Predigt:
Komm, o Geist der Heiligkeit!
Pfingstsonntag A (24.05.2026)
L1: Apg 2,1-11; L2: 1 Kor 12,3b-7.12-13; Ev: Joh 20,19-23
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Pfingsten ist das Hochfest des Heiligen Geistes. Aber wer ist der Heilige Geist? Jedes Mal, wenn wir das Kreuzzeichen machen, nennen wir ihn. Die liturgischen Gebete erwähnen ihn oft. Dennoch ist er für viele wie „ein unbekannter Gott“.
Das christliche Glaubensbekenntnis spricht vom Heiligen Geist als der dritten göttlichen Person. Wir glauben an den einen Gott in drei Personen. Gott ist in sich selbst reines Leben und Liebe in allerhöchster Weise. Wenn wir das Wesen des Heiligen Geistes verstehen wollen, müssen wir auf diese Liebe blicken: Er ist die Liebe in Person zwischen dem Vater und dem Sohn.
Gott offenbart sich in der Heilsgeschichte und schließt einen Bund mit den Menschen. Gott, der Vater, hat seinen Sohn in die Welt gesandt. Das ist das Geheimnis der Menschwerdung. Gott, der Sohn – Jesus Christus, an den wir glauben und den wir anbeten –, hat uns die Wege des Heiles gelehrt. Er hat für uns gelitten, ist am Kreuz gestorben und auferstanden. Doch mit der Himmelfahrt ist die Geschichte nicht zu Ende. Der Vater und der Sohn haben nach der Himmelfahrt Jesu den verheißenen Geist in die Welt gesandt.
Erinnern wir uns an den Anfang der Kirche, wie er uns in der Apostelgeschichte überliefert ist: Die Apostel, die Jünger und die gläubigen Frauen waren zusammen mit Maria im Abendmahlssaal versammelt. Sie warteten und beteten – und empfingen den Geist: „Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt ...“ (Apostelgeschichte 2,3–4)
Dieser Heilige Geist ist der Kirche insgesamt geschenkt – bis heute, auch uns allen. Er ist der Lebensspender. Er ist der Beistand, den Jesus uns versprochen hat. Er ist der Tröster in dunklen Stunden.
Der Heilige Geist ist auch ganz persönlich in unserem Herzen anwesend. Der Apostel Paulus erinnert uns im Römerbrief daran, was dies für unser Leben bedeutet: „Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ (Römer 5,5) In unseren Herzen entfacht er die Liebe zu Gott und zum Nächsten.
Wir sollen geisterfüllte Menschen sein! Wir sollen aus diesem Heiligen Geist heraus leben und uns von ihm leiten lassen. Wie sieht das konkret aus?
Er spendet uns Leben und treibt uns an: Er lässt uns nicht träge werden, sondern bewegt uns zum Guten. Er begeistert uns und erfüllt uns mit Freude. Er lässt uns die Wahrheit erkennen und schenkt uns die Gabe der Unterscheidung. Er schenkt uns die Liebe zu unseren Mitmenschen: Er bricht Mauern des Hasses und des Egoismus nieder.
Wir beten den Heiligen Geist als dritte göttliche Person an. Die Kirche kennt wunderbare Gebete zu ihm – wie den berühmten Pfingsthymnus Veni Creator Spiritus („Komm, Schöpfer Geist“).
Das Pfingstfest ist unsere Chance, all das neu zu entdecken. Werden wir uns wieder neu und zutiefst dankbar bewusst, welch einzigartiges Geschenk Gott uns im Heiligen Geist gemacht hat.
Diesen Weg gehen wir nicht allein. So verbinden wir uns – genau wie die Jünger damals im Abendmahlssaal – mit der Fürbitte der Gottesmutter Maria. Sie, die Braut des Heiligen Geistes, ruft auch heute zu Gott, dass uns dieser Geist zuteilwerde – in reichem Maße, in seiner ganzen Fülle.
Wenn wir diesen Geist in unseren Alltag einlassen und ihn empfangen, dann erfüllt Freude unser Herz. Denn der Heilige Geist schenkt echten Frieden. Er verleiht uns unerschütterliche Hoffnung. Und er gibt uns die feste Zuversicht in der Erwartung der ewigen und seligen Vollendung im Himmelreich. Amen.
