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Predigt:

Umkehr ist möglich - für jeden!

10. Sonntag im Jahreskreis A (07.06.2026)

L1: Hos 6,3-6; L2: Röm 4,18-25; Ev: Mt 9,9-13


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

In seinem Leben und Handeln offenbart uns Jesus Christus die Liebe seines himmlischen Vaters. So zeigt uns der Sohn Gottes durch sein Menschsein, dass Gott unser Heil will. Alle werden angesprochen und eingeladen, wo immer sie auch stehen. Dies gilt sogar für öffentliche Sünder.

Mit Recht empfanden dies die Pharisäer als Provokation und sahen darin ein Ärgernis – einen Skandal! –, dass Jesus Männer wie den Zöllner Matthäus in seine Nachfolge beruft. Matthäus aber steht vom Zoll auf und folgt ihm. Er vertraut auf Jesus und sagt Ja zu Gottes Ruf, obwohl er als Sünder wahrgenommen wird.

Zöllner waren nämlich im römischen Reich Steuerpächter. Das heißt, sie mussten für Rom die festgelegten Steuern abliefern, konnten aber zugleich selbst kräftig dabei verdienen. Dass es dabei auch überhöhte Forderungen durch die Zöllner gab und viele Betroffene dies als Wucher empfanden, ist nachvollziehbar. Da die Römer Palästina besetzt hatten, galten alle, die mithalfen, diese Herrschaft zu stabilisieren, als Verräter. Wir verstehen daher, warum der Zöllner Matthäus von frommen Juden als öffentlicher Sünder angesehen wurde.

Nun aber ereignet sich das Unvorstellbare: Jesus gibt ausgerechnet diesem Menschen eine Chance. Er wendet sich ihm voll Liebe zu und stiftet Gemeinschaft mit ihm. Beim anschließenden Mahl im Haus des Zöllners Matthäus kommen viele Zöllner und Sünder und essen zusammen mit Jesus und den Jüngern. Wie ist das möglich? Wie kann Jesus es zulassen, dass er in so schlechte Gesellschaft gerät? So oder ähnlich werden die Empörten gedacht und gesprochen haben.

Die Antwort Jesu auf den Vorwurf der Pharisäer ist einfach und klar: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.“ Er selber ist gekommen, Sünder zu rufen, nicht Gerechte. Und Gott selbst erwartet von uns Menschen Barmherzigkeit, nicht Opfer.

Der menschgewordene Sohn Gottes Jesus Christus sieht in einem jeden Menschen das Bild Gottes, auch wenn es vielleicht durch die Sünde verunstaltet ist. Jeder Frau und jedem Mann ist von Gott her eine unverlierbare Würde geschenkt. Die frohe Botschaft Jesu lautet: Umkehr ist möglich – für einen jeden! Niemand ist ausgeschlossen. Der Weg zum Leben mit Gott steht offen – nicht aufgrund eigener Leistungen, sondern kraft der unverdienbaren Gnade Gottes. Jeder, der an den Sohn Gottes glaubt und ihm nachfolgen will, darf zu Jesus kommen. Er weist niemanden ab.

Wie geht es uns damit? Wie würden wir reagieren? Wir alle haben unsere vorgefassten Meinungen und Urteile, und dies ist auch verständlich. Doch sobald wir andere Menschen verurteilen und ihnen damit die Chance auf ein besseres Leben nehmen, machen wir uns mitschuldig. Mitunter sind wir hier gegenüber anderen Menschen unerbittlich: „Du bist nichts wert, du bist schlecht, du kannst und wirst dich nicht ändern. Ich will mit dir nichts zu tun haben.“ Wir selber aber sind – angeblich – immer die Guten!

Jesus jedoch legt den Menschen, der ein Sünder ist, nicht fest auf seinen momentanen Status als Sünder. Er glaubt an das Gute im Menschen und schenkt durch seine Zuwendung die Gnade der Umkehr. Die Botschaft lautet jetzt: „Durch Gottes Gnade bist du besser, als du selber glaubst. Ein neuer Anfang ist möglich. Du darfst im Guten neu beginnen.“

Und wenn sich dann diese Umkehr vollzieht und die Liebe zu Gott und zu den Menschen neu einkehrt in das Herz eines von den anderen Abgeschriebenen, dann geschieht gleichsam eine Neuschöpfung. Der Mensch wendet sich ab von allem Bösen. Er wird innerlich aufgerichtet und darf nun den Weg des Heiles beschreiten.

Bei Matthäus ging dies so weit, dass er zum Kreis der zwölf Apostel gerufen wurde. Er gilt auch als der Verfasser des gleichnamigen Evangeliums und hat auf diese Weise gleichsam einen Eigenbericht über seine wunderbare Bekehrung hinterlassen. Das Schicksal dieses Mannes macht uns Mut und stärkt unsere Hoffnung auf Gottes Vergebung. Auch wir selber dürfen Boten der Freude sein, die uns Menschen durch die Liebe des Heiligsten Herzens Jesu zuteilwird. Gott schenkt ewiges Leben; er erweckt auch geistlich Tote neu zum Leben. Ihn preisen wir und ihn bezeugen wir – jetzt und in Ewigkeit. Amen.