Predigt:
Auch heuer feiern wir Erntedank
27. Sonntag im Jahreskreis A (04.10.2026)
L1: Jes 5,1-7; L2: Phil 4,6-9; Ev: Mt 21,33-44
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Heuer feiern wir Erntedank etwas anderes als in früheren, „normalen“ Jahren. Aufgrund der trockenen Witterung über viele Monate hinweg ist die Ernte für manche Früchte heuer bedeutend schlechter ausgefallen als für gewöhnlich. Sollen wir deshalb auf das Erntedankfest verzichten? Was bliebe dann – die eigene Unzufriedenheit und ein allgemeines Jammern und Sich-Beklagen? Vielleicht sollten wir es umgekehrt sehen: das heurige Jahr zeigt es, dass es umso nötiger ist, Gott für alles zu danken, was wir von ihm empfangen haben und weiterhin empfangen werden. Zuerst ist dies unser Leben, die Gesundheit, unsere Familie, unsere Freunde, dann auch vieles andere mehr bis zu den Früchten des Feldes und den Erträgnissen aus Wald, Weinberg und Garten. Gott ist und bleibt der eigentliche Spender alles Guten. Er hat in die Natur wunderbare Kräfte eingesenkt, die gewissen Gesetzmäßigkeiten unterliegen und auch Schwankungen in der Menge des Ertrags bedingen können.
Die Lesungen und das Evangelium entsprechen dem heute anfallenden 27. Sonntag im Jahreskreis A. Was können uns diese Texte sagen? Wir haben in der ersten Lesung aus dem Buch Jesaja ein Weinberg-Gleichnis gehört. Der Besitzer tut alles Mögliche für diesen Weinberg, doch er bringt keine Frucht. Irgendwann aber sagt er sich: „Was soll die ganze Mühe?“, und er lässt den Weinberg verwildern. So nimmt sich auch Gott seines Volkes an und hält ihm stets die Treue. Wenn aber das Gottesvolk störrisch ist, was wird dann geschehen? Gott achtet die Freiheit der Menschen und zieht sich gleichsam zurück, bis dann das untreue Volk vielleicht doch wieder zur Einsicht kommt.
Der Lesung des Philipperbriefes des Apostels Paulus entnehmen wir für das heutige Erntedankfest: „Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!“ (Phil 4,6). So groß ist das Vertrauen des Apostels, dass er Gott alles zutraut. Dies schließt freilich unsere Eigentätigkeit nicht aus, sondern setzt sie voraus. So werden die Landwirte auch in Zukunft ihre Arbeitskraft einsetzen, wohl wissend, dass das Wachstum nicht von ihnen selbst bewirkt wird, sondern von Gott durch die Kräfte der Natur geschenkt wird.
Das Evangelium dieses Sonntags beinhaltet einige gewalttätige Szenen, die man sich am liebsten ersparen möchte. Und doch ist diese Welt leider so, wie wir aus den täglichen Nachrichten und manchen eigenen Erfahrungen wissen! Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt, denn er ist im Gleichnis Jesu der Gutsbesitzer eines Weinberges, in welchem seine Knechte arbeiten. Der Sohn Gottes – Jesus Christus selbst – aber wird abgelehnt und schließlich getötet. Hier sagt Jesus seinen Zuhörern sein kommendes Leiden und Sterben voraus. Dennoch können die undankbarsten Knechte den Heilsplan Gottes nicht vereiteln. Der Aufruf ergeht an alle, sich zu besinnen und zu bekehren und wahre Früchte in Liebe und Gerechtigkeit zu bringen.
In diesem Sinn also feiern wir heute das Erntedankfest, und wir beten für alle Notleidenden in der Welt, für alle, die der Hilfe anderer bedürfen. Trotz teilweise starker Ernteausfälle wird bei uns hoffentlich niemand zu hungern brauchen. Dafür jedenfalls gilt es Gott dem Herrn zu danken. Er möge uns weiterhin gut durch unser Leben geleiten, dem ewigen Ziel des himmlischen Reiches entgegen!
All dies durfte der heilige Franz von Assisi in seinem Leben und in seinem Sterben – verstanden als „Hinübergang“ („Transitus“) – erfahren. Er hat uns den Lobgesang auf Gottes Schöpfung, den berühmten Sonnengesang geschenkt. Am Abend des 3. Oktober 1226 – also vor genau 800 Jahren – verschied der heilige Franziskus in der Portiunkula-Kapelle bei Assisi, umgeben von den Brüdern seines Ordens, in tiefem Frieden mit Gott.
Amen.
