Predigt: 14. Sonntag im Jahreskreis A 2017 (Dr. Josef Spindelböck)
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Predigt:

Mein Joch ist sanft; meine Last ist leicht!

14. Sonntag im Jahreskreis A (09.07.2017)

L1: Sach 9,9-10; L2: Röm 8,9.11-13; Ev: Mt 11,25-30


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Im Evangelium des letzten Sonntags war vom Tragen des täglichen Kreuzes die Rede; nur dann wenn wir das uns zugedachte Kreuz annehmen und Jesus nachfolgen, können wir seine Jünger sein.

Jesus sagt uns im Evangelium dieses Sonntags, dass sein Joch sanft und seine Last leicht ist (vgl. Mt 11,30). Gott will uns also das Leben nicht schwerer machen, als es ist; er legt uns nicht eine neue, zusätzliche Last auf – im Gegenteil!

Wir dürfen mit allen Mühen und Lasten des Lebens zu Jesus Christus kommen, dem Erlöser und Heiland. Einladend klingen die Worte Jesu: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.“ (Mt 11,28)

Die Kirche hat die Aufgabe, die Heilssendung Jesu Christi fortzusetzen. Daher sind die geweihten Amtsträger, aber auch die gläubigen Laien aufgerufen, von der barmherzigen Erlöserliebe Christi Zeugnis zu geben. Wie viele Menschen gibt es, die im Leben buchstäblich unter die Räder kommen! Wie viele Notleidende und an den Rand Gedrängte, wie viele Einsame und Verzweifelte warten auf jemanden, der sie wahrnimmt, der ihnen einen Blick der Liebe schenkt und ihrer materiellen oder geistigen Not abhilft. Die größte Not eines Menschen aber ist es, wenn er sich im Leben aus eigener Schuld verirrt hat und nun keinen Ausweg mehr weiß. Wer hilft diesen verlorenen Schafen umzukehren? Wer nimmt sie an, ohne ihnen Vorwürfe zu machen; wer führt sie zu den Quellen des Lebens, wo allein das Heil zu finden ist? Wer macht sie mit Gott vertraut und mit seinem Sohn, dem Erlöser Jesus Christus?

Die Antwort muss lauten: Du und ich, wir alle sind von Jesus ausgesandt, den Menschen nahe zu sein in ihrer Not, in all dem, was sie bedrückt, was sie von sich selbst und voneinander entfremdet, ja vielleicht auch von Gott trennt. Dazu aber ist es nötig, dass wir selber zu allererst vom Geist Gottes Ergriffene und Bewegte sind! Wir können nur das weitergeben, was wir selber besitzen, was wir selber im Herzen tragen. Zwar wirken die von Jesus Christus eingesetzten Sakramente auch dann das Heil, wenn der Spender dieser Sakramente selber nicht aus dem Glauben lebt. Der eigentliche Sinn der Verkündigung und der Sakramentenspendung ist aber nur dann erreicht und verwirklicht, wenn sich die Jünger Christi selber von der Botschaft des Herrn in Anspruch genommen wissen. Nur dann vermögen sie auch die Menschen zu ihm zu führen!

Nicht mit einem Anspruch der Macht tritt Jesus auf, sondern ganz demütig; die erste Lesung aus dem Buch Sacharja spricht vom Friedenskönig, der auf dem Fohlen einer Eselin daherreitet. In seiner Menschwerdung steigt Gott selbst zu uns herab, sodass wir uns vor ihm nicht mehr fürchten müssen. Dieser Erlöser kennt unser Herz, er weiß um unsere Bedrängnisse, um unsere Lasten und Plagen. „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.“ (Mt 11,29)

Bedenken wir es wohl: Jesus nimmt nichts von seiner Botschaft zurück, der Gesandte des himmlischen Vaters zu sein. Gott der Vater hat ihn im Heiligen Geist in die Welt gesandt, um das Geheimnis der Liebe Gottes zu verkünden. Zugleich aber zeigt uns Jesus, wie wir unser tägliches Kreuz vereint mit ihm tragen können. Wer dieses Kreuz als von Gott zugedachte Aufgabe annimmt, den hebt es empor in der Kraft des Kreuzes Christi. Wer in der Hingabe der Liebe die leichte Last Jesu trägt, erfährt die verwandelnde Kraft der Liebe Christi. Das Leben wird neu, weil wir in all dem einen Sinn sehen können, was uns Gott persönlich zugedacht hat.

Wenn aber jemand ein allzu großes Leid erfährt und ein Kreuz zu tragen hat, das schier über die eigenen Kräfte geht – gilt dann das Wort Jesu von der „leichten Last“ und von der sanften Bürde noch? Hier sind dann wohl zuerst andere Menschen aufgerufen, die im Namen Jesu Beistand und Trost geben können. So wird die schwere Last des Leides und der Prüfung zumindest etwas erleichtert. Wenn vom Leiden Getroffene aber mit Gottes Gnade zu einem tiefen Glauben und einer Annahme ihres Leides in Liebe finden, dann werden auch schwerste Prüfungen plötzlich „erträglich“; jedenfalls können sie in Einheit mit dem Kreuz Christi fruchtbar werden für das Heil der Seelen.

Wir alle brauchen ein „inneres Auftanken“: nicht nur der Körper bedarf der Erholung, auch unsere Seele ist auf die Quelle des Lebens angewiesen. Bei Christus dem Herrn sind wir gut aufgehoben. In der Gemeinschaft mit dem Erlöser finden wir das Heil. Im Heiligen Geist werden wir über das bloß Natürliche und Irdische hinausgehoben, sodass wir in einer neuen Freiheit handeln können.

Der Jünger Jesu vermag andere aufzurichten und zu trösten, weil auch er selber von Gott immer wieder aufgerichtet und getröstet wird. Das Joch des Herrn ist sanft; seine Last ist leicht. Wenn wir uns ihm anvertrauen, dann werden wir durch sein Kreuz und seine Auferstehung Ruhe finden für unsere Seele. Amen.