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Predigt:

Pfingstsonntag B (11.06.2000)

L1: Apg 2,1-11; L2: 1 Kor 12,3b-7.12-13 oder Gal 5,16-25; Ev: Joh 20,19-23 oder 15,26-27; 16,12-15


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Mit dem heutigen Pfingstfest endet der Osterfestkreis, da „Pfingsten“ der 50. Tag nach Ostern ist. An diesem Tag hat Jesus Christus, der Herr, der auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist, den Aposteln, seinen Jüngern und allen, die an ihn glauben, vom Vater im Himmel den verheißenen Heiligen Geist gesandt. In diesem Heiligen Geist wurden die ersten Christen mit Jubel und Freude erfüllt. Sie gingen hinaus alle Welt und verkündeten das Evangelium Christi als Frohbotschaft für alle, die umkehren, glauben und sich taufen lassen.

Liebe Gläubige, wer ist der Heilige Geist? Wir sind es gewohnt, beim Gebet und beim Gottesdienst das Kreuzzeichen „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ zu machen. Auch richtet die Kirche in ihrer Liturgie die Gebete meist an Gott den Vater durch seinen Sohn Jesus Christus, der in der Einheit des Heiligen Geistes lebt und herrscht. Das ist uns vertraut, und wir beten auch im Glaubensbekenntnis: „Ich glaube an den Heiligen Geist.“ Aber was bedeutet das? Wer ist der Heilige Geist wirklich?

Er ist jener Beistand, jener Tröster, jener Fürsprecher (Paraklet), den Jesus den Aposteln vor seinem Fortgang zum himmlischen Vater verheißen hat. Dieser Geist, so sagte er, werde immer bei ihnen bleiben und sie in alle Wahrheit einführen. Er werde sie an alles erinnern, was er gesagt und getan habe. Er werde die Jünger Christi stärken zum Glaubenszeugnis für ihn.

Genau das ist zu Pfingsten und seither oft geschehen: Die Apostel zusammen mit Maria, der Mutter Jesu, erlebten, wie der Heilige Geist in Gestalt von feurigen Zungen auf sie herabkam. Dieser Heilige Geist nahm von ihnen alle Traurigkeit, die sie erfüllt hatte, weil sie Jesus nicht mehr sehen konnten, der in den Himmel aufgefahren war. Er nahm von ihnen alle Angst und Furcht, die sie vor den Menschen noch hatten. In diesem Heiligen Geist traten die Apostel voller Freude und mit fester Überzeugung hinaus vor das Haus zur wartenden Menge, zu den Menschen aus allen Völkern, die herbeigekommen waren, weil sie spürten, daß sich hier etwas Entscheidendes und Großes ereignete. Mutig und zugleich voller Liebe und Geduld begann Petrus ihnen darzulegen, wie sie schuldig geworden waren am Tod des von Gott gesandten Messias am Kreuz. Jetzt aber sollten sie umkehren von ihren Sünden und daran glauben, daß er auch ihr Erlöser sei. Zum Zeichen dafür sollten sie die Taufe empfangen. So würden sie in die Gemeinschaft mit Christus, dem Auferstandenen, eintreten.

Als die Zuhörenden erlebten, wie jeder von ihnen die Apostel in ihrer eigenen Sprache reden hörte (sie waren ja von weither nach Jerusalem gekommen), da erkannten sie das machtvolle Wirken Gottes. Sie glaubten und ließen sich taufen. Im Heiligen Geist erlebte die Kirche ihre Geburtsstunde. Denn die Kirche ist die Gemeinschaft aller, die an Jesus Christus glauben und die der eine Geist der Liebe und des Friedens beseelt.

Vielleicht denken oder sagen manche: Ja, das war damals! Aber heute ist alles ganz anders. Ist es wirklich so? Das würde aber dann bedeuten, daß der Heilige Geist die Kirche verlassen hätte und nicht mehr unter uns wäre. Dies ist offenkundig falsch, wenn wir nur das Wort Christi ernst nehmen. Also muß es auch für uns, in unserem Leben, Möglichkeiten und Gelegenheiten geben, das Wirken des Heiligen Geistes zu erfahren, ihm, dem „unbekannten Gott“ ganz persönlich zu begegnen!

Wie könnten diese Wege aussehen? Vor allem sollen wir um diesen Heiligen Geist beten. Das vertrauensvolle Gebet an Gott um die Gabe des Heiligen Geistes soll geschehen in Einheit mit der Jungfrau und Gottesmutter Maria, die auch damals im Abendmahlssaal zugegen war, als die Apostel den Heiligen Geist erwarteten. Wo Maria keinen Platz hat, dort wird auch der Heilige Geist nicht wirklich anwesend sein können!

Dann wird es auch wichtig sein, daß wir den Heiligen Geist nicht nur im Außerordentlichen und Wunderbaren suchen. Freilich gibt es diese Zeichen und Wunder, selbst in unseren Tagen. Aber darin besteht nicht das Wesentliche im Wirken des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist wirkt überall dort, wo das Wort Gottes verkündet und geglaubt wird. Er wirkt dort, wo die Sakramente Christi gespendet und mit Liebe und Ehrfurcht empfangen werden. Der Heilige Geist lenkt die Kirche, denn er ist ihre Seele. Genau hier ist ja erkennbar, daß die Kirche mehr ist als eine bloße Versammlung von Menschen; sie ist Gottes Werk. Gottes Geist ist in seiner Kirche anwesend und leitet sie durch die von Christus bestellten Hirten, nämlich den Papst, die Bischöfe, Priester, Diakone, sowie durch ihre Mitarbeiter.

Vor allem aber gilt es neu zu entdecken, daß der Heilige Geist seit der Taufe in unserem Herzen anwesend ist. Wir sind ja durch die heiligmachende Gnade ein „Tempel des Heiligen Geistes“ geworden. Er heiligt uns an Leib und Seele. Und dieser himmlische Gast wird uns nur dann verlassen, wenn wir ihn selber durch eine Todsünde aus unserem Herzen vertreiben! Mit dem Heiligen Geist ist auch Gott Vater sowie sein Sohn Jesus Christus bei uns anwesend. Denn der dreifaltige Gott ist eins, und er wirkt in seiner Liebe machtvoll in allen, die glauben!

Haben wir ihn nicht schon oft erfahren, vielleicht ohne daß uns das so richtig bewußt war? Immer dann, wenn wir Freude an Gott und an der Wahrheit haben, wenn wir angespornt werden zum Tun des Guten, wenn wir in Liebe unser Herz öffnen für die Mitmenschen, wenn wir uns selbst überwinden, um für Gott und die anderen dazusein, dort wo wir Liebe und Frieden erfahren, die mehr sind als bloßes Gefühl, wo wir uns in Anfechtung und Prüfung, ja selbst im Leiden bewähren dürfen – überall dort wirkt Gottes Geist. Der Heilige Geist ist uns allen geschenkt; er ist kein Alleinbesitz bestimmter Christen oder exklusiver Gruppen. Das gilt es neu zu entdecken. Dann sind wir wahrhaft katholisch.

Glauben wir an den Heiligen Geist und lassen wir unser Leben von ihm lenken und leiten! Dann werden wir immer wieder das Rechte erkennen und es mit seiner Kraft auch tun. Er hält die Kirche lebendig und wird einst alles im Reiche Gottes vollenden. Amen