Predigt:
Irdischer und himmlischer Lohn
25. Sonntag im Jahreskreis A (20.09.2026)
L1: Jes 55,6-9; L2: Phil 1,20ad-24.27a; Ev: Mt 20,1-16a
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.“ Wir kennen diesen Grundsatz sehr gut und bejahen ihn, denn allzu oft werden Menschen benachteiligt, obwohl sie dasselbe leisten wie andere. Gerade Frauen geraten oft ins Hintertreffen, was berechtigterweise zu kritisieren ist.
Im Gleichnis vom Gutsbesitzer geschieht dem Anschein nach genau dieses: Die Letzten erhalten denselben Lohn wie die ersten. Doch während der Gutsherr mit den Arbeitern der ersten Stunde genau einen Denar als Lohn für die Arbeit des Tages vereinbart hat, ist das bei den später angeworbenen Arbeitern nicht so. Man werde ihnen geben, was recht ist, so war es angekündigt. Die große Überraschung folgt aber bei der Lohnauszahlung am Ende des Tages: Alle erhalten gleich viel, nämlich einen Denar.
Es ist verständlich, dass sich hier diejenigen zurückgesetzt fühlen, welche einen ganzen Tag gearbeitet haben. Denn die Arbeiter der letzten Stunde haben gleich viel wie sie erhalten.
Jesus möchte mit diesem Gleichnis nicht das eingangs erwähnte Prinzip „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ umstoßen. Die Gerechtigkeit in der Verwaltung der irdischen Güter und in Bezug auf die dafür nötige Arbeit ist sogar sehr wichtig.
Vielmehr geht es um das Himmelreich: Gott lädt durch seinen Sohn Jesus Christus alle Menschen ein, sich in den Dienst dieses Reiches zu stellen. Doch werden die Menschen zu unterschiedlichen Zeiten ihres Lebens angesprochen. Da sind die Arbeiter der ersten Stunde, welche von Anfang an bereit sind, im Glauben an Gott ihr Leben einsetzen als Dienst vor Gott und für die Menschen. Da gibt es aber auch Menschen, bei denen es länger dauert, bis sie begreifen, was sie aus ihrem Leben machen sollen und wofür es gut ist. Auch die Arbeiter der letzten Stunde gibt es: Vielleicht ist es sogar ein Verbrecher, wie der rechte Schächer an der Seite des gekreuzigten Jesus, der sich in den letzten Stunden seines Lebens noch bekehrt, indem er die Gnade Gottes annimmt.
Und wenn wir fragen, was denn der himmlische Lohn für einen jeden sei, so gilt: Zuerst ist alles Gnade, also Geschenk der unverfügbaren Liebe Gottes. Denn niemand hat ein Recht darauf, ins Himmelreich einzutreten. Wir können uns den Himmel nicht verdienen – auch nicht durch gute Werke, wenn wir diese aus eigener Kraft vollbringen wollten. In allem sind wir auf die Gnade und das Erbarmen unseres Herrn und Gottes angewiesen. So gesehen erhalten dann alle ihren Denar, und dieser ist weder für die einen zu viel noch für die anderen zu wenig. Gott steht es zu, und er hat das Recht, barmherzig zu sein und auch Schuld zu vergeben. Er ist dabei aber nicht ungerecht, obwohl seine Gedanken unsere Gedanken so weit übersteigen, so hoch wie der Himmel über der Erde ist, wie es in der Lesung aus dem Buch Jesaja heißt.
Seid bereit, wenn Gott euch ruft! Zögert nicht Ja zu sagen und in den Dienst Gottes zu treten! – Diese Aufforderung ergeht an uns alle, und jeder Tag ist eine neue Einladung, ein neuer Aufruf zur Bewährung im Guten. In der Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper heißt es, er wolle auf jeden Fall Christus verherrlichen in seinem Leib, ob er lebe oder sterbe. Ja, darauf kommt es an: Gott in allem die Ehre zu geben, indem wir Gutes tun und dadurch die Gottes- und Nächstenliebe üben. Auf diese Weise sind wir gute Arbeiter im Weinberg des Herrn, und der Herr wird uns einst aufnehmen in sein himmlisches Reich, wenn unsere letzte Stunde gekommen ist. Amen.
