www. St Josef.at
Die katholische Informationsseite der Gemeinschaft v. hl. Josef
Navigation
Word-Dokument

Predigt:

Der Zugang zum Himmelreich

14. Sonntag im Jahreskreis A (05.07.2026)

L1: Sach 9,9-10; L2: Röm 8,9.11-13; Ev: Mt 11,25-30


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wer hat einen leichteren Zugang zum Reich Gottes? Sind es jene, die viel studiert haben und die viel wissen, oder gibt es ein anderes Unterscheidungsmerkmal, welches Jesus selbst aufzeigt?

Im heutigen Evangelium nach Matthäus macht Jesus kund, dass es vor allem eine Herzenseinstellung ist, ob ein Mensch für Gottes rettende Botschaft offen ist oder nicht. Es gibt Gescheite, ja Übergescheite, die von vornherein meinen, jedes Problem lösen zu können und die auch dem lieben Gott am liebsten sagen möchten, wie er denn die Welt regieren und leiten solle. Wir könnten eine solche Haltung auf die „Weisen und Klugen“ beziehen, von denen Jesus im Evangelium spricht. Ausdrücklich sagt Jesus, dass der himmlische Vater so manches vor ihnen verborgen hat. Das heißt, es ist ihnen nicht zugänglich. Sie selber meinen zwar, alles erforschen und beherrschen zu können, und doch gibt es Geheimnisse, die nur der demütige und glaubende Mensch erkennen kann.

Ausdrücklich spricht Jesus hier von den „Unmündigen“, denen Gott selbst die Geheimnisse des Himmelreiches erschließt. Unmündig aber sind wiederum die Kinder, und da erinnern wir uns an die Worte Jesu, wo er Kinder als Vorbild für die gläubige, vertrauensvolle Aufnahme des Himmelreiches ansieht und ihre Haltung auch den Erwachsenen empfiehlt. Freilich können wir als Erwachsene nicht einfach in die Kindheit zurückgehen. Dennoch bewahren Kinder gewisse Werte in ihrem Herzen, die uns vielleicht als Erwachsene verloren zu gehen drohen oder die in den Hintergrund treten. Kinder sind von Natur aus dankbar; sie haben die Fähigkeit des Staunens noch nicht verlernt. Sie sind offen für das Gute und Schöne – freilich nicht immer. Und Jesus möchte, dass wir in einer Haltung des einfachen Glaubens auf Gott seinen Vater vertrauen und so auch zu einer tieferen Erkenntnis Gottes kommen. Der himmlische Vater aber lässt uns im Heiligen Geist auch seinen Sohn erkennen, und gerade darauf kommt es letztlich an.

Jesus lädt uns gleichsam ein, in seine „Schule“ zu gehen, wenn er sagt: „Lernt von mir!“ Er ist gütig und von Herzen demütig. Wenn wir uns diese innere Haltung zu eigen machen, werden wir nach den Worten Jesu Ruhe finden für unsere Seelen. Auch das Schwere und Leidvolle im Leben können wir dann tragen und ertragen; es wird leichter, weil wir wissen, dass es Jesus selbst mit uns trägt. So wird sein Joch als sanft und seine Last als leicht erfahren.

Dies alles hört sich gut an, und mancher wird vielleicht sagen: Das ist mir zu einfach. Nein, einfach ist es nicht! Es braucht Geduld und Beharrlichkeit. Aber je mehr wir den Lebensweg mit Jesus Christus gehen, desto kraftvoller schreiten wir aus und wachsen in der Gnade Gottes. Da wird uns dann doch auch immer wieder jene innere, geistliche Erfahrung geschenkt, von der das Evangelium spricht. Auf diese Weise wird uns offenbar: Das Himmelreich ist nahe. Und die Freude darüber dürfen und wollen wir auch mit anderen teilen! Amen.