Predigt:
Wir werden ganz sicher erhört
20. Sonntag im Jahreskreis A (16.08.2026)
L1: Jes 56,1.6-7; L2: Röm 11,13-15.29-32; Ev: Mt 15,21-28
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Eine Frau aus Kanaan bittet Jesus, ihre Tochter zu befreien. Sie werde von einem Dämon gequält. Im heutigen Evangelium überrascht es, dass Jesus anders reagiert als sonst. Meist wendet er sich den Kranken und Leidenden direkt zu und heilt sie. Diesmal scheint es, als würde er die Frau zurückweisen. Sie gehört nicht zum auserwählten Volk Gottes, sondern ist eine Fremde. Jesus ist – wie er selbst sagt – „nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“
Hätte die Frau die Weigerung Jesu einfach so akzeptiert, dann würde die Erzählung hier enden. Sie hätte sagen können: „Ja, so ist das nun einmal. Ich habe hier keine Chance auf Erhörung.“
Die Frau gibt jedoch nicht nach, sondern fällt vor Jesus auf die Knie. Was sie erbittet, ist nicht ungebührlich, und doch scheint es abermals, dass Jesus sie abweist. Man dürfe nicht den Kindern das Brot wegnehmen, um es den kleinen Hunden vorzuwerfen. Wer ist damit gemeint? Die Kinder sind die Angehörigen des Volkes Israel, als Hunde galten die Heiden, die nicht an den wahren Gott glaubten. So betrachtet sind das harte Worte Jesu, die sich die Frau hier anhören muss.
In Wirklichkeit prüft Jesus nur ihren Glauben, und diesen bekundet die Frau anschließend mit ihrer zuversichtlichen Erwiderung: Auch die Hunde essen von den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Das bedeutet in ihrer Situation: Auch für mich und meine Tochter muss noch etwas übrig sein. Erhöre mich, Herr!
Jetzt wendet sich das Blatt. Jesus bestätigt ausdrücklich: „Frau, dein Glaube ist groß. Es soll geschehen, wie du willst.“ Von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt, berichtet der Evangelist Matthäus.
Was kann uns dieses Geschehnis sagen? Immerhin geht es uns auch als Christen mitunter so, dass unser Gebet scheinbar keine Erhörung findet. Da tragen wir Gott dem Herrn ein wichtiges Anliegen vor, und doch machen wir die Erfahrung, als ob wir abgewiesen würden.
Wir könnten uns in einem solchen Fall verärgert oder schmollend zurückziehen und sagen: O Gott, für mich hast du nichts übrig. Ich muss das akzeptieren. Und manche Menschen tun dies wahrscheinlich auch. Sie geben auf und hören auf zu beten.
Allerdings gibt es auch die andere Erfahrung, die ähnlich ist wie bei der kanaanäischen Frau. Dies würde bedeuten, dass wir nicht aufgeben und nicht nachlassen im Gebet. Auf diese Weise zeigt sich unser Glaube und unser Gottvertrauen. Gott weiß ja, was gut ist für uns und was wir wirklich brauchen. Schlussendlich erhört er jede Bitte aus einem ehrlichen Herzen, und zwar auf die bestmögliche Weise.
Bestmöglich heißt hier, dass es um das ewige Heil geht, um die Teilhabe am Himmelreich. Da mag es dann im Einzelfall schon sein, dass gewisse Bitten nicht so erfüllt werden, wie wir uns das vorstellen. Aber selbst dann gibt uns Gott nicht weniger, sondern stets mehr, als wir erbitten. Er erhört uns auf die Weise, wie es seiner göttlichen Weisheit, Allmacht und Liebe entspricht.
Vielleicht ist es gerade dann, wenn wir nicht sofort Erhörung finden, angebracht, an die bisherigen Wohltaten Gottes zu denken. Wir beten beispielsweise schon seit Wochen um den überaus nötigen Regen und können es schwer ertragen, dass rundherum vieles verdorrt und zugrunde geht. Haben wir aber nicht umgekehrt bisher zu vieles als selbstverständlich angesehen und vielleicht auch zu wenig gedankt für die Gaben der Natur, die uns der Schöpfer schenkt?
Besinnung im eigenen Herzen tut allemal gut. Der Glaube soll nicht wanken. Wir wollen daher unsere Zuversicht in Gottes gütiges Wirken stärken. Die Fürbitte aller Heiligen des Himmels begleite uns, wenn wir Gott unsere Bitten und Anliegen vortragen. Die Erhörung kommt so sicher wie das Amen im Gebet, und wenn wir noch etwas warten müssen, dann soll die Geduld unsere Hoffnung stärken. Preiset den Herrn und danket ihm allezeit! Amen.
