www. St Josef.at
Die katholische Informationsseite der Gemeinschaft v. hl. Josef
Navigation
Word-Dokument

Predigt:

Weizen und Unkraut

16. Sonntag im Jahreskreis A (19.07.2026)

L1: Weish 12,13.16-19; L2: Röm 8,26-27; Ev: Mt 13,24-43


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Auch an diesem Sonntag werden uns aus dem Matthäus-Evangelium verschiedene Gleichnisse Jesu vorgestellt. Sie haben fast alle mit der Natur und dem Wachstum zu tun, denn es geht um die Ankunft des Reiches Gottes.

Wiederum ist es ein Sämann, der den guten Samen auf seinem Acker aussät. Über Nacht jedoch kommt sein Feind und sät Unkraut unter den guten Samen. Als nun beides heranwächst und sichtbar wird, wollen die Knechte des Gutsherrn das Unkraut ausreißen. Dieser aber mahnt zur Vorsicht und verweist auf die Ernte. Dort wird gleichsam die Spreu vom Weizen getrennt werden. Wollte man das Unkraut vorher ausreißen, dann wäre auch der Weizen gefährdet.

Wenn wir nach der Auslegung fragen, dann sind wir zuerst auf die Worte Jesu selber verwiesen. Der Menschensohn – das ist er selber – sät den guten Samen; dieser sind die Kinder des Himmelreiches. Er sagt, der Feind sei der Teufel. Das Unkraut stehe für die Kinder des Bösen. Die Ernte aber bedeute das Gericht am Ende der Zeiten. Der Menschensohn werde dann seine Engel aussenden und Gute und Böse voneinander scheiden. Die einen werden im Reich des himmlischen Vaters belohnt, die anderen bestraft in nie endender Schmach und Qual.

Es sind starke Worte Jesu, die auch uns zu denken geben. Was jedoch wichtig ist: Hier in dieser Welt wächst zwar das Unkraut neben dem Weizen, doch ist es nicht immer so klar, was auf welcher Seite steht. Denn ein gewisses Unkraut sieht dem Weizen zum Verwechseln ähnlich. Wenn wir Menschen also anfangen würden, das eine vom anderen zu scheiden, indem wir die einen Menschen als gut erklären und die anderen verurteilen, dann könnten wir schnell in die Irre gehen. Es ist besser, diese Scheidung – dieses Gericht – Gott zu überlassen. Er wird es am Ende der Zeiten in Gerechtigkeit und Milde vollziehen.

Ebenfalls gilt es zu bedenken, dass niemand von vorneherein darauf festgelegt ist, Weizen oder Unkraut zu sein. Gott hat uns die Freiheit geschenkt, die wir zum Guten gebrauchen sollen. Er will nicht, dass wir das Böse tun, aber er lässt es zu, weil er uns nicht zum Guten zwingen will. Dennoch wartet Gott bis zuletzt auf die Umkehr jener, die Böses tun. Er hat nichts davon und es liegt nicht in seinem Interesse, dass sich der Sünder im Bösen verhärtet und sich endgültig festlegt auf seinen Status als Sünder. Indem Gott seinen Sohn in die Welt gesandt hat und dieser am Kreuz sein Leben für uns Sünder hingegeben hat, bietet er allen das Geschenk der Rettung und Erlösung an. Die Liebe des Herzens Jesu kennt keine Grenzen, und selig ist der Mensch, der an diese Liebe glaubt und vom Herrn Vergebung empfängt!

Ein Letztes wollen wir noch bedenken: Finden wir nicht manchmal beides in unserem eigenen Herzen – das Gute und das Böse –, also Weizen und Unkraut? Hier dürfen und sollen wir tätig werden und mit Gottes Hilfe das Böse entfernen – gleichsam „ausreißen“ – und uns im Guten festigen. Vielleicht werden wir dann auch milder und nachsichtiger mit unseren Mitmenschen, bei denen wir geneigt sind, den Splitter in ihrem Auge zu sehen, während wir den Balken im eigenen Auge leicht übersehen. Der erste Acker, den Gott uns anvertraut hat, ist unser eigenes Herz.

Demut und Gottvertrauen sind nötig. Möge uns die Fürbitte der Jungfrau Maria, der Mutter der Barmherzigkeit, den guten Weg weisen! Wir beten darum, dass möglichst viele Menschen das Heil in Christus empfangen, denn beim himmlischen Hochzeitsmahl sollte möglichst keiner von denen fehlen, die der Herr geladen hat. Amen.