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Predigt:

Auch uns begegnet der lebendige Gott

19. Sonntag im Jahreskreis A (09.08.2026)

L1: 1 Kön 19,9a.11-13a; L2: Röm 9,1-5; Ev: Mt 14,22-33


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Jesus hatte endlich Gelegenheit gehabt, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen. Dort betete er zu seinem himmlischen Vater, und er konnte sich auch etwas erholen. Im heutigen Evangelium werden wir Zeugen dessen, dass Jesus anschließend auf dem See wandelt und den Jüngern erscheint. Sie befinden sich in einem Boot und der Sturm ist stark. Sie haben Angst, und da begegnet ihnen Jesus auf dem See. Die Jünger sind verunsichert. Sie können es nicht glauben, dass es Jesus ist. Erst als sich Jesus zu erkennen gibt, wagt es Petrus, dem Herrn sogar auf dem See entgegenzugehen.

Das ist an sich unmöglich. Petrus aber glaubt Jesus, er vertraut ihm. So wird das Unmögliche wahr – bis zu dem Zeitpunkt, als Petrus zweifelt. Da droht er unterzugehen und Jesus rettet ihn. Jesus kommt dann in das Boot und der Sturm wird gestillt. Es ist Windstille. Alle sind erschüttert, alle sind ergriffen. Sie haben erkannt: Jesus ist der Gesalbte Gottes, das heißt der Messias, der Christus. Er vermag es, dem Sturm Einhalt zu gebieten. So zeigt sich in diesem Evangelium eine Gottesbegegnung.

Eine andere Form der Gottesbegegnung wurde in der Lesung vorgestellt. Der Prophet Elija begegnet Gott, indem er sich in eine Felsenhöhle zurückzieht. Dann ist zuerst ein Sturm und dann ein Erdbeben; in beiden ist Gott noch nicht gegenwärtig. Aber schließlich, im sanften, leisen Säuseln begegnet Gott dem Propheten.

Können auch wir Gott begegnen? Wie geschieht das? Gott ist immer der Unbegreifliche. Er scheint manchmal fern zu sein und doch ist er uns ganz nahe. Auch wir können Momente der Stille suchen. Auch wir sollen loslassen von dem, was uns antreibt, was uns plagt und was uns stresst. Deshalb gibt es auch Erholung und Urlaub. Dies ist eine Gelegenheit, auch mit anderen zusammen – wie mit den Familienmitgliedern – ein wenig Abstand zu nehmen und sich wieder auf das Wesentliche des Lebens zu besinnen, sodass wir aufmerksam und dankbar sind für alles, was uns täglich geschenkt wird. Wir finden auf diese Weise gleichsam mehr zu uns selbst. Wir sollen auch näher zum Mitmenschen hinfinden und hoffentlich auch näher zu Gott.

Gott selbst möchte sich uns ja zeigen. Er ist uns nahe. Wenn wir uns Zeit nehmen für das Gebet, dann ist das etwas Großes und Schönes. Und wenn dieses Gebet auch in Gemeinschaft erfolgen kann, zumindest manchmal, dann hat es seine besondere Kraft. So sind wir eingeladen, zum Beispiel auch als Familie zu beten, und dann zeigt sich uns doch irgendwie die Nähe Gottes, seine Liebe.

Ja, wir werden wahrscheinlich keine so spektakuläre Gottesbegegnung erfahren wie damals die Jünger im Boot. Aber dennoch zeigt sich Gott in unserem Leben. Wir werden wunderbar geführt, wir werden begleitet. Gott steht uns bei, wenn es uns gut geht, aber auch, wenn es uns weniger gut geht. Wir dürfen darauf vertrauen, dass es in allem, was Gott zulässt, auch einen Sinn gibt, der uns auch durch Leiden zum Heil und zur Freude hinführt.

Das ewige Ziel, das wir erreichen sollen, ist die Gemeinschaft mit Gott im Himmel, dort, wo wir als Menschen vollendet werden und die Gemeinschaft der Heiligen erfahren dürfen. Bitten wir die Gottesmutter Maria um ihre Fürbitte. In besonderer Weise rufen wir auch den Diözesanpatron von Sankt Pölten an, den heiligen Hippolyt, dessen Hochfest am 13. August gefeiert wird. Dieser große Heilige hat es auch verstanden, in seinem Leben Gott zu suchen und zu bezeugen. So ist er für viele auch ein Wegbegleiter geworden und ein Fürbitter vom Himmel aus.

Amen.