gott Mensch geworden, empfangen vom Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria.

Das Leben Marias auf Erden war nicht leicht. Sie hatte viele Prüfungen zu bestehen. Sogar unter dem Kreuz Jesu ist sie gestanden und hat in ihrem Herzen all das mitgelitten, was der Sohn für uns Menschen erduldet hat. So hat sie mitgewirkt am Geheimnis der Erlösung, und doch bleibt es wahr, dass Jesus Christus der einzige Erlöser ist. Er ist der wahre Sohn Gottes und er ist zugleich wahrer Mensch.

Heute feiern wir jenes Geheimnis der Vollendung, dass Maria am Ende ihres Lebens mit Leib und Seele von Gott in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen worden ist. Dies ist eine Vorwegnahme des endgültigen Loses aller von Christus Erlösten. Denn auch uns ist es verheißen, dass wir einst mit Leib und Seele im Himmel vollendet werden.

Für alle übrigen Menschen geschieht dies am Jüngsten Tag – also dann, wenn Christus wiederkommt in Herrlichkeit, um zu richten die Lebenden und die Toten. Dann ist die allgemeine Auferstehung: Die Guten werden zum Leben auferstehen, die Bösen zum Gericht. All das dürfen auch wir erwarten: dass wir einst dem verherrlichten Leib Christi angeglichen werden. Denn Jesus ist nach seinem Tod am Kreuz drei Tage lang im Grab gelegen und dann auferstanden von den Toten. Als Verherrlichter und Auferstandener lebt er für immer. Er stirbt nicht mehr, kein Leid kann ihm mehr anhaften.

Aus Gnade hat Gott also seine Mutter Maria teilhaben lassen an dieser großen Verheißung, und zwar als Erste. Dies geschah, weil sie Jesus auf Erden so nahe war, weil sie verbunden war mit seinem Leiden und Sterben. Dies ist auch geschehen als Zeichen der Hoffnung für uns alle, denn die Kirche und die ganze Schöpfung warten sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Herrlichkeit der Kinder Gottes (vgl. Röm 8,19).

Wir sehen also in Maria, gleichsam wie in einem Spiegel, all das, was uns selbst verheißen ist. Sie darf bereits ganz bei Gott sein. Sie darf ihn schauen auf geistige Weise, sie ist aber auch in leiblicher Weise verherrlicht. Gottes Möglichkeiten sind unbegrenzt. Der Himmel ist eine Wirklichkeit, auf die wir alle zugehen.

Gott beruft uns zum ewigen Leben. Auch für uns ist der Glaube wesentlich, denn ohne Glauben können wir Gott nicht wohlgefällig sein. Aus dem Glauben erwächst die Hoffnung, und damit verbunden ist die Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen. Wenn wir auf diese Weise hier auf Erden wirken, dann sind wir voll Zuversicht, dass wir auch einmal im Himmelreich vollendet werden.

Die Gottesmutter Maria steht uns bei mit ihrer Fürbitte. Ihrer mütterlichen Sorge dürfen auch wir uns anvertrauen. Wir empfehlen ihr alle Menschen, mit denen wir verbunden sind. Sie möge uns alle einst hinführen zur Herrlichkeit des Sohnes Gottes im Himmelreich.

Amen.