www. St Josef.at
Die katholische Informationsseite der Gemeinschaft v. hl. Josef
Navigation
Word-Dokument

Predigt:

Das Reich Gottes ist nahe

11. Sonntag im Jahreskreis A (14.06.2026)

L1: Ex 19,2-6a; L2: Röm 5,6-11; Ev: Mt 9,36-10,8


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Das Himmelreich zu verkünden, seine Nähe anzuzeigen und all dies in Wort und Tat in Einheit mit Jesus Christus dem Herrn – das ist die eigentliche Aufgabe der Apostel, die Jesus aussendet zu den Menschen!

Diese erste Aussendung geschieht noch vor dem Leiden und Sterben Jesu am Kreuz und damit auch vor der Auferstehung Jesu. Er sendet seine Jünger „zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“, d.h. zu den Juden. Die „Heiden“, also die anderen Völker sind hier noch ausgeschlossen.

Auf dem Hintergrund der prophetischen Verheißungen im Alten Testament war dies folgerichtig: „Das Heil kommt von den Juden“, wie Jesus selbst an einer anderen Stelle sagt (vgl. Joh 4,22), und die Erfüllung der prophetischen Ankündigung vollzieht sich zuerst am auserwählten Volk. Dies ist freilich nicht als Einschränkung zu sehen. Denn biblisch gesehen geschieht die Erwählung einiger oder weniger immer um der Vielen willen. Gott möchte alle Menschen retten und zum Heil führen, und er tut dies, indem er zuerst einige erwählt und diese dann zu den anderen sendet!

Im selben Matthäus-Evangelium findet sich daher noch eine weitere, universale Sendung: Nach seiner Auferstehung sendet der Herr seine Apostel und Jünger zu allen Völkern und Nationen. Sie sollen die frohe Botschaft hören und zum Glauben finden, was in der Spendung der Taufe besiegelt wird. Das Reich Gottes, also das Himmelreich, bricht sich die Bahn. Überall dort, wo Menschen im Glauben zu Gott finden und ihr Herz öffnen, geschieht Großes. Kranke werden gesund, Besessene werden geheilt, Sünder bekehren sich und viele andere Wunder und Zeichen offenbaren die Nähe des Himmelreiches.

Vor allem aber können Menschen aller Völker und Nationen dem lebendigen Herrn Jesus Christus begegnen. Denn auch wenn dies im Glauben geschieht, so ist es doch eine wirkliche Begegnung mit dem auferstandenen Herrn, der durch den Heiligen Geist in der Kirche gegenwärtig ist, vor allem im Wort und in den Sakramenten.

Eine konkrete Frage richtet sich an uns: Wo finden wir uns hier? Haben wir die Botschaft vom Himmelreich schon in unserem Herzen aufgenommen durch den Glauben? Bezeugen wir seine Nähe in Werken der Liebe? Oder stehen wir abseits oder verbauen wir gar Gottes Gnade den Weg zu den Menschen?

Es gilt, die heilsgeschichtlich einmalige Chance in unserem Leben zu entdecken: Ja, auch wir sind gerufen und sind – so unglaublich dies auch ist – gleichsam unersetzlich für Gott, da er gerade uns ausgesucht hat für bestimmte Dinge. Die Welt wäre ärmer, wenn Du oder ich, wenn dieser oder jener nicht da wäre. Ein jeder Mensch ist einzigartig und kündet von Gottes bedingungsloser Liebe. Gott hat uns angenommen in seinem Sohn, als wir noch Sünder und insofern „Feinde Gottes“ waren, wie es in der Lesung heißt (vgl. Röm 5,6–11). Nun aber sind wir erlöst und zur Fülle des Lebens berufen!

Danken wir also Gott dem Herrn und seien wir lebendige Zeugen für die Nähe des Himmelreiches. Amen.